Pereverzev: "Die Null haben wir uns verdient"
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Die russische Futsal-Nationalmannschaft stellt bei der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft Thailand 2012 bislang das Team mit der besten Defensive. Kein einziges Gegentor musste die Sbornaja in ihren bisherigen vier Spielen gegen die Salomon-Inseln, Guatemala, Kolumbien und zuletzt im Achtelfinale gegen die Tschechische Republik hinnehmen.

Doch in der Runde der letzten Acht könnte sich dies ändern, denn am Mittwoch wartet kein geringerer Gegner als Europa- und Vizeweltmeister Spanien auf die Mannschaft um Abwehrrecke Nikolay Pereverzev, der seinen Teil zur weißen Weste der Osteuropäer beigetragen hat.

"Wir haben uns die Null verdient, da wir dafür hart gearbeitet haben. Wenn wir kein Tor kassieren, bedeutet das mindestens ein 0:0. Wenn wir dann nur eine unserer Chancen nutzen, führen wir mit 1:0, was schon zum Sieg reichen kann", analysierte der 25-Jährige im Exklusiv-Interview mit FIFA.com die hervorragende Defensive seines Teams.

19 Duelle, null Siege
Trainer Sergey Skorovich sieht die Gesamtsituation etwas pragmatischer und erklärte in seiner typisch trockenen Art: "Natürlich finde ich es als Coach gut, wenn wir kein Gegentor hinnehmen müssen. Aber unser Hauptziel ist es, jedes Spiel zu gewinnen, egal wie."

Am Mittwoch werden der Futsallehrer und seine Mannschaft den nächsten Versuch unternehmen, der Furia Roja ein Bein zu stellen. Die Bilanz aus russischer Sicht ist allerdings ernüchternd. Seit 1992 gelang es den Russen in 19 Duellen kein einziges Mal, den Platz als Sieger zu verlassen. Zuletzt unterlag man im EM-Finale im Februar nach hartem Kampf mit 1:3 n.V..

"Zwischen Spanien und uns herrscht eine Rivalität, da sowohl sie als auch wir die Besten sein wollen. Derzeit hat Spanien die Nase noch vorn. Aber ich hoffe, dass wir unsere Bilanz gegen sie in der nächsten Partie aufbessern können", erklärte Pereverzev.

Revanche für das EM-Finale
"Das EM-Finale konnten wir bereits sehr ausgeglichen gestalten und hätten es verdient gehabt zu gewinnen. Ich hoffe, dass Gott dies gesehen hat und uns dieses Mal helfen wird. Eines Tages muss Spanien mal wieder verlieren, und ich hoffe, dass dies am Mittwoch der Fall sein wird", sagte der zweifache WM-Teilnehmer weiter.

Auch sein Trainer erwartet gegen die Iberer eine enge Partie. "Für beide Mannschaften wird es eine schweres Begegnung. Es ist die Neuauflage des EM-Endspiels und sowohl Spanien als auch wir wollen diese Partie unbedingt gewinnen. Ich denke, dass sie der Favorit sind. Wir werden allerdings alles versuchen, sie vom Thron zu stoßen", versprach Skorovich.

Pereverzev und seinen Defensiv-Kollegen wird dabei eine ganz besondere Rolle zukommen. Denn obgleich der 1,70-Meter-Mann bereits selbst einen Treffer bei diesem weltweiten Kräftemessen erzielt hat, interpretiert er seine Rolle in der Mannschaft relativ unspektakulär.

Respekt vor Spanien
"Es ist nicht immer einfach, die Balance zwischen Defensive und Offensive zu halten. Aber meine Hauptaufgabe ist es, die Fehler meiner Mitspieler auszubügeln und vor unserem eigenen Tor für Ordnung zu sorgen", sagte der zweitjüngste Spieler im Kader der Russen.

Gegen die Iberer, die bei dieser WM bereits 22 Treffer erzielten, wird der Blondschopf somit einiges zu tun bekommen. Ob sein Augenmerk auf einen bestimmten Star der Spanier gerichtet sein wird, wollen wir von ihm wissen. "Ich denke, dass jeder spanische Spieler unsere Aufmerksamkeit verdient. Als Gruppe sind sie unheimlich gefestigt und gefährlich, da kommt es gar nicht so sehr auf die Einzelspieler an", lautete die Analyse Pereverzevs.

Zudem sieht er eine gewisse Gefahr darin, dass man im Gegensatz zum kommenden Gegner noch nicht ganz auf der Höhe des Geschehens sein könnte. Während die Südeuropäer bereits in ihrer Auftaktpartie gegen Iran einem Schwergewicht des weltweiten Fusal gegenüberstanden (2:2), hatte Russland bislang ein verhältnismäßig leichtes Programm.

Den Schalter umlegen
"Ja, es könnte ein kleines Problem sein, da wir im Kopf von den Salomon-Inseln über Guatemala zu Spanien umschalten müssen. Aber wir kennen unseren nächsten Gegner recht gut und werden ihm einen harten Kampf bieten", ließ Pereverzev, der vor vier Jahren mit seiner Mannschaft auf Platz vier landete, abschließend verlauten.

Es klingt ein wenig wie ein Understatement, aber nach den Gesprächen mit Pereverzev und Skorovich steht fest: Diese Russen haben Respekt vor dem amtierenden Europameister. Gleichzeitig sind sie jedoch fest entschlossen, zwei Serien ein Ende zu setzen. Zum ersten Mal in 20 Jahren soll gegen die spanische Auswahl ein Sieg her und die nunmehr 117 Spiele andauernde Serie der Iberer ohne Niederlage beendet werden. Falls die Null auch am Mittwoch steht, sind die Chancen nicht schlecht, dass dieses Vorhaben gelingt.