Zur Pause des WM-Qualifikationsspiels zwischen Armenien und Montenegro im November lagen die Hausherren mit 0:2 zurück und steuerten scheinbar auf die vierte Niederlage im vierten Spiel zu. Die Gäste hatten dank zweier Treffer von Damir Kojasevic und Stevan Jovetic scheinbar alles im Griff und peilten ihren dritten Sieg in Folge an.

Doch die Armenier und ihr neuer Trainer Artur Petrosyan, der nach dem Rücktritt von Varuzhan Sukiasyan erstmals an der Seitenlinie stand, wollten sich noch nicht geschlagen geben. Nach der Pause waren sie kaum wiederzuerkennen und starteten eine beeindruckende Aufholjagd. In der letzten Spielminute gelang dem offensiven Mittelfeldspieler Gevorg Ghazaryan dann tatsächlich noch der Siegtreffer für die Gastgeber.

Petrosyan feierte somit ein erfolgreiches Debüt als Nationaltrainer und Armenien machte in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste einen Sprung um 38 Plätze auf Rang 87. Damit sind die Südosteuropäer der beste Aufsteiger des Monats.

Vom Ex-Nationalspieler zum Trainer
Petrosyan wurde in seiner aktiven Zeit vier Mal mit Shirak Gyumri armenischer Meister. Zudem sammelte er Erfahrung in der Schweiz, wo er für die Young Boys Bern und den FC Zürich spielte. 2006 hängte der Mittelfeldspieler seine Schuhe an den Nagel und stieg beim FC Zürich ins Jugendtraining ein. Von 2014 bis 2015 war er dann unter dem Schweizer Bernard Challandes als Assistenztrainer der armenischen Nationalmannschaft tätig. Im Oktober 2016 wurde er schließlich zum Cheftrainer "befördert", allerdings deutlich früher als erwartet.

"Ich hätte nicht gedacht, dass das so schnell passieren würde", so der 44-Jährige im Interview mit Mediamax Sport. "Ich hätte diesen Schritt eigentlich erst nach mehreren Jahren im Vereinsfussball erwartet. Doch dann ging alles sehr schnell. Ich habe ja nun jahrelang für die Nationalmannschaft gespielt und konnte in dieser schwierigen Situation unmöglich absagen. Ich bin sicher, dass ich die notwendige Power habe, um gut mit dem Team zu arbeiten."

69 Länderspiele hat Petrosyan für Armenien bestritten und liegt damit in der Liste der Rekordnationalspieler auf Platz vier. Er war schon am ersten Länderspiel der Nationalmannschaft beteiligt – ein torloses Unentschieden gegen Moldau. Bis er vom Ex-Dortmunder Henrikh Mkhitaryan abgelöst wurde, war Petrosyan zudem Rekordtorschütze Armeniens.

Der beeindruckende Sieg gegen Montenegro war der erste Pflichtspielerfolg Armeniens seit Oktober 2013. Entsprechend begeistert reagierte Petrosyan, der seinen Debüterfolg als Trainer mit einem seiner schönsten Erfolgsmomente als aktiver Nationalspieler verglich. Im März 2003 erzielte der in Gyumri geborene Mittelfeldspieler nach einer fantastischen Einzelleistung den Siegtreffer gegen Nordirland in einem Qualifikationsspiel für die UEFA EURO 2004 und beendete damit eine Durststrecke von sieglosen Qualifikationsspielen, die bis Oktober 1999 zurück reichte.

"Es war ein ähnliches Gefühl wie 2003, als wir gegen Nordirland gewonnen haben", so Petrosyan nach dem Erfolg gegen Montenegro. "Die Situation war damals ganz ähnlich. Dreieinhalb Jahre ohne Sieg – und dann habe ich das entscheidende Tor erzielt. Die Emotionen gegen Montenegro waren durchaus vergleichbar."

Nach dem Ende der Durstrecke und dem Sprung in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste geht Armenien nun deutlich zuversichtlicher in das nächste WM-Qualifikationsspiel im März 2017 zu Hause gegen Kasachstan.

"Wir werden versuchen, die vielen guten Ansätze, die wir im Spiel gegen Montenegro gezeigt haben, zu verstärken. Gleichzeitig müssen wir natürlich unsere Fehler ausmerzen", so Petrosyan. "Dieses Spiel hat deutlich gezeigt, dass wir in der Defensive noch Schwächen haben. Im Vergleich mit den vorherigen Spielen haben wir zwar Fortschritte gemacht, doch es gab immer noch zahlreiche taktische Fehler. Wir hatten mehr Ballbesitz und hätten mehr Druck machen müssen, doch das ist uns nicht gelungen. Daran werden wir nun arbeiten."