
Nachdem er 14 Jahre lang das Tor der Roja gehütet hatte, erklärte Luis Amado nur wenige Monate vor dem Beginn der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft Thailand 2012 seinen Rücktritt aus der spanischen Futsal-Nationalmannschaft.
"Dieser Schritt ist mir nicht leicht gefallen, doch ich denke, die Zeit für meinen Abgang ist gekommen. Ich möchte als amtierender Europameister abtreten, nachdem ich diesen Titel in Kroatien als Kapitän geholt habe. Ich wusste nicht, ob ich bei der WM fit sein würde. Daher war diese Entscheidung zwar alles andere als einfach, aber zweifelsohne gut überlegt und richtig", erklärte er in einem Exklusiv-Interview mit FIFA.com.
Er trittt zwar aus der Nationalmannschaft, aber nicht vom Futsal-Sport zurück. Bei seinem Verein Inter MoviStar hat er noch mindestens zwei Spielzeiten vor sich. Er tritt mit dem Gefühl ab, seine Aufgabe erfüllt zu haben: "Ich habe sieben Europa- und drei Weltmeisterschaften bestritten. Ich war fünf Mal Europa- und zwei Mal Weltmeister. Somit habe ich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. All meine Träume haben sich erfüllt. Zu Beginn meiner Karriere hätte ich niemals gedacht, es jemals in die Nationalmannschaft schaffen zu können. Doch von 1998 bis zu diesem Jahr gehörte ich dem Team an. Ich bin überglücklich, Teil der Nationalmannschaft gewesen zu sein, und möchte all meinen Trainern, Mitspielern und Fans, die mich so sehr unterstützt haben, meinen Dank aussprechen", sagte der routinierte 36 Jahre alte Torhüter.
"Wir Spieler haben dem spanischen Fussball sehr viel gegeben, doch dieser Sport hat uns noch viel mehr zurückgegeben", versicherte der Weltmeister von 2000 (Guatemala) und 2004 (Chinese Taipei).
Spanien ohne Amado
Der Routinier, der im vergangenen Jahrzehnt zu den wichtigsten Leistungsträgern der Roja zählte, ist ein weiterer Experte, der in der Lage ist, die Chancen dieser Nationalmannschaft bei der WM in Thailand einzuschätzen. "Das ist eine sehr gute Mannschaft mit der richtigen Mischung aus Jugend und Erfahrung. Das Team ist sehr ausgewogen und äußerst motiviert. Zudem spielen wir in der besten Liga der Welt, was uns bestimmt zugute kommen wird", so Amado.
"Es wird jedoch nicht einfach werden", warnte er, "denn auch die anderen Mannschaften entwickeln sich von Jahr zu Jahr weiter und orientieren sich an den Besten, wie etwa Spanien. Sie analysieren uns und kennen uns daher ganz genau. Ich denke, dass Brasilien, Russland und Iran die Hauptkonkurrenten um den Titel sein werden."
Ausgerechnet die Asiaten sind neben Panama und Marokko ein Vorrundengegner der Spanier in Gruppe B. "Der schwierigste Gegner ist Iran. Unseren Fans ist diese Mannschaft weitgehend unbekannt, doch sie haben großartige Spieler in ihren Reihen und vor allem einen fantastischen Torhüter – das schweißt die Mannschaft zusammen. Marokko und Panama sind auf dem Papier leichtere Gegner. Doch Spanien muss auch diese Partien sehr ernst nehmen", betonte er, ohne jedoch an der Qualität seiner Mitspieler zu zweifeln.
Schenkt er seinem Nachfolger im Tor ähnliches Vertrauen? "Spanien verfügt über viele großartige Torhüter", sagte er, ohne zu zögern. "Ich möchte jedoch niemanden hervorheben, denn alle drei WM-Torhüter – Juanjo, Cristian und Rafa, der 2004 bereits Weltmeister war – sind zu Top-Leistungen fähig. Sie müssen nur die Anweisungen des Trainers befolgen, das Turnier genießen und konzentriert weiterarbeiten. Dann werden wir bestimmt Weltmeister", meinte er.
Luis Amado sparte auch nicht mit Lob an seinem letzten Trainer, Venancio López. "Er brachte sehr viel Professionalität in die spanische Nationalmannschaft. Er arbeitet äußerst sorgfältig und achtet auf jedes Detail des Spiels und des Turniers – medizinische Aspekte, Reisen usw. Er hat unsere Spielweise mit seiner methodischen Arbeitsweise enorm weiterentwickelt. Er analysiert alle Spieler und weiß genau, wie er das Beste aus ihnen herausholen kann. Er gibt den Spielern sehr viele Informationen, die für ein Turnier nützlich sind", lobte der Torhüter den Coach.
Doch auch seinen früheren Trainer Javier Lozano, der heute als Präsident der Nationalen Futsal-Liga fungiert, hat er nicht vergessen. "Einer der Hauptgründe dafür, dass Futsal in unserem Land so erfolgreich und beliebt ist, liegt darin, dass unsere Liga sehr stark und außerordentlich gut organisiert ist. Lozano leistet hervorragende Arbeit und hat maßgeblichen Anteil daran, dass diese Sportart auf dem Vormarsch ist", sagte er. "Kein anderer Sport wird von so vielen Menschen praktiziert wie Futsal. Die Strukturen sind sehr solide, was es uns ermöglicht, zahlreiche Zukunftshoffnungen hervorzubringen, ohne ein Talent zu übersehen."
Nun konzentriert sich Amado auf die Aufgaben mit seinem Klub in der Meisterschaft, obgleich er auch das Geschehen in Thailand verfolgen wird – wenn auch mit anderen Augen als bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften. "Ich weiß weder wann noch wie, doch ich werde zur WM fahren, auch wenn ich dann ein wenig neidisch auf die Spieler sein werde. Ich hatte eigentlich vor, mir die WM im Kreis der Familie vor dem Fernseher anzusehen, aber jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher... Ich denke, ich werde vor Ort ziemlich leiden. Ich werde sehr nervös sein, was mir als Nationalspieler niemals passiert ist!"




