Positive Bilanz trotz Heimreise
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Das Ausscheiden bei einem großen Turnier ist meist eine schmerzhafte Erfahrung, insbesondere wenn man es bis in die K.o.-Runden geschafft hat. Doch die Trainer der Teams, die am Sonntag und Montag im Achtelfinale der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft Thailand 2012 scheiterten, zeigten sich größtenteils zufrieden.

Gastgeber Thailand hatte mit dem Sprung ins Achtelfinale beim Heimturnier bereits einen unerwarteten Erfolg gefeiert. Nach der klaren 1:7-Niederlage gegen die herausragenden Spanier kann das thailändische Publikum nun allerdings seine Helden nicht mehr so begeistert anfeuern. Doch trotz der Niederlage ist Victor Hermans, der niederländische Trainer der Gastgeber, mehr als zufrieden mit den enormen Fortschritten, die sein Team in den sechs Monaten seit der AFC Futsal-Meisterschaft gemacht hat. Er hofft, dass sich diese Entwicklung nun fortsetzt.

"Wir haben zwischen Dubai und jetzt riesige Fortschritte gemacht", so der 59 Jahre alte Coach. "Ich hoffe, dass die Spieler zahlreiche wertvolle Lektionen gelernt haben, beispielsweise wie man ein Spiel dominiert und den Ball behauptet. Wenn das in Zukunft auch uns noch besser gelingt, dann können wir es mit jedem Gegner aufnehmen."

Hermans schmiedet bereits Pläne für die Zukunft: "Wir wollen den Futsal in Thailand weiter voran bringen. Dazu richten wir im ganzen Land mehrere Ligen und Staffeln ein. Diese müssen nun so schnell wie möglich den Betrieb aufnehmen. Ich hoffe, dass wir dabei zahlreiche neue Talente entdecken werden."

Auch Irans Trainer Ali Sanei, dessen Schützlinge im Achtelfinale überraschend gegen Kolumbien unterlagen, ist angesichts des enorm gesteigerten Niveaus trotzdem zufrieden: "Der Futsal hat sich in den vergangenen Jahren unglaublich weiter entwickelt. Wir haben es gerade hier in Thailand gesehen. So haben beispielsweise die Salomon-Inseln gegen Guatemala gesiegt und Kuwait hat sich gegen Ägypten durchgesetzt. Das zeigt, dass sich das Spiel unaufhaltsam weiter entwickelt."

Für die asiatischen Teams war der Sonntag der Tag der Wahrheit. Alle drei noch verbliebenen Nationen aus Asien mussten sich aus dem Turnier verabschieden. Für Sanei steht daher fest, dass die asiatischen Teams sich im Kampf gegen europäische Mannschaften weiter verbessern und das Niveau in Asien steigern müssen. Derzeit bestehe noch ein zu großes Leistungsgefälle zwischen den asiatischen Teams und den europäischen Konkurrenten.

Wertvolle Erfahrung gesammelt
Für die aufstrebenden Teams war Thailand 2012 die perfekte Gelegenheit, sich gegen die besten Mannschaften der Welt zu beweisen. Panama trat in der Gruppenphase gegen Spanien an und traf im Achtelfinale auf Brasilien. Trotz der 0:16-Niederlage gegen den Weltmeister zeigte sich Trainer Agustin Campuzano zufrieden.

"Wir reisen völlig zufrieden aus Thailand ab", sagte er. "Wir waren hier dabei, um Wettkampferfahrung zu sammeln, und genau das haben wir getan. Die Spieler haben sich einen Traum erfüllt. Sie sind gegen Weltmeister Brasilien und gegen Vize-Weltmeister Spanien angetreten. Solche Erfahrungen sind unbezahlbar."

Auch Serbiens Trainer Aca Kovacevic ist zufrieden: "Das war wirklich eine fantastische Erfahrung für uns. Ich bin Realist genug, um zu wissen, dass die Qualifikation für Thailand und der Gruppensieg hier riesige Erfolge für uns waren. Fast wären wir sogar noch weiter gekommen, aber dieses Mal sollte es noch nicht sein."

Die Tschechen scheiterten an Russland, doch auch ihr Trainer Tomas Neumann ist zufrieden, da sein Team bis an seine Leistungsgrenzen vorgestoßen sei: "Dies war letztlich für uns ein erfolgreiches Turnier. Unsere jungen Spieler und ich selbst freuen uns auf die weitere Entwicklung und auf die Teilnahme an kommenden Turnieren."

Für Ägyptens Coach Badr Khalil überwiegt das Positive. Er sagte: "Wir haben gute Leistungen gezeigt und sind so weit gekommen wie seit 20 Jahren nicht mehr." Für Khalil ist bereits die Teilnahme die halbe Miete: "Bei einem großen Turnier wie diesem dabei zu sein und gegen all die Spitzenteams anzutreten, gibt den Spielern viel Selbstbewusstsein und Erfahrung. Genau das nehmen wir aus Thailand mit."

Neben all diesen zufriedenen Stimmen gab es indes auch Trainer, die ihre Enttäuschung über das (zu) frühe Ausscheiden nicht verhehlen wollten, beispielsweise Paraguays Coach Fernando Leite: "Ich finde, dass wir in der Qualifikation besser waren. Ich hatte gehofft, dass wir diesen Schwung mit zur Endrunde nehmen könnten, aber leider hat es sich nicht so entwickelt, wie ich es erwartet hatte."

Japans Trainer Miguel Rodrigo hat Konzentrationsmängel seiner Schützlinge als Grund für deren Ausscheiden im Achtelfinale ausgemacht. "Die Unterstützung des Publikums war sehr wichtig", sagte er, "und die Spieler haben sehr davon profitiert, doch am Ende sind wir trotzdem ausgeschieden."

Während die etablierten Teams weiter im Rennen um den Titel stehen, nehmen die acht ausgeschiedenen Mannschaften wertvolle Lektionen aus Thailand mit – und in vier Jahren werden wir sicher einige von ihnen mit weiter gestärktem Selbstvertrauen wiedersehen.