Ein "Superclasico" in Bangkok

Am 14. November 2012 wird in Bangkok ein neues Kapitel der großen Fussballrivalität zwischen Brasilien und Argentinien geschrieben. Die beiden südamerikanischen Erzrivalen stehen sich nämlich im Viertelfinale der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft Thailand 2012 gegenüber und wollen natürlich beide unbedingt den Einzug ins Halbfinale des Wettbewerbs schaffen.

Die beiden Teams werden sich im Rahmen dieses Turniers zum sechsten Mal gegenüberstehen. Die Auflage von 1996 in Spanien und die von 2008 in Brasilien waren die einzigen, bei denen die Rivalen nicht aufeinandertrafen. Die bisherige Bilanz spricht ganz klar für den amtierenden Weltmeister, der sich in allen fünf bisherigen Duellen durchsetzen konnte, davon vier Mal mit einer Differenz von drei Toren. Brasilien scheint also als Favorit ins Rennen zu gehen.

"Die Vergangenheit hat nichts damit zu tun, denn dies ist eine ganz besondere Partie", so der brasilianische Trainer Marcos Sorato im Gespräch mit FIFA.com. Wenige Minuten zuvor hatte sein Team sich im Achtelfinale mit sage und schreibe 16:0 gegen Panama durchgesetzt. "Sie verteidigen gut, kontern gut und verfügen über viel Qualität im Angriff…Es stimmt schon, dass ein wichtiger Spieler wie Matías (Lucuix) ausfällt, aber ich erwarte immer noch einen sehr starken Gegner. Ich würde sagen, die Siegschancen stehen 50 zu 50", meint er.

Sein argentinischer Kollege Fernando Larrañaga will keine Prozentsätze nennen und erklärt auch warum: "Wir kennen uns sehr gut." Der Trainer weiß, wovon er spricht, denn er saß bereits bei den letzten drei WM-Niederlagen der Albiceleste auf der Trainerbank. Er weiß zwar, wie mächtig der Gegner ist, glaubt aber gleichzeitig auch an die Fähigkeiten seiner Schützlinge. "Wir werden auf Sieg spielen. Jetzt geht es um alles oder nichts, daher haben wir gar keine andere Alternative", erklärt er nach dem 2:1-Sieg gegen Serbien mit zwingender Logik.

Standpunkte
Je, mit sechs Treffern zweitbester Torschütze der Brasilianer in Thailand, stimmt seinem Trainer zu. "Ich glaube auch, dass die Chancen gleichmäßig verteilt sind. Das sind ganz besondere Spiele, da spielen noch andere Dinge eine Rolle, nicht nur die spielerische Seite. Ich kann mich insbesondere an die beiden Begegnungen bei der Copa América 2011 erinnern, als wir uns in der Gruppenphase mit einem 2:2-Unentschieden begnügen mussten, dann im Finale aber mit 5:1 gewannen. Damals waren die in Europa aktiven Spieler nicht dabei, die bringen das Ganze ins Gleichgewicht", meint sich der Spieler, der in beiden Partien einen Treffer erzielte.

In beiden Partien stand Santiago Elías im argentinischen Tor. "Sie sind die Favoriten, aber diese Partien machen mir Spaß", meint der Torhüter der Albiceleste kurz nach dem Erfolg gegen die Serben. "Einmal ganz abgesehen von der Rivalität, kommen die meisten guten Mannschaften vielleicht ab und zu mal durch, und manchmal treffen sie dann auch. Brasilien macht hingegen die ganze Zeit Powerplay, man hat keine Zeit, sich ablenken zu lassen, und das ist gut für einen Torwart. So stelle ich mir das Spiel vor…"

Sowohl die Trainer als auch die Spieler reden offen über den Schlüssel zum Erfolg in diesem Klassiker. "Keine Fehler machen", meint Sorato. "Argentinien verfügt über einige wichtige Einzelspieler und verteidigt gut. Das könnte sich als gefährliche Mischung erweisen. Aber wir haben auch unsere Stärken", fügt der Trainer hinzu, der über den besten Angriff des Turniers verfügt (36 Tore in vier Spielen).

Für Elias ist die Sache ganz klar. "Dass wir uns keine Gegentreffer einfangen und selbst ein oder zwei Tore schießen und die Partie damit für uns entscheiden", so der Torhüter, der mit nur sechs Gegentreffern zu den am seltensten überwundenen Schlussmännern des Turniers zählt. Italien hat die gleiche Anzahl kassiert, noch besser sind nur Brasilien (zwei Gegentreffer) und Russland (0).

Bald schlägt die Stunde der Wahrheit für die Seleção und die Albiceleste. Aber ganz unabhängig vom Ergebnis dürfen wir uns mit Sicherheit auf eine weitere denkwürdige Partie zwischen den beiden Erzrivalen freuen.