• Chinese Taipei freut sich über einen unerwarteten Sprung in der Weltrangliste
  • Der neue Trainer Gary White hat prompt geliefert
  • Schon mit Guam feierte der Engländer Erfolge

Besser als aktuell war Chinese Taipei in der FIFA/Coca-Coca-Weltrangliste noch nie platziert. Der neue Trainer Gary White hat großen Anteil an diesem Erfolg. Vier Nationalmannschaften hat der Engländer bislang betreut und sie alle in der Weltrangliste in ungeahnte Höhen geführt.

Alles begann in den späten 90er Jahren mit den Britischen Jungferninseln. Dabei ist White noch immer erst 43 Jahre alt. Neun Jahre betreute er danach die ebenfalls mit bescheidenen Mitteln ausgestatteten Bahamas, bevor er Guam zu einem ersten Durchbruch verhalf.

White führte den einstigen Inhaber des unrühmlichen Rekords der höchsten Niederlage in einer WM-Qualifikation nicht nur in die zweite Runde der Vorausscheidung für Russland 2018, er verhalf dem kleinen Inselstaat auch zu einem denkwürdigen Sieg über Indien, das bekanntlich sehr viel mehr Einwohner hat.

Jetzt bringt White den Erfolg auch nach Chinese Taipei. Das ostasiatische Land nahm in den 60er Jahren an zwei AFC-Asienpokalen teil und war Vorreiter des Frauenfussballs in der Region. Was folgte, waren jedoch Jahrzehnte des Misserfolgs, und es sah nicht so aus, als würde sich daran etwas ändern.

In der Qualifikation zum Asienpokal stand das Land zu Jahresbeginn bereits vor dem Aus. Dann kam White. Nur zwei Spiele später ist die Qualifikation sensationell greifbar und die Mannschaft grüßt von Rang 143 der Weltrangliste.

Auf den Sieg gegen die Mongolei folgte ein 2:1 gegen Bahrain. Vor allem das zweite Ergebnis war von großer Bedeutung. Denn immerhin hat Bahrain nicht nur am jüngsten Asienpokal teilgenommen, sondern stand 2006 und 2010 auch in den Qualifikations-Playoffs für die Weltmeisterschaft. Und nur einen Monat vor Whites Ankunft hatte Bahrain Chinese Taipei noch mit 5:0 abgefertigt.

Der 2:1-Erfolg im Rückspiel markierte eine Wende, die in Anspielung auf das Datum des Spiels nur als "10.10." bekannt ist.

Keine Zauberei
Was aber steckt hinter Whites Erfolg? "Im Verlauf einer Karriere schnappt man einfach Dinge auf, die funktionieren", erklärt der Engländer bei FIFA.com. "Überall, wo ich arbeite, nutze ich Kultur und Werte der jeweiligen Mannschaft."

"Die Spieler haben das sofort angenommen, das hat man gegen Bahrain auf dem Platz gesehen. Aus meiner Sicht geht es darum, dass einen die Spieler als Trainer verstehen und sie einem als Person wichtig sind. Erst danach geht es um so etwas wie Taktik."

Laut White hat die örtliche Liga ein gutes Niveau. Zudem kann er auf acht Nationalspieler im Ausland zurückgreifen, die zumeist in der VR China spielen. "Mir war immer klar, die Mannschaft hat Potenzial, aber keine Siegermentalität", so White. "Wir haben hier einige echte Talente. Sie müssen nur auch glauben, dass sie talentiert sind. Zusammen mit den in China und Europa aktiven Spielern ist das eine gute Mischung."

Historische Möglichkeit
Wenn das Ergebnis auch im nächsten Auswärtsspiel in Turkmenistan kommenden Monat stimmt, wäre Chinese Taipei kurz davor, nach 51 Jahren wieder eine Asienmeisterschaft zu erreichen.

"Wenn das passiert, flippen hier alle aus", prophezeit White. "Im Moment herrscht hier in der Öffentlichkeit und in den Medien ein richtiges Fussballfieber. Dabei dominieren in diesem Land sonst Baseball und Basketball. Aber Fussball soll wichtig werden."

"Es tut sich viel auf dem Platz und außerhalb. Daraus könnte sich eine große Dynamik entwickeln. Für die Zukunft könnte das entscheidend sein."

"Fussball ist bei Kindern bis zwölf Jahren die beliebteste Sportart. Es ist also ein solides Fundament vorhanden. Die Leute hier sehen sich viel internationalen Fussball im Fernsehen an. Eine Qualifikation könnte aus Chinese Taipei ein fussballverrücktes Land machen."