Entwicklung

"Wildcats" sorgen für mehr fussballerische Einbeziehung junger Mädchen in England

(FIFA.com)
FA's Wildcats - FIFA Forward
© FIFA.com
  • Die "Wildcats" der FA profitieren vom FIFA-Entwicklungsprogramm Forward
  • Mädchen von 5 bis 11 können in einem maßgeschneiderten Umfeld Fussball spielen
  • Die Initiative gehört zur Strategie der FA, die Zahl der Spielerinnen bis 2020 zu verdoppeln

Als Jill Scott, Toni Duggan und viele weitere heutige englische Nationalspielerinnen in ihrer Kindheit mit dem Fussball anfingen, hatten sie keine Wahl: Sie mussten in Jungenmannschaften spielen, weil es in ihrer Umgebung in jener Zeit keine reinen Mädchenmannschaften gab. Heute hingegen verschafft die Wildcats-Initiative des englischen Fussballverbandes FA jungen Mädchen im ganzen Land die Möglichkeit, Fussball in einem rein weiblichen Umfeld zu spielen.

Die 2017 ins Leben gerufene Wildcats-Initiative für Mädchen von 5 bis 11 Jahren gehört zur Strategie des Verbandes, bis 2020 die Zahl der Spielerinnen zu verdoppeln. Im Rahmen des FIFA Entwicklungsprogramms Forward erhielt die Initiative eine Förderung von USD 1.048.000. Bislang spielten nur relativ wenig Mädchen in dieser Altersspanne Fussball. Entsprechend groß war das Potential, diese Zahlen erheblich zu steigern. Im ersten Jahr wurden 200 Zentren geschaffen, in denen jeweils rund 30 Mädchen betreut werden. Angesichts des großen Erfolges hat der Verband das Programm für 2018 aufgestockt und will insgesamt weitere 772 Zentren im gesamten Land einrichten.

"Seit dem Start der SSE Wildcats erleben wir einen großen Enthusiasmus seitens der Mädchen, die hier Fussball spielen und lernen", so Kelly Simmons, die für Einbeziehung und Entwicklung zuständige Leiterin bei der FA.

"Die Zentren haben sich als großer Erfolg erwiesen. Wir freuen uns, dass wir die Initiative 2018 so stark ausbauen können. Ohne die Investitionen aus dem FIFA-Entwicklungsprogramm Forward wären diese Fortschritte kaum möglich gewesen. Wir sind sehr dankbar, dass wir nun einem viel größeren Anteil Mädchen im ganzen Land die Möglichkeit bieten können, Fussball in einem sicheren und inspirierenden Umfeld spielen zu können."

Spaß haben, Freundschaften schließen, Fussball spielen – das ist das Motto der SSE Wildcats. Den Namen "Wildkatzen" haben die Mädchen selbst ausgewählt. Es geht in den Zentren darum, die Leidenschaft der jungen Mädchen für den Fussball mit maßgeschneiderten Aktivitäten und Angeboten zu fördern und zu festigen.

"Einige Mädchen treten bei uns zum ersten Mal überhaupt gegen einen Ball. Wir sorgen dafür, dass sie dabei so viel Spaß wie möglich haben", so Rachel Pavlou, die Leiterin für die Entwicklung des Frauenfussballs bei der FA und Expertin für Frauenfussball bei der FIFA.

"Wir wissen, dass Mädchen in dieser Altersgruppe [5 bis 11] einfach nur Fussball spielen und mit Freundinnen zusammen sein möchten. Aber dazu gab es in dem bestehenden Umfeld meist keine guten Gelegenheiten. Die SSE Wildcats-Initiative ist so erfolgreich, weil wir auf die teilnehmenden Mädchen hören. Das Erscheinungsbild, den Namen, die Poster, die Flyer – das alles haben die Mädchen selbst beigetragen."

"Wir haben eine tolle Kommunikation zwischen den Mädchen und den Trainerinnen – in beide Richtungen. Es geht immer darum, so viel Spaß wie möglich am Fussball und rund um den Fussball zu haben."

Die Kommunikation nimmt innerhalb des Projekts eine Schlüsselrolle ein. Das alles hilft den Mädchen nicht nur auf ihrem fussballerischen Weg, sondern hat auch enorme positive Auswirkungen auf ihre soziale Entwicklung.

"Fussball kann sehr viel für diese jungen Mädchen leisten", so Pavlou weiter. "Eltern berichten uns, dass ihre Töchter wegen unseres Programms selbstbewusster werden, mehr über Sport und Gesundheit sprechen und sich charakterlich entwickeln. Das ist genau das, was wir erreichen wollen."

Das FIFA-Entwicklungsprogramm FORWARD
Von der Spielkleidung der Wildcats bis hin zu Fussbällen in verschiedenen Größen werden viele Anschaffungen durch die finanzielle Förderung des FIFA-Entwicklungsprogramms Forward ermöglicht, das vom Weltverband eingeführt wurde, um den Fussball rund um den Globus besser zu unterstützen und voranzubringen.

"Das Wildcats-Programm der FA ist beeindruckend, weil es durch den Fussball vielen jungen Mädchen in England nicht nur die Gelegenheit verschafft, in einem sicheren Umfeld Freundschaften zu schließen, sondern Teil einer offenen Gesellschaft zu werden, in der junge Mädchen gefördert und befähigt werden", sagt Björn Vassallo, FIFA-Regionaldirektor für europäische Mitgliedsverbände.

"Was den Fussball angeht, vermittelt das Programm den Mädchen die erforderlichen technischen Fähigkeiten. Um mehr Mädchen zu ermöglichen, Fussball zu spielen, investiert die FIFA enorm in den Frauenfussball und engagiert sich zudem für die globale technische Entwicklung. Die FIFA unterstützt den englischen Verband FA sehr gern bei der Umsetzung dieses Projektes", so Vassallo.

"Die finanzielle Unterstützung durch die FIFA eröffnet uns die Möglichkeit, unser Projekt weiter zu entwickeln und es umzusetzen", so Pavlou. "Die Altersgruppe von 5 bis 11 war durchaus problematisch für uns, weil wir den Mädchen in dieser Altersgruppe nicht die gleichen Möglichkeiten zur fussballerischen Entwicklung bieten konnten. Durch die SSE Wildcats ist uns nun genau das möglich. Darauf sind wir sehr stolz. Einen großen Anteil daran hat die FIFA, die uns auf dem ganzen Weg unterstützt hat."

Der englische Verband erntet bereits die ersten Früchte der verstärkten Einbeziehung von Mädchen mit dem Ziel einer Verdopplung bis 2020. Von Jahr zu Jahr gab es beispielsweise bei reinen Mädchen-Miniteams einen Zuwachs von 15,9 Prozent.

Das rein weibliche Umfeld unter Freundinnen, das den Schlüssel zur Förderung der Leidenschaft für den Fussball darstellt, gibt vielen von ihnen das Vertrauen, den nächsten Schritt auf ihrem fussballerischen Weg zu machen und in den  Vereinsfussball zu gehen.

"Man muss bedenken, dass diese Mädchen mit zwölf Jahren dann eine große Liebe zum Fussball entwickelt haben und für entsprechenden Zuwachs in dieser Altersgruppe sorgen, und dann immer so weiter. Ich bin sicher, dass wir auf gutem Wege sind, bald mehr Mädchen in allen fussballerischen Bereichen spielen zu sehen."

Und wer weiß... Vielleicht hat ja die nächste Generation der englischen Löwinnen ihren fussballerischen Weg einst bei den Wildkatzen begonnen.

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