Juanjo: "Die Chance zur Revanche"
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Spanien hat sich im Halbfinale der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft Thailand 2012 gerade mit 4:1 gegen Italien durchgesetzt. Als der spanische Stammtorwart Juanjo aus der Kabine kommt, um sich mit FIFA.com zu einem Gespräch zusammenzusetzen, macht er den Eindruck, als stünde er noch auf dem Platz: Er ist aufmerksam, konzentriert und bereit, jede Bewegung des Gegners vorauszuahnen.

Er strahlt Ruhe und Gelassenheit aus, wie jemand, der seine Pflicht erfüllt hat – und das nicht ohne Grund. Schließlich steht La Roja bereits zum fünften Mal in Folge im Finale des Weltereignisses und, genau wie vor vier Jahren, heißt der Gegner Brasilien. Bei der letzten Auflage wurde die Seleção den Spaniern zum Verhängnis. "Das gibt uns zweifellos Gelegenheit zur Revanche für die letzte WM und die Chance, Wiedergutmachung zu leisten. Wir wissen, dass sie eine super Mannschaft haben, aber dieses Team ist bereit, zumindest zu versuchen, sie zu schlagen", meinte er bescheiden.

Torhüter mit Siegermentalität
Aus den Worten von Juanjo spricht sicher keine falsche Bescheidenheit, denn der 27-Jährige aus Cieza (Murcia) ist es gewohnt, sich im Hintergrund zu halten. Schließlich musste er geduldig auf seine Chance warten, um den Platz zwischen den Pfosten der spanischen Nationalmannschaft einzunehmen. Luis Amado, sein Vorgänger auf dieser Position, zog sich erst kürzlich nach zwei Weltmeistertiteln und einem zweiten Platz aus der Nationalmannschaft zurück.

"Natürlich ist es nicht einfach und man steht ganz schön unter Druck", so der Schlussmann, der 2008 als Ersatzmann von Amado fungierte. "Nach allem was Luis gewonnen hat und wie er die Torwartposition im Futsal geprägt hat, war klar, dass ich mit dem Vergleich leben musste. Aber glücklicherweise läuft bisher alles gut. Und ich hoffe, dass ich noch eine ganze Weile dabei sein werde"", meint er mit einem schüchternen Lächeln.

Einmal abgesehen von seinem hervorragenden Auftritt gegen Russland im Viertelfinale, wo er beim 3:2-Sieg Spaniens zum Helden der Partie avancierte, bringt Juanjo genau das mit, was der Torhüter einer Spitzenmannschaft braucht: Auch wenn er nicht viele Schüsse auf seinen Kasten bekommt, ist er immer auf dem Posten, das hat sich auch bei den Gegnern schon herumgesprochen. "Das geht nicht alles auf meine Kappe, sondern hat auch etwas damit zu tun, was meine Teamkameraden machen. Aber jedes persönliche Lob ist natürlich gut für das Selbstbewusstsein und motiviert einen dazu, weiter an sich zu arbeiten. Das ist ein gutes Gefühl", meint der Spieler mit der Trikotnummer zwölf.

Erfolge, Analysen und Träume
Juanjo ist keinesfalls überrascht vom überaus soliden Auftritt Spaniens im Halbfinale. "Warum sollte man da überrascht sein?", fragt er. "Dieses Team bietet dem Gegner in wichtigen Partien immer die Stirn... Gegen Iran haben wir vielleicht nicht optimal gespielt, gegen Russland und Italien aber schon. Wer die Auftritte der Mannschaft in den letzten zehn Jahren verfolgt hat, weiß, dass wir immer im Finale gestanden haben und dabei unserem Stil treu geblieben sind."

Für den Torwart liegt einer der Schlüssel zum Erfolg in der Einstellung der Mannschaft. "Wenn man immer unter dem Druck des Titelanwärters steht, ist das wie eine Last, weil man sich keine Schlappe leisten darf. Und es gibt immer mehr Gegner, die in der Lage sind, dich zu schlagen. Es ist nicht einfach, sich zu behaupten, aber wir haben es wieder geschafft, ins Endspiel einzuziehen", erklärt Juanjo, der 2006 sein Debüt in der A-Nationalmannschaft feierte.

Der Schlussmann kommt schnell auf den Punkt, als wir ihn um eine etwas detailliertere Analyse des anstehenden Finales gegen Brasilien bitten. "Sie sind hervorragend im Angriff und erzielen viele Tore, aber ich glaube, dass wir physisch stärker sind und mit mehr Dynamik in die Partie gehen werden, da wir bereits gegen zwei andere Titelanwärter angetreten sind." Allerdings erwartet er keinen offenen Schlagabtausch. "Das wäre gut, aber wahrscheinlich wird das eine ganz enge Kiste werden, weil wir viel Respekt voreinander haben", sagt er.

Die Möglichkeit, die große Trophäe in den Händen zu halten, erfüllt Juanjo natürlich mit Begeisterung. "Das ist mein großer Traum, vor allem, weil ich 2004 nicht gespielt und 2008 den Titel verpasst habe." Aber für ihn gibt es noch eine Zusatzmotivation. "Gegen Brasilien zu gewinnen, das würde den Titelgewinn zu einem noch größeren Erfolg machen", meint er abschließend.