Fortino: "Wie ein reißender Fluss"
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Als Rodolfo Fortino 46 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit im Viertelfinale der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft Thailand 2012 gegen Portugal den 3:3-Ausgleich erzielte, gab es für den WM-Debütanten kein Halten mehr. Mit weit aufgerissenem Mund und erhobenen Armen stürmte er in Richtung Spielerbank, um mit seinen Teamkollegen das Comeback des Tages zu feiern.

"Als ich den Treffer erzielt habe, hat sich mein Kopf wie ein reißender Fluss angefühlt. Ich habe an meine Familie und meine Mitspieler gedacht, mit denen ich im Vorfeld so hart für diesen Erfolg gearbeitet habe", erinnerte sich der 29-Jährige, als ihn FIFA.com während der Partie zwischen Spanien und Russland auf der Zuschauer-Tribüne interviewte.

Fortinos Tor war der letzte Tropfen, der das Fass der italienischen Futsal-Auswahl zum überlaufen brachte und den 4:3-Erfolg nach Verlängerung gegen die Iberer erst möglich machte. 0:3 lag die Squadra Azzurra nach knapp zwölf Minuten gegen den europäischen Rivalen zurück, und es sah nicht danach aus, als ob die Italiener die Ricardinho-Gala hätten stoppen können.

Fortino: "Das waren nicht wir"
"In der Halbzeit haben wir uns in die Augen geschaut und uns gesagt: 'Das waren nicht wir in den ersten 20 Minuten.' Wir wussten, dass wir uns steigern können und müssen. Wir mussten rauskommen, unser wahres Gesicht zeigen und unsere Leistung bringen. Glücklicherweise ist uns das gelungen."

In der Tat zeigte das Team von Trainer Roberto Menichelli im zweiten Abschnitt seine Qualitäten und feierte ein beeindruckendes Comeback. Saad Assis per Strafstoß, Gabriel Lima und Fortino sorgten für die Verlängerung, in der Humberto Honorio der viel umjubelte Siegtreffer gelang.

"Es war ein außergewöhnliches Match. Ich kann mich nicht daran erinnern, eine Partie gespielt zu haben, in der wir mit drei Toren zurücklagen und die Begegnung noch zu unseren Gunsten gedreht haben. Aber so ist Futsal. Ich denke, dass wir den Einzug ins Halbfinale verdient haben. Wir waren alle überglücklich und lagen uns in der Kabine in den Armen. Es flossen auch einige Tränen der Freude. Es war sehr emotional", erklärte der mit sechs Treffern zweitbeste Torschütze der Nazionale, während er sich den Halbfinalgegner mit seinen Mitspielern anschaute.

Erneutes Duell gegen Spanien
Am Freitag trifft der WM-Dritte von 2008 auf Europameister Spanien, der sich etwas glücklich in der Neuauflage des EM-Endspiels mit 3:2 gegen Russland durchsetzen konnte und sich am Ende bei Torhüter Juanjo bedanken konnte, der den Sieg für die Furia Roja festhielt.

Fortino und seine Teamkollegen haben ihre Lehren aus der Runde der letzten Acht gezogen und legen ihre Konzentration voll und ganz auf die Neuauflage der Halbfinals der EURO 2012 und WM 2008 gegen Kike und Co., die beide verloren gingen.

"Wir haben gegen Portugal eine wichtige Lektion gelernt und werden im Halbfinale genauso auftreten, wie in der zweiten Halbzeit gegen Portugal. Gegen Spanien wird es ungleich schwerer. Ich erwarte eine härtere Partie als bei der EM. Zu diesem Zeitpunkt des Turniers gibt es keine einfachen Spiele mehr. Wir wissen, dass sie gemeinsam mit Brasilien über das stärkste Team bei dieser WM verfügen und respektieren die Leistungen dieser Mannschaft sehr", zollte Fortino Europas Aushängeschild seinen Respekt.

Viel mehr Lorbeeren wird es für die Spanier allerdings nicht geben. Wenn die beiden Nationen vom Alten Kontinent sich um 17:00 Uhr am Freitagnachmittag im Indoor Stadium Huamark in Bangkok gegenüberstehen, wird Fortino alles daran setzen, die Iberer zu bezwingen. Falls dies gelingen sollte, könnte aus dem reißenden Fluss ganz schnell noch viel mehr werden...