Nach mehreren sehr mageren Fussballjahren konnten die Ägypter beim diesjährigen CAF Afrikanischen Nationen-Pokal endlich wieder jubeln, als ihr Team bis ins Finale vorstieß. Dank des guten Abschneidens bei der Afrikameisterschaft rückte Ägypten in der Februar-Ausgabe der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste in die Top 25 vor. Als 23. der Weltrangliste ist Ägypten derzeit das höchstplatzierte Team aus Afrika.

Nach dem Titelgewinn bei der Turnierauflage 2010 hatte sich Ägypten drei Mal in Folge nicht für die Afrikameisterschaft qualifiziert. Unter Héctor Cuper jedoch setzte sich das Team in der Qualifikationsgruppe G gegen Nigeria, Tansania und Tschad durch und feierte damit seine Rückkehr zur kontinentalen Endrunde in Gabun. Hier landeten die Ägypter in Gruppe D, gemeinsam mit Ghana, Mali und Uganda.

Eigentlich galt Ghana, das vor zwei Jahren das Finale erreicht hatte, als Favorit, doch die Nordafrikaner straften alle Prognosen Lügen und gewannen die Gruppe. Sie starteten mit einem torlosen Remis gegen Mali in die Endrunde und feierten dann zwei 1:0-Siege gegen Uganda und Ghana. Für den Sieg im Gruppenspiel gegen den noch amtierenden Vize-Afrikameister bekamen die Ägypter mehr als 1.100 Punkte, für den Erfolg gegen Uganda gab es 971 Punkte.

Im Viertelfinale traf Ägypten dann auf Marokko, das sich nach der verpassten Teilnahme 2015 ebenfalls große Hoffnungen machte. Dank eines späten Treffers durch Mahmoud Kahraba siegte Ägypten erneut mit 1:0 und konnte sich über weitere knapp 1.100 Wertungspunkte freuen.

Erst im Halbfinale gegen Burkina Faso endete die Siegesserie der Ägypter. Auch nach der Verlängerung stand es 1:1 unentschieden. Im entscheidenden Elfmeterschießen wurde dann Ägyptens unverwüstlicher Torhüter Essam El Hadary zum Helden. Er parierte den Schuss von Bertrand Traoré und machte damit den Finaleinzug Ägyptens perfekt.

Dabei war El Hadary nur zu seinen historischen Einsätzen bei diesem Turnier gekommen, nachdem sich Stammtorhüter Ahmed El Shenawy bereits im Auftaktspiel gegen Mali verletzt hatte. El Hadary füllte die Lücke indes bravourös aus und wurde durch seine Einsätze bei seiner bereits siebten Teilnahme am CAF Afrikanischen Nationen-Pokal zum ältesten aktiven Spieler der Turniergeschichte.

"Ich habe im Verein und in der Nationalmannschaft schon viele Titel gewonnen, aber ein Fussballer muss sich immer neue ehrgeizige Ziele setzen", sagte El Hadary exklusiv gegenüber FIFA.com. "Ich wollte an meiner siebten Afrikameisterschaft teilnehmen. Das habe ich jetzt geschafft."

Große Hoffnungen
Im Verlauf des Turniers wuchsen die Hoffnungen bei den ägyptischen Fans immer weiter und viele träumten bereits davon, dass das Team mit dem achten Meistertitel nach Kairo zurückkehren könnte. Doch im Finale setzte sich Kamerun durch ein spätes Tor mit 2:1 durch, so dass die Nordafrikaner mit ihrem argentinischen Trainer am Ende "nur" mit der Silbermedaille dastanden.

Für den Trainer war die Niederlage besonders schmerzhaft, denn er hatte in seiner Zeit beim FC Valencia zwei Mal in Folge das Finale der UEFA Champions League Finals verloren.

"Wir hatten gehofft, dem ägyptischen Volk diese große Freude bereiten zu können", so der 61-jährige Coach nach der enttäuschenden Niederlage gegen Kamerun. "Doch so ist das im Fussball: ein Team muss gewinnen und das andere muss verlieren."

Cuper, der in seiner Zeit als Trainer von Inter Mailand italienischer Vizemeister geworden war, fügte hinzu: "Ich persönlich bin natürlich enttäuscht, weil ich erneut ein Finale verloren habe. Aber noch enttäuschter bin ich, weil ich die ägyptischen Fans nicht glücklich machen konnte. Sie hatten den achten Meistertitel erwartet. Ich weiß, wie sehr die Ägypter den Fussball lieben und habe mich bei ihnen wegen dieses Misserfolgs entschuldigt."

Trotz der Finalniederlage dürfte der Trainer beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal viele wertvolle Erkenntnisse gewonnen haben. Den in Gabun gezeigten Schwung wollen die Ägypter nun in die Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ mitnehmen, die Ende August fortgesetzt wird. Nach zwei absolvierten Spielen liegt Ägypten derzeit an der Spitze der Qualifikationsgruppe E, in der Uganda, Ghana und Kongo die Konkurrenten sind.

Ende August tritt Ägypten auswärts gegen Verfolger Uganda an, Anfang September folgt dann das Rückspiel im eigenen Land. Diese beiden Partien dürften vorentscheidend für die Teilnahme an der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ sein, bei der Ägypten seit Italien 1990 nicht mehr vertreten war.

Trainer Cuper ist überzeugt, dass Ägypten nun einer besseren fussballerischen Zukunft entgegen sieht. Er sagte: "Wir haben im ägyptischen Fussball eine neue Generation entdeckt. In der WM-Qualifikation stehen sehr wichtige Spiele auf dem Programm, auf die wir uns ab sofort vorbereiten müssen."

Sollten Cuper und seine Schützlinge auch in der WM-Qualifikation so überzeugend aufspielen wie in Gabun, dann könnten in der Tat schon bald wieder glorreiche Tage für den ägyptischen Fussball anbrechen.