• Andorra hat im Juni in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste den größten Sprung nach vorn gemacht
  • 129. Platz und damit die beste Platzierung seit 2006
  • Nach 86 sieglosen Partien setzte man sich 2017 gegen San Marino und Ungarn durch

In Andorra kann man immer noch nicht recht glauben, wie erfolgreich das Jahr 2017 bislang war. Und das Beste für das kleine Fürstentum in den Pyrenäen ist, dass es noch besser werden kann. Die guten Ergebnisse, die die Andorraner in den letzten sieben Monaten erzielt haben – zuletzt der historische Sieg gegen Ungarn – haben sich nun auch in der Juni-Ausgabe der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste niedergeschlagen. Andorra schaffte von allen Teams den größten Sprung nach vorn (57 Plätze) und landete auf Rang 129, der besten Platzierung seit 2006.

"Wir erleben gerade eine absolute Ausnahmesituation in unserer Realität, denn jeder weiß, wie die Realität Andorras normalerweise aussieht. Das Jahr 2017 müssen wir uns im Kalender rot anstreichen, das ist unglaublich für uns", so Teamkapitän Ildefons Lima im Gespräch mit FIFA.com. Gemeinsam mit Óscar Sonejee, der die Fussballschuhe bereits an den Nagel gehängt hat, ist er Rekordnationalspieler seines Landes (106 Einsätze).

Andorra stand zu Beginn des Jahres auf dem 203. Platz der Weltrangliste und hatte sage und schreibe 86 sieglose Partien in Folge hinter sich. Doch der Triumph im Freundschaftsspiel gegen San Marino im Februar hat bei den Spielern offensichtlich einen Hebel umgelegt. "Dieser Sieg hat uns natürlich in unserer Arbeit bestätigt und uns eine ganz neue Gelassenheit gegeben. So eine Rekord-Niederlagenserie belastet einen schon sehr, ob man will oder nicht", so Ilde.

Trainer Koldo Álvarez begründet die aktuellen guten Ergebnisse mit "der Anzahl der Dinge, die wir Tag für Tag besser machen". Allerdings räumt auch er ein, dass der 2:0-Auswärtssieg ein Befreiungsschlag war. "Wir haben uns von dieser Last befreit, von der wir uns einreden wollten, dass sie gar nicht so schwer wiegt. Doch es hat sich gezeigt, dass sie viel schwerer wog, als wir dachten."

In der Folge erreichte man in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ ein Remis gegen die Färöer-Inseln und holte damit seit elf Jahren den ersten Punkt in der WM-Qualifikation. Und dann kam am 9. Juni in Andorra La Vella der große Coup: Das Team setzte sich mit 1:0 gegen Ungarn durch, das damals in der Weltrangliste den 33. Platz belegte.

"Das ist der wichtigste Sieg in der Geschichte der Nationalmannschaft", versichert Lima. "Den letzten Sieg in einer Qualifikationsphase hatte es gegen Mazedonien gegeben [2005] und ich glaube, dass die beiden Spiele nicht vergleichbar sind."

Dieser Erfolg ist besonders beachtlich, wenn man bedenkt, dass das Team ein Land repräsentiert, in dem es im Erwachsenenbereich nur 550 Lizenzfussballer gibt, von denen nach Abzug der Ausländer lediglich 150 für das Nationalteam spielberechtigt sind. Außerdem gibt es im Nationalteam nur einen einzigen Profi, und zwar Marc Vales vom finnischen Klub SJK Seinäjoki, sowie einen Halbprofi, nämlich Max Llovera, der für Lleida Esportiu in der dritten spanischen Liga spielt.

"Dadurch bekommt die Leistung der Spieler in diesem Jahr noch einmal wesentlich mehr Gewicht", so Koldo Álvarez stolz.

Lima ist der Ansicht, dass das Team jetzt mehr Respekt genießt. "Wir wissen, dass wir Andorra sind, aber die anderen Teams werden sagen: 'Verdammt nochmal! Wenn die gegen Ungarn gewonnen haben, können sie so schlecht nicht sein'. Portugal oder die Schweiz werden nicht besonders nervös werden, aber andere Teams dürften das Ganze jetzt schon ernster nehmen."

Nun ist es natürlich das Ziel, die beste Platzierung aller Zeiten zu übertreffen (125. Platz im Jahr 2005) und einen neuen Punkterekord in der WM-Qualifikation aufzustellen (bisheriger Rekord sind fünf Punkte im Vorfeld der WM 2006 in Deutschland). Laut Aussage des Trainers muss es aber in den vier verbleibenden WM-Qualifikationsspielen vor allem darum gehen, mit den anderen Teams auf Augenhöhe zu spielen. Die Gegner heißen Schweiz, Färöer, Portugal und Lettland.

"Wenn wir ein Team sind, das auf Augenhöhe antritt und sich auf dem Platz niemandem unterlegen fühlt, haben wir in jedem Spiel eine Chance. Wenn wir glauben, dass wir schon weit gekommen sind, kann uns jeder Gegner einen Dämpfer versetzen."