Keshavarz: Schritt für Schritt steigern
© Getty Images

Mohammad Keshavarz war gerade einmal zehn Jahre alt, als Saeid Rajabi Shirazi dem Team Irans bei der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft Hongkong 1992 zu einem vierten Platz verhalf und als bester Torschütze mit dem Goldenen Schuh von adidas ausgezeichnet wurde. Das war die bisher beste Platzierung des Landes aller Zeiten. Jetzt, zwei Jahrzehnte später, ist Keshavarz bei der Turnier-Auflage 2012 in Thailand Kapitän der Nationalmannschaft. Nach einer erfolgreichen Gruppenphase hofft er nun darauf, an den Erfolg der Vergangenheit anknüpfen zu können.

Die jüngste Entwicklung spricht dafür, dass es klappen könnte. Nachdem Iran drei Mal hintereinander nicht über die erste Runde hinausgekommen war, gelang dem Team 2008 in Brasilien schließlich der Einzug in die zweite Runde. Der Halbfinalzug scheiterte dann lediglich daran, dass man eine schlechtere Tordifferenz als Italien hatte. Im Gespräch mit FIFA.com erklärte Keshavarz, das iranische Team unterlaufe seit 2004 einen langfristig angelegten Umbildungsprozess. Daher sei er optimistisch, dass die Bemühungen in Thailand Früchte tragen würden.

Der 30 Jahre alte Abwehrspieler, der 2011 zu Asiens Spieler des Jahres gewählt wurde, sagte: "Wir sind mitten in der Entwicklung. 2004 sind wir nicht über die Gruppenphase hinausgekommen, 2008 haben wir etwas besser gespielt und sind in die zweite Runde eingezogen. Wir steigern uns Schritt für Schritt und ich erwarte, dass wir in Thailand besser spielen werden als in Brasilien."

Gemischte Gefühle
Keshavarz kam 2004 in Chinese Taipei nie zum Einsatz, hat jedoch noch viele Erinnerungen an Brasilien, allerdings nicht nur positive. 2008 kassierte er in der zweiten Runde gegen die Ukraine einen Platzverweis und verpasste daher das entscheidende Spiel gegen Italien, das mit einem 5:5-Unentschieden endete.

Vier Jahre später ist die Angelegenheit schon nicht mehr ganz so bitter: "Ich kann mich nicht erinnern, dass mir jemals etwas Schlimmeres passiert wäre, aber ich bin jetzt darüber hinweg und das Ganze fungiert als eine Art Mahnung, dieses Mal nicht wieder denselben Fehler zu machen. Ich muss für meine Nationalmannschaft alles geben."

Sein Ansatz als Mannschaftskapitän basiert eindeutig auf dem Lernen aus Erfahrungen – aus guten und schlechten. Auf den Auftritt seines Teams in der Gruppenphase der aktuellen Turnierauflage angesprochen, gibt sich der Spieler, der sich den spanischen Star Torras zum Vorbild nimmt, nachdenklich: "Alle behaupten immer, dass wir die besten Leistungen gegen stärkere Teams bringen und dass unser Niveau gegen schwächere Gegner sinkt. Aber gegen Marokko und Panama waren wir darauf bedacht, drei Punkte zu holen. Es ging uns nicht darum, hohe Kantersiege einzufahren."

Weiter geht's
Der Einzug in die nächste Runde ist perfekt, und nun steht für Iran am 11. November die Achtelfinal-Begegnung mit Kolumbien auf dem Programm. Der iranische Kapitän prognostiziert angesichts der starken Abwehrleistung der Südamerikaner im letzten Spiel der Gruppe F gegen Russland eine knifflige Partie.

"Das wird ein schwieriges Spiel", so der iranische Routinier. "Wir wissen nicht viel über die Kolumbianer und sind noch nie gegen sie angetreten. Ich weiß allerdings, dass wir unser Bestes tun werden, um unsere Siegesserie in diesem Turnier fortzusetzen."

Obwohl sein großes Ziel das Erreichen des Halbfinales ist, erfüllt es ihn auch schon mit Stolz, zum dritten Mal bei einer FIFA Futsal-Weltmeisterschaft dabei zu sein: "Ich bin sehr stolz auf die WM-Spiele, die ich bestritten habe. Drei Mal im Kader dieses Turniers zu stehen, das ist ein absoluter Höhepunkt meiner Fussballkarriere."

"Ich bin mit diesem Team erwachsen geworden", meinte er abschließend. "Ich habe hart trainiert, um der beste Spieler Irans zu werden. Was ich hier in Thailand erreiche, die Erfolgserlebnisse, all das ist das Ergebnis der harten Arbeit, die wir in den letzten acht Jahren geleistet haben."

Als 10-jähriger Junge hätte Keshavarz sich sicher nicht träumen lassen, was er später alles erreichen würde. Jetzt hat der Kapitän Irans allerdings nur noch ein Ziel vor Augen: Er will mit seinem Team bei der WM 2012 in Thailand so weit wie möglich kommen.