Lozano: Der Held von Bangkok
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Turnierneuling Kolumbien setzte sich sensationell gegen Iran durch und sicherte sich damit den Einzug ins Viertelfinale der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft Thailand 2012. Für die Rolle, die Torwart Juan Lozano bei diesem historischen Sieg spielte, gibt es eine treffende Beschreibung: "In einem Epos ist der Held die Hauptfigur und führt die wichtigsten Handlungen aus."

"Aber nein, ich bitte Sie! So ist das nicht!" erklärt der Hauptdarsteller dieses Epos' im Interview mit FIFA.com lächelnd. "Das ist eine Mannschaftsleistung, keine Einzelleistung, wenn es auch stimmt, dass ich die beste Partie meines Lebens abgeliefert habe oder zumindest die wichtigste. Aber wenn meine Teamkameraden die Tore nicht geschossen hätten, dann hätten wir dieses Erfolgserlebnis jetzt nicht", so die Nummer eins.

Da hat Lozano natürlich recht, allerdings war er auch an den Treffern nicht ganz unbeteiligt. Die Vorlage zum ersten Tor der Cafeteros, das Yefri Duque erzielte, lieferte nämlich der Schlussmann mit einem enorm langen Abschlag. "Als der Ball ins Aus ging, bat ich den Balljungen, ihn mir schnell wiederzugeben, weil ich sah, dass sie [die iranischen Spieler] mir den Rücken zudrehten. Glücklicherweise ist mir das Zuspiel gut gelungen und Yefri hat perfekt abgeschlossen", so der 30-jährige Schlussmann.

Bis zu diesem Augenblick hatte Lozano Kolumbien mit wahren Glanzparaden im Spiel gehalten, darunter auch einige Doppelparaden, die ihm reichlich Bewunderung einbrachten. "Wenn ich ihnen sagen würde, dass mir die Hände nicht weh tun, würde ich lügen", so der erklärte Bewunderer von René Higuita und Iker Casillas, der erst in der 35. Minute nach erbittertem Widerstand den ersten Gegentreffer kassierte. "Als sie den Anschlusstreffer erzielten, dachte ich, die Welt würde über mir zusammenbrechen, aber wir haben ihn schnell weggesteckt und gut verteidigt. Jetzt sind wir unter den acht besten Teams der Welt!", meint er, als könne er es noch gar nicht glauben.

Der Schlüssel zum Erfolg
Ganz im Gegensatz zur kolumbianischen Fussballtradition lag der Schlüssel zum Erfolg in Thailand vor allem in der Verteidigung. Bei der knappen Niederlage gegen Russland (0:2), die den Einzug ins Achtelfinale gewährleistete, ebenso wie beim Sieg gegen Iran (2:1) gelang es den Cafeteros jeweils, eine Futsalmacht im Zaum zu halten.

Der Grund dafür sitzt auf der Trainerbank, wie Nationaltrainer Arney Fonnegra gegenüber FIFA.com erklärt: "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wir jedes Mal ausgeschieden sind, wenn wir bei diesen Kurzturnieren auf Angriff gespielt haben. Einige werden uns für das loben, war wir erreicht haben, andere werden das System kritisieren. Aber wir haben ein klares Konzept und ein gutes Gewissen."

Und was meint Lozano dazu? "El Profesor hat auf jeden Fall recht. In diesem Sport muss man zunächst einmal gut verteidigen, um dann zum Angriff übergehen zu können. Hier gewinnt nicht derjenige, der schöner spielt oder die besten Tore schießt, sondern das Team, das den Kasten sauber hält und seine Chancen nutzt", so der Schlussmann, der 2005 sein Debüt in der Nationalmannschaft gab.

Lust, im Rennen zu bleiben
Als nächster Gegner steht mit der Ukraine ein harter Brocken auf dem Programm, und es ist zu erwarten, dass Kolumbien das System aus den vorherigen Begegnungen beibehält. "Das ist eine Mannschaft, die mehr Russland als Iran ähnelt, aber es stimmt schon, dass alle drei Mannschaften in der Regel die Initiative ergreifen. Ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass wir eine fast perfekte Partie abliefern müssen, um gegen sie zu gewinnen", warnt er.

Lozano ist sehr gläubig und hat den Sieg gegen Iran zunächst einmal seiner Mutter gewidmet, die vor anderthalb Jahren verstorben ist. Außerdem widmete er den Erfolg seinem Vater, seinen Brüdern, seiner Gemeinde und seinem Land. "In Kolumbien herrscht sicher große Begeisterung über diesen Auftritt, denn schließlich gelingt so etwas nicht jeden Tag einer Nationalmannschaft des Landes."

Dennoch hätte Lozano nichts dagegen, noch eine Weile in Thailand zu bleiben. "Schon im Achtelfinale wussten wir, dass wir ein gutes Turnier gespielt hatten, selbst wenn wir verlieren würden. Aber wir haben an unsere Fähigkeiten geglaubt. Wir waren nicht mit dem Erreichten zufrieden, sondern ehrgeizig. Jetzt ist es nicht abwegig, ans Halbfinale zu denken. Eine Partie dauert 40 Minuten, und das intelligentere Team gewinnt. Jetzt wollen wir zu den vier besten Mannschaften gehören!"

Ob es für den Helden dieses Epos' ein Happy End gibt?