Im Mai 2008 war die türkische Fussball-Nationalmannschaft so schlecht platziert (25.) wie zuletzt im Jahr 2006. Seitdem hat das Team von Coach Fatih Terim, der im August 2005 das Traineramt übernahm, eine beeindruckende Entwicklung durchgemacht, die nun mit dem zehnten Platz in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste belohnt wurde.

Nach eher enttäuschenden Ergebnissen zu Beginn des Jahres, als man gegen Schweden und Belarus nicht über Unentschieden hinauskam, steigerte sich die Mannschaft um Bayern Münchens Mittelfeld-Star Hamit Altintop in den darauf folgenden Monaten. Eine Erklärung dafür hat sein Zwillingsbruder Halil von Bundesliga-Konkurrent Schalke 04 parat: "Wir Türken sind eben sehr verspielt. Oft ist uns die Schönheit des Spiels wichtiger als das Ergebnis. Diese Mentalität kommt vor allem in Freundschaftsspielen hervor. Wird es jedoch wieder ernst, dann ist auch die Konzentration wieder da", sagte der Stürmer im Gespräch mit FIFA.com. So dauerte es bis Mitte des Jahres, um in die Top 20 der Fussball-Welt zurückzukehren.

Gute EM beschert Türkei Sprung nach oben
Vor allem die starken Auftritte bei der UEFA EURO 2008 taten dem Selbstbewusstsein der Türken gut. In Österreich und der Schweiz stießen Semih Sentürk & Co. bis ins Halbfinale vor und setzten sich auf dem Weg dorthin gegen die besser platzierten Tschechen (3:2) und Kroaten (3:1 n.E.)  durch. Erst gegen Deutschland unterlag die Mannschaft um Kapitän Emre Belozoglu denkbar knapp mit 2:3 und verpasste somit nach 2002 bei der FIFA WM in Japan und der Republik Korea erneut ein großes Finale.

In der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste kletterte die Millîler weiter nach oben. Im Juli rangierte man bereits auf Rang 14, und nur einen Monat später war man 13.

Ausschlaggebend für die beste Platzierung seit vier Jahren (im Juni 2004 rangierte die türkische Mannschaft auf Rang fünf) war ein Freundschaftsspiel gegen Chile, das man Mitte August mit 1:0 in Izmit gewann. Mit nunmehr 1033 Punkten lässt man mit Frankreich (11.), Russland (12.), Rumänien (13.) und England (15.) vier namhafte europäische Verbände hinter sich und will auch in Zukunft für Furore sorgen.

Weiter Weg nach Südafrika
Die Marschroute wurde vom Trainer bereits im Februar dieses Jahres ausgegeben. Im Exklusiv-Interview mit FIFA.com sagte Terim: "Unsere Ziele sind, bei jedem großen Turnier dabei zu sein...". Zumindest die ersten Schritte in Richtung dieses langfristigen Erfolgs sind getan, auch wenn man nicht voll und ganz mit den jüngsten Entwicklungen zufrieden sein kann. In der Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ konnte man zwar aus zwei Partien vier Punkte holen, jedoch waren die Auftritte in Armenien (2:0) und zu Hause gegen Belgien (1:1) wenig überzeugend.

Es wird also spannend zu verfolgen sein, ob die Türkei sich nach 1954 und 2002 zum dritten Mal für eine WM qualifizieren kann. Mitte Oktober trifft man in Istanbul auf Bosnien-Herzegowina und vier Tage später in Tallinn auf Estland. Vor allem den Bosniern ist einiges zuzutrauen, so dass die Terim-Truppe sich voll und ganz auf ihre Aufgabe konzentrieren muss - für eine gute Platzierung in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste und das große Ziel Südafrika 2010.

Denn immerhin wartet in der Gruppe 5 der Europa-Qualifikation noch mit Spanien kein geringeres Land als der amtierende Europameister auf die Türkei. Zum ersten Duell der beiden Gruppen-Favoriten kommt es jedoch erst Ende März 2009.