Dass der Fussball viel mehr ist als einfach nur ein Spiel, zeigt sich in der Bedeutung, der ihm teilweise beigemessen wird. So sagen die Historiker heute, dass der Gewinn der FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft 1954™ ein formatives Erlebnis der noch jungen Bundesrepublik Deutschland war. Das Kosovo mag nicht gleich die WM gewonnen haben, doch alleine die Teilnahme am ersten WM-Qualifikationsspiel im September hat viel für das Zusammengehörigkeitsgefühl der noch jungen Nation getan – und auch direkt eine große Auswirkung in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste gehabt.

Zwei offizielle Partien gab es in der Fussball-Geschichte des Kosovos bisher, die erste war ein Testspiel, das im Juni in Frankfurt mit 2:0 gegen die Färöer gewonnen wurde, ehe Anfang September in Turku das erste WM-Qualifikationsspiel jemals in Finnland auf dem Plan stand. Für einige der Spieler, die an dieser historischen Partie teilnahmen, traf die Spielberechtigung sogar erst wenige Tage vor dem Spiel selbst ein.

Paulus Arajuuri hatte Finnland zwar schon nach 18 Minuten in Front geschossen, doch nach einer Stunde verwandelte Valon Berisha für das Kosovo einen Strafstoß zum durchaus verdienten 1:1-Endstand. Allein die FIFA-Mitgliedschaft war ein "brutales Highlight für jeden von uns", wie Albert Bunjaku vor wenigen Wochen exklusiv im Gespräch mit FIFA.com erklärte, der in Finnland natürlich in der Startelf stand und als erfahrener Spieler im Mittelpunkt des Interesses stand.

Für die beiden erfolgreichen ersten Begegnungen wurde das in seiner Fussballgeschichte nun immer noch ungeschlagene Kosovo in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste auch gleich mit dem Sprung nach vorne von Rang 180 auf 168 belohnt und machte damit den fünftgrößten Schritt aller Nationen. "Wir sind alle Helden", jubelte der 25-jährige Defensivspieler Fanol Perdedaj nach dem Spiel, bei dem er 90 Minuten lang auf dem Feld stand. "Für uns alle ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Unser Land hat ja auch lange auf diesen Tag gewartet. Wir sind sehr, sehr stolz."

Fast wäre es sogar der zweite Sieg im zweiten Spiel geworden. "Ich hatte das 2:1 auf dem Fuß, aber der finnische Torwart hat den Ball mit einer Superparade abgewehrt", erinnert sich Perdedaj und bedankte sich auch bei den Kosovo-Fans, die den Weg ins Stadion nach Turku gefunden hatten. "Meine Landsleute sind ja in ganz Europa verteilt und haben uns super unterstützt. Sogar aus New York sollen welche angereist sein. Man kann davon ausgehen, dass an diesem Abend die Leute im Kosovo alle vor den Fernsehern saßen."

Einer, der auf jedem Fall vor dem Fernseher saß, war Staatspräsident Staatspräsident Hashim Thaçi, der seiner Freude direkt auf Twitter Ausdruck verlieh: "Das Kosovo hat sein erstes Tor erzielt! Nach Jahrzehnten der Isolation fühlen sich Generationen von Spielern so stolz. Das Beste liegt für unser Land noch vor uns!" Auch Regierungschef Isa Mustafa zeigte, wie wichtig dieses Spiel für das Kosovo war: "Wir haben uns als wertvolles Team bei internationalen Wettbewerben bewiesen."

Der Jubel im Land war groß – Zeitungen und andere Medien berichten davon, dass in den Kneipen der Hauptstadt Priština bis lange nach Mitternacht gefeiert wurde. "Es ist ein sehr gutes Gefühl, ich habe davon geträumt, ein Tor für Kosovo zu erzielen, sagte Torschütze Berisha danach, dem dieser Abend wohl auch ewig in Erinnerung bleiben wird. Doch vor der Mannschaft liegt durchaus noch ein weiter Weg, wie Schlussmann Samir Ujkani findet: "Wir haben zwar gezeigt, dass wir Fussball spielen können, wissen aber auch, dass wir Fehler gemacht haben. Wir sind aber ja noch eine junge Mannschaft." Und wenn es für die noch junge Nation in diesen großen Schritten wie bisher weitergeht, dann folgen bald sicher weitere Schritte nach oben in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste. "Unter die ersten 100 wollen wir kommen. Das ist auch realistisch", findet Perdedaj.