Gut Ding will Weile haben, sagt der Volksmund. Dem Trainer der neuseeländischen Nationalelf, Anthony Hudson, muss das Warten ewig vorgekommen sein. Aber letztlich hat es sich gelohnt, denn das Ergebnis war umso einträglicher.

Die Belohnung kam in Form eines siegreichen Parcours beim OFC Nationen-Pokal im vergangenen Monat, bei dem das neuseeländische Team nach dem peinlichen Halbfinal-Aus in der Auflage 2012 seinen Status als kontinentaler Meister zurückerlangte. Außerdem können sich die All Whites nicht nur über das Ticket zum FIFA Konföderationen-Pokal Russland 2017 freuen, sondern auch über einen bemerkenswerten Satz von 54 Plätzen in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste auf Platz 93. Dies ist die größte Verbesserung des Monats weltweit und gleichzeitig die beste Platzierung Neuseelands seit drei Jahren.

Hudson trat sein Amt im August 2014 nach der gescheiterten Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ an, die mit einer deftigen Niederlage gegen Mexiko in der kontinentalen Playoff-Runde geendet hatte. Im Vorfeld des jüngsten Nationen-Pokals konnten die Kiwis indes nur sechs Länderspiele in fast zwei Jahren bestreiten. Aber trotz der mangelhaften Vorbereitung sicherte sich Neuseeland die fünfte kontinentale Krone und den Einzug in die dritte Runde der Qualifikation für Russland 2018. Im Finale gegen den Gastgeber Papua-Neuguinea sicherten sich die Kiwis nach 120 intensiven, aber torlosen Minuten im Elfmeterschießen den Titel, nachdem sie zuvor vier Siege in Folge gefeiert hatten.

Die solide Defensive und der mannschaftliche Zusammenhalt bei der Arbeit gegen den Ball waren zwei wichtige Faktoren für den Erfolg in Papua-Neuguinea.  Tatsächlich hat das Team seit der 1:3-Niederlage gegen Usbekistan kurz nach der Amtsübernahme durch den gebürtigen Londoner Hudson in zehn Spielen nur sechs Gegentreffer kassiert.

WM im Visier
Der nächste Schritt ist nun die WM-Qualifikation. Neuseeland wurde in Gruppe A gelost, in der sich außerdem zwei Mannschaften befinden, die schon auf dem Weg zum kontinentalen Titel bezwungen werden konnten - Neukaledonien und Fidschi. Der Sieger der mit Hin- und Rückrunde ausgetragenen Dreiergruppe trifft auf den Gewinner aus Gruppe B, in der Papua-Neuguinea, die Salomon-Inseln und Tahiti vertreten sind. Im entscheidenden Playoff-Duell geht es um die Qualifikation für die interkontinentale Playoff-Runde gegen den Fünftplatzierten der Südamerika-Zone.

Da die dritte Runde der Ozeanien-Qualifikation im November beginnt und einige weitere Länderspiele geplant sind, haben Hudsons Schützlinge nun endlich die Gelegenheit, in Schwung zu kommen. Nach dem Nationen-Pokal erklärte Hudson, dass er nun über die Tiefe im Kader verfüge, die als Basis für die weitere Entwicklung im Vorfeld des Konföderationen-Pokals und der Qualifikation für Russland 2018 dienen kann.

"Jetzt haben wir einen richtigen Kader, aus dem wir schöpfen können", sagte Hudson im Gespräch mit FIFA.com. "Du kannst das Niveau nicht verbessern, wenn es keinen Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft gibt. Den haben wir nun, deshalb bin ich zufrieden. Jeder im Team glaubt daran, dass wir zusammen etwas erreichen können. Die jungen Spieler, die für den Nationen-Pokal in das Team integriert wurden, sind nun gut genug. Wir haben jetzt eine richtig gute Mischung."

Mehr Tiefe im Kader
Neuseeland brauchte laut Hudson für den Nationen-Pokal noch "sechs oder sieben Spieler für die erste Mannschaft". Die Liste der Abwesenden war lang: Kapitän Winston Reid und der erfahrene Stürmer Shane Smeltz sowie die vom Coach geschätzten, aber weniger bekannten Ryan Thomas und Deklan Wynne.

Nach dem natürlichen Schwund seit dem letzten WM-Zyklus ist das neuseeländische Team nun voller junger Spieler oder Akteure, die noch keine Erfahrung auf der großen Bühne haben. Tatsächlich war die Mehrzahl der All Whites beim Nationen-Pokal um die 23 Jahre alt oder jünger.

"Jedes Mal, wenn wir zusammentrafen, mussten wir wieder mit den Grundlagen beginnen, weil wir so viele neue Spieler hatten", sagte Hudson. "Wir hatten auch nicht immer unsere besten Spieler zur Verfügung. Der Nationen-Pokal ist dafür das beste Beispiel. Für den Versuch, den Zusammenhalt zu fördern und eine gewisse Dynamik aufzubauen, ist das wirklich eine Beeinträchtigung. Die Abstände zwischen den Spielen waren zu groß."

Neuseeland ist noch einige Stufen von seiner bisher besten Platzierung auf Rang 49 im Jahr 2002 entfernt, aber Hudson ist davon überzeugt, dass sich das Team im Aufwärtstrend befindet. "Zum ersten Mal, seit ich hier bin, muss ich Entscheidungen treffen [für die Auswahl]", sagte er. "Diese Probleme sind jetzt gelöst. Eigentlich hat es den Charakter der Spieler und des Trainerstabs bereichert, dies alles durchgemacht zu haben. Wir sind zusammen stärker geworden, und das ist Teil unserer Geschichte."