Am Wochenende geht der CAF Afrikanische Nationen-Pokal zu Ende, und im kleinen Swasiland mag man sich noch immer fragen, was wohl möglich gewesen wäre. Die Sihlangu hätten sich um ein Haar zum ersten Mal für die Endrunde des Nationen-Pokals und damit für ihr erstes großes Turnier qualifiziert. Doch dann schnappte dem Team der südafrikanische Rivale Simbabwe in der Vorrundengruppe L den Startplatz für Gabun 2017 vor der Nase weg.

Obwohl die Außenseiter den erträumten Startplatz beim kontinentalen Großereignis knapp verpassten, dürften sie angesichts ihrer beherzten Auftritte im Jahr 2016 optimistisch in die Zukunft blicken. Sie kletterten nämlich in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste vom 133. Platz zu Beginn des Jahres auf den 99. Rang in der letzten Ausgabe der Liste. Das ist die beste Platzierung aller Zeiten. Damit hat das Team eine ganz andere Perspektive als 2013, als der swasiländische Fussball auf einem Tiefpunkt angekommen zu sein schien. Damals dümpelte das Team in der Weltrangliste auf dem 186. Platz herum und musste mit dem 0:10 gegen Ägypten die höchste Niederlage aller Zeiten hinnehmen.

"Das war ein sehr stolzer Moment für uns, und wir hoffen, weiterhin hart arbeiten und uns als Team verbessern zu können", so Verteidiger Siyabonga Mdluli mit Blick auf den Aufstieg Swasilands in der Rangliste. "Wir haben uns sehr entschlossen präsentiert, und mit den Spielern, über die das swasiländische Nationalteam derzeit verfügt, können wir wirklich mithalten und uns hoffentlich für den nächsten Nationen-Pokal qualifizieren."

"Wir waren ganz nah dran, die Endrunde in Gabun zu erreichen, sind aber am Ende vielleicht an unserer mangelnden Erfahrung gescheitert. Das Team hat viel harte Arbeit geleistet, und wir müssen weiterhin hart füreinander arbeiten. Wenn einer einen Fehler macht, machen wir alle einen Fehler – es ist eine Mannschaftsleistung."

Ein denkwürdiges Jahr
Unter der Führung von Harries Bulunga, eigentlich von Beruf Lehrer, der seinen Posten als Trainer der swasiländischen Nationalmannschaft Ende September räumte, konnten die Sihlangu in der Qualifikationsgruppe L beeindruckende Heim- und Auswärtssiege gegen das topgesetzte Guinea einfahren und träumten von einem Startplatz in Gabun. Zwar sollte der Traum für den Außenseiter am Ende nicht in Erfüllung gehen, doch durch Unentschieden gegen Simbabwe und Malawi und die Siege gegen Guinea erhielt Swasiland in der Weltrangliste ordentlich Auftrieb. Außerdem machte sich neuer Optimismus im Team breit.

Dieser Glaube an die eigenen Fähigkeiten zeigte sich auch beim COSAFA Cup, einem Wettbewerb für Teams aus dem südlichen Afrika, bei dem sich Swasiland für traditionelle Fussballmächte der Region als Stolperstein erwies und am Ende die Bronzemedaille holte. Damit egalisierte das Team sein bestes Ergebnis aller Zeiten bei diesem Turnier.

"Wir hatten am Ende beim COSAFA Cup gemischte Gefühle", so der 30-jährige Mdluli. "Einerseits haben wir uns natürlich über den dritten Platz gefreut, aber andererseits war wir auch ziemlich enttäuscht, weil wir uns den Finaleinzug als Ziel gesteckt hatten."

Spielerexporte und Zukunftspläne
Beim COSAFA Cup erregte der swasiländische Stürmer Felix Badenhorst, einer der Stars im Team, außerdem die Aufmerksamkeit zahlreicher afrikanischer Klubs. Der torgefährliche Akteur schloss das Turnier als Torschützenkönig ab. Während die große Mehrheit der Nationalspieler auf Vereinsebene im eigenen Land aktiv ist, durchbrach Badenhorst das Raster und wechselte nach seinem beeindruckenden Auftritt gemeinsam mit seinem Landsmann Mthunzi ‘Xavi’ Mkhontfo zu AS Vita, einem Spitzenklub der DR Kongo.      

Der robuste Verteidiger Mdluli, Mannschaftskapitän von Green Mamba in der Swazi Premier League, hofft, dass zukünftig noch weitere Landsleute ihre Fähigkeiten im Ausland unter Beweis stellen werden. "Die meisten Spieler im Team sind in Swasiland aktiv, daher spornt es uns an, dass sie [Badenhorst und Mkhontfo] nun im Ausland spielen", so Mdluli. "Wir würden es gerne sehen, wenn mehrere Nationalspieler außerhalb Swasilands spielen könnten. Das wäre gut für unsere Nationalmannschaft."

Mdluli und seine Teamkameraden aus der swasiländischen Nationalmannschaft können angesichts ihres beeindruckenden Auftritts im Qualifikationswettbewerb für Gabun 2017 jedenfalls mit Optimismus in die Vorrunde für Kamerun 2019 gehen, die im Juni dieses Jahres beginnt. Mit ihrer gelungenen Mischung aus Erfahrung und Jugend stehen die Sihlangu allerdings vor einer großen Herausforderung, denn sie wurden mit Tunesien, Ägypten und Niger in eine Gruppe gelost. Wie die beherzten Auftritte des Außenseiters in jüngster Zeit gezeigt haben, sollten die traditionellen Fussballmächte das Team jedoch keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen.

Frederick Mngomezulu, CEO des swasiländischen Fussballverbands dazu: "Wir wissen, wozu unsere Gegner fähig sind. Wir sind schon zuvor gegen Ägypten angetreten, Tunesien ist ebenfalls eine Fussballmacht und Niger hat in der Qualifikationsphase des Jahres 2012 einmal gegen Südafrika gewonnen. Aber man muss mit den großen Haien schwimmen, wenn man sich in dieser Sportart weiterentwickeln will."

Zwar mag Swasiland im Vergleich zu diesen großen Haien wie ein kleiner Fisch erscheinen, doch die Entwicklung des Landes geht definitiv in die richtige Richtung.