Brüder auf dem Spielfeld und abseits davon
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Gabriel und Enmanuel Ayala kennen sich in- und auswendig, und das dürfte auch niemanden überraschen: Die beiden sind nämlich nicht nur Zwillinge, sondern spielen auch seit 18 Jahren zusammen Futsal. Die enge Verbindung zwischen den beiden wurde im Auftaktspiel Paraguays bei der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft Thailand 2012 gegen die Ukraine deutlich, als der gegnerische Torhüter nach einem Schuss von Gabriel nur abklatschen konnte und Enmanuel abstaubte. Damit erzielte er seinen zweiten Treffer in dieser Partie, die mit einem 3:3-Unentschieden endete.

Hier von einer Vorlage des einen für den anderen auszugehen, scheint weit hergeholt, aber das sehen die beiden anders: "Es stimmt schon, dass es eigentlich keine Vorlage war, aber ich ging davon aus, dass er schießen würde und wartete auf den Abpraller, weil ich weiß, dass er einen harten Schuss hat. Oftmals weiß ich schon vorher, was er machen will und handle entsprechend", erklärte Enmanuel Ayala im Exklusiv-Interview mit FIFA.com. Er ist der zurückhaltendere der beiden Brüder, erzielte gegen die Europäer jedoch alle drei Tore.

"Wir machen das schon sehr lange. Manchmal reicht es schon aus, wenn wir uns einen Blick zuwerfen. Das ist alles ziemlich automatisiert", fügte Gabriel hinzu, der nur einen Zentimeter kleiner ist als sein Bruder, gesprächiger als dieser ist und die Haare im Gegensatz zu Enmanuel kurz trägt.

Auch auf dem Spielfeld gibt es durchaus Unterschiede zwischen den beiden. "Die Abwehrspieler gelten oft als harte und langsame Spieler, aber Gabriel ist genau das Gegenteil. Er ist zwar sehr gut in der Deckung, aber sein Passspiel ist auch hervorragend. Für mich ist er der Beste auf seiner Position", lobte der Torjäger. "Ich finde, er ist in Eins-gegen-Eins-Situationen sehr gut und außerdem effektiv vor dem Tor. Er ist ein wahres Talent", so der Verteidiger.

Von Villa Hayes nach Thailand
Die Geschichte der Brüder beginnt in ihrer Geburtsstadt Villa Hayes, die etwa 30 Kilometer von der paraguayischen Hauptstadt Asunción entfernt ist. "Wir haben mit acht Jahren in einer kleinen Futsalschule angefangen. Dann haben wir eine Mannschaft gegründet, die wir "Hermanos de Julio" [Brüder von Julio] nannten, zu Ehren unseres Bruders, der 1999 verstarb. Mit 14 spielten wir schon in der ersten Liga und mit 18 wechselten wir nach Italien, von wo wir dieses Jahr zurückkehrten. Und jetzt wäre es zum ersten Mal möglich, dass wir bei unterschiedlichen Mannschaften unterschreiben. Da wäre schon sehr merkwürdig", meinte Gabriel lächelnd.

Die Ayala-Brüder bestreiten in Thailand bereits ihre zweite FIFA Futsal-Weltmeisterschaft. Sie gehörten schon 2004 in Chinese Taipei zum paraguayischen Kader, waren 2008 in Brasilien jedoch nicht dabei. Im Unterschied zu damals wird Paraguay jetzt von vielen Experten als Geheimfavorit gehandelt. "Wir stehen jetzt unter diesem Druck, aber daran sind wir selbst schuld, weil wir in der Qualifikation gegen Brasilien gewonnen haben. Die Ergebnisse werden zeigen, ob wir der Sache gewachsen sind", meinte Enmanuel.

Der Stürmer wird in der Partie gegen Costa Rica nicht dabei sein, weil er gegen Ende des Spiels gegen die Ukraine einen Platzverweis kassierte. "Das ist schon sehr bitter für mich, weil wir durch meine Schuld zahlenmäßig unterlegen waren und den Ausgleich kassierten. Aber ich weiß, dass die Mannschaft auf die kommenden Ereignisse vorbereitet ist und dass wir ein positives Ergebnis erzielen können", so Enmanuel überzeugt.

Das letzte Wort hat Gabriel, für den das Glas auch halb voll und nicht halb leer ist. "Der Anfang ist nie leicht, aber wir waren ganz nah an einem Sieg dran. Wichtig ist, dass wir noch im Rennen sind."