• Bulgarien verbessert sich in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste um 20 Plätze
  • Viel beachteter Sieg gegen die Niederlande
  • WM-Teilnahme wird schwierig

Jeder bulgarische Fussballfan kennt diese Szene. Nach einer Flanke vom rechten Flügel wirft sich Bulgariens Iordan Letchkov vor Deutschlands Mittelfeldspieler Thomas Hässler in den Ball und versenkt diesen per Flugkopfball in den linken Winkel an Bodo Illgner vorbei ins Tor der DFB-Auswahl. Es war zwölf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit der Treffer zum 2:1 für die Osteuropäer im Viertelfinale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1994™. Der amtierende Weltmeister Deutschland fand darauf keine Antwort mehr und musste vorzeitig die Heimreise antreten.

Die Mannschaft, in der mit Hristo Stoichkov ein echter Weltstar spielte und die über zahlreiche weitere talentierte Spieler verfügte, sorgte mit ihrem einmaligen Halbfinal-Einzug dafür, dass sich Bulgarien in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste Mitte der 1990er so hoch wie nie zuvor und danach platzieren konnte: 1995 wurde man zwischenzeitlich auf dem achten Platz gelistet.

Davon ist die aktuelle Auswahl zwar weit entfernt, doch 2016 und 2017 gab es einen großen Sprung für die Bulgaren: Von den acht Partien, die 2016 ausgetragen wurden, konnte man die Hälfte gewinnen. Für Aufsehen sorgte vor allem ein 1:0-Sieg in einem Freundschaftsspiel im März 2016 beim späteren Europameister Portugal.

Dennoch verlief der Start in die Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018 nicht ganz perfekt. Die Bulgaren haben allerdings auch ein schweres Los erwischt: In der Gruppe A kämpft man mit Schweden, Frankreich, der Niederlande, Belarus und Luxemburg um ein Direkticket nach Russland für den Gruppensieger und einen möglichen Play-off-Platz für den Gruppenzweiten.

Nationaltrainer Ivaylo Petev folgte jedoch dem Ruf des kroatischen Meisters Dinamo Zagreb und auf der Suche nach einem Nachfolger erinnerte sich Verbandspräsident Borislav Mikhailov, Kapitän des legendären 94er-Teams, an den Abwehrchef dieser bulgarischen Nationalmannschaft: Seit Oktober 2016 ist nun Petar Hubchev Cheftrainer bei den Bulgaren, der damals als Libero auflief und vor und einem Jahrzehnt schon einmal Co-Trainer Bulgariens war.

Es ist vielleicht kein Zufall, dass mit Mikhailov und Hubchev nun gleich zwei Männer aus jener Generation am Ruder sind, die keine Angst vor ganz großen Namen hatte. Und so setzte die Mannschaft im WM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande im März ein dickes Ausrufezeichen und gewann in Sofia mit 2:0.

Der Lohn dafür: Während man am Anfang des Jahres noch auf Rang 72 in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste geführt wurde, ist man in der August-Ausgabe auf Platz 52 zu finden – der besten Platzierung seit rund drei Jahren.

Die ganz großen Namen der Vergangenheit fehlen dieser bulgarischen Elf zwar, niemand spielt beim FC Barcelona oder in der Bundesliga, wie einst Hubchev für den Hamburger SV und Eintracht Frankfurt, doch es ist ihm gelungen, dass seine Mannschaft diszipliniert und kompakt auftritt und dadurch arrivierten Gegnern das Leben schwer machen kann.

Umgekehrt fehlt noch die Fähigkeit, ein Spiel selber zu dominieren und zu gestalten – was den jüngsten Rückschlag, das 1:2 im Juni in Belarus, erklärt. Durch diese verlorenen Punkte dürfte es für die mit neun Punkten ausgestatteten Bulgaren nun sehr schwer werden, die führenden Schweden und Franzosen (je 13 Zähler) noch einzuholen – dazwischen hat sich sogar noch die Niederlande mit zehn Punkten geschoben. Außer man sorgt noch für ein paar große Überraschungen. Aber damit kennen sich Hubchev und Mikhailov ja aus.