Ein Vermächtnis für den Basisfussball in Thailand

Der Begriff "Vermächtnis" ist zu einem Modewort geworden, das stets mit den großen Sportveranstaltungen weltweit in Verbindung gebracht wird, aber häufig auch schal klingen kann.

Das Grassroots-Programm der FIFA aber gehört zu den führenden Entwicklungsprojekten des Fussball-Weltverbands. Die Mission ist simpel: So viele Menschen wie möglich an das Spiel heranzuführen, humane Werte zu vermitteln und insbesondere allen Freude zu bereiten – einfach durch das bloße Mitmachen.

Am Samstag, 25. August 2012,  kamen vor dem Huamark Indoor Stadium – einem von vier Austragungsorten der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft 2012 in Bangkok – zum Abschluss eines dreitägigen Seminars 600 Kinder aus der Umgebung der thailändischen Hauptstadt zusammen.

Unter der Leitung von Marco Schuepp von der FIFA Entwicklungsabteilung sowie den FIFA-Instruktoren Sam Schweingruber und Vai-Chung Tsang nahmen sechs- bis zwölfjährige Kinder an einem ganztägigen Futsal-Festival teil. Der Tag wurde von den thailändischen Trainern organisiert, die in den 48 Stunden zuvor am Seminar teilgenommen hatten und das Gelernte nun in die Praxis umsetzen sollten.

Und was bei so vielen aufgeregten Kindern in ein Chaos hätte münden können, lief am Ende auf allen fünf Plätzen wie geschmiert. Zwei der Fussballfelder waren mit einem Spezialbelag in den typischen Futsalfarben rot und blau versehen, der von der FIFA zur Verfügung gestellt wurde. Sie werden in der nordöstlichen Provinz Korat bei einer ähnlichen Veranstaltung kommenden Monat noch einmal zum Einsatz kommen und anschließend dem Fussballverband Thailands übergeben, der sie für andere Basisfussball-Veranstaltungen in diesem Jahr und darüber hinaus verwenden wird.

Ein Neubeginn
Schweingruber gehört zu den 40 FIFA-Instruktoren, die kürzlich in Zürich waren (siehe Artikel rechts), und ist seit neun Jahren in Kambodscha tätig. "Ich begann zu reisen und kehrte nie zurück", erzählte er FIFA.com unter der brütenden Mittagssonne. "In Asien gibt es enorm viel Fussball im Fernsehen und die Menschen lieben das Spiel, doch in Kambodscha gab es nicht einmal Jugendligen oder irgendjemanden, der die Kinder beim Spielen unterstützte und ihre Fähigkeiten entwickelte."

Schweingruber machte sich auf die Suche nach Spenden und gründete in der Folge seine eigene Nichtregierungsorganisation, die sich dem Schutz kambodschanischer Frauen vor dem Menschenhandel verschrieb. Vor drei Jahren wurde er FIFA-Instruktor, um bei der Weiterbildung von Gleichdenkenden auf der ganzen Welt zu helfen.

Tsang aus Hongkong ist ein Futsalexperte, der für den AFC und die FIFA Trainerkurse der Stufen 1 und 2 durchführt. Er erklärte, dass das Festival in Bangkok durch seinen Fokus auf den Futsal das erste FIFA Grassroots-Programm dieser Art war.

Wir glauben, dass der thailändische Verband dies als Neubeginn von etwas nutzen will. Dies wäre ein greifbares Vermächtnis dessen, was heute hier stattfand.
FIFA-Instruktor Vai-Chung Tsang

"Futsal ist hier sehr beliebt, doch wie in vielen Ländern gibt es auch hier nicht viel zwischen der Elite im Nationalteam und den Kindern, die in Parks oder Müllhalden spielen. In Zusammenarbeit mit dem thailändischen Fussballverband gaben wir den Trainern einige Anleitungen, und dann haben sie das heutige Festival auf die Beine gestellt. Es geht nicht darum, talentierte junge Spieler zu entdecken, sondern darum, Kinder mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten zusammenzubringen", sagte Tsang.

"Man lernt neue Menschen kennen, schließt neue Freundschaften und lernt dabei auch noch was. Wenn du plötzlich in einem Team mit jüngeren oder technisch schwächeren Spielern bist, musst du geduldig sein. Dies hilft dabei, einige Führungsspieler auszubilden, auf die die anderen Kinder hören und von denen sie lernen", erläuterte er weiter.

Auch wenn Tsang Länder wie Spanien, Japan und Korea Republik bezüglich der Futsal-Strukturen als Vorzeigeländer nannte, schränkte er ein, dass nicht jedes Modell einfach kopiert werden kann. "Unterschiedliche Länder haben unterschiedliche Traditionen, Kulturen und existierende Strukturen", sagte er.

"Unsere Rolle besteht darin, das, von dem wir wissen, dass es funktionieren kann, bestmöglich an die organisatorischen Fähigkeiten der jeweiligen Mitgliedsverbände anzupassen. Wenn ein Verband daraufhin beschließt, solche Veranstaltungen regelmäßig zu organisieren, werden sie bald dazu in der Lage sein, talentiertere und bessere Spieler ausfindig zu machen, die möglicherweise für eine gezielte Förderung vorgemerkt werden können. Im Moment hoffen wir, dass wir einige Ideen und eine Vorlage vermitteln konnten. Als nächstes muss der Verband diesen und den nächsten im kommenden Monat stattfindenden Kurs als Anstoß nehmen. Sam und ich würden sehr gerne in zwölf Monaten nach Thailand zurückkommen, um zu sehen, welche Fortschritte gemacht werden konnten. Wir glauben, dass der thailändische Verband dies als Neubeginn von etwas nutzen will. Dies wäre ein greifbares Vermächtnis dessen, was heute hier stattfand."