FIFA Forward Programm

Uruguay fördert den Frauenfussball

(FIFA.com)
Peñarol and Nacional players vie for the ball in a Women's Uruguayan league
  • AUF will den Frauenfussball professionalisieren
  • Stipendienprogramm für die Trainerausbildung ins Leben gerufen
  • Forward-Programm der FIFA spielt eine Schlüsselrolle bei der Finanzierung

Patricia Cor ist 41 Jahre alt und seit ihrem 19. Lebensjahr mit dem Frauenfussball in Uruguay verbunden. Sie war eine der ersten Spielerinnen, die dem uruguayischen Fussballverband angehörten. Ihre Karriere dauerte 15 Jahre, und sie wirkte sogar bei der Gründung von zwei Klubs mit. Trotz ihrer großen Leidenschaft für das Spiel konnte sie sich ihren letzten Traum jedoch nicht aus eigener Kraft erfüllen: Sie wollte ihre Kenntnisse gern an die nachfolgenden Generationen weitergeben. Dank des FIFA-Forward-Programms ist es ihr nun doch gelungen.

Der AUF beschloss, die Entwicklung und Professionalisierung des Frauenfussballs voranzutreiben. Ein Teil der über das Programm bereitgestellten Gelder wurde für die Vergabe von Stipendien an sechs Trainerinnen und Trainer verwendet, die in den Vereinen tätig waren, jedoch nicht über eine entsprechende Ausbildung verfügten. Drei Männer und drei Frauen kommen in den Genuss dieser Förderung. Patricia, Trainerassistentin des U-19-Teams, ist eine von ihnen.

"Der AUF will die Entwicklung und Professionalisierung des Frauenfussballs mittelfristig vorantreiben", so Präsident Wilmar Valdez. "Die Ausbildung der Trainerstäbe ist eine grundlegende Strategie zur Förderung der Entwicklung der lokalen Liga. Das Forward-Programm hat einen Beitrag dazu geleistet, dass Mitglieder der Trainerstäbe von Frauenfussballklubs in den großen Ausbildungszentren des Landes aufgenommen und gefördert werden."

Ausgehend von dieser Grundidee sondierte der Verband das Terrain, um einen Startpunkt festzulegen.

"Angesichts des Aufschwungs, den der Frauenfussball in Uruguay insbesondere durch die Ausrichtung der U-17-WM erlebt, haben wir uns ein Bild davon gemacht, wer in dieser Sportart, die noch gänzlich Amateurcharakter hat, im technischen oder beratenden Bereich an vorderster Front tätig ist", erklärt Andrea Lanfranco, Exekutiv-Generalsekretärin des AUF.

"Wir haben gesehen, dass es Personen gibt, die bereits seit vielen Jahren mit viel Leidenschaft in diesem Bereich aktiv sind, ohne jedoch eine Ausbildung absolviert zu haben. Wir wollten ihnen die Chance geben, den Trainerschein zu machen, denn im neuen Lizenzsystem wären sie sonst auf der Strecke geblieben."

So wurde im Oktober 2017 eine Übereinkunft zwischen dem Verband und zwei Trainerverbänden des Landes geschlossen: dem IUACJ und dem AUDEF. Die sechs Stipendiaten bereiten sich auf den Erwerb der C-Lizenz (Kinderfussball von 6 bis 13 Jahren) und der B-Lizenz (Amateurfussball) vor. Präsident des AUDEF ist Ariel Longo, Trainer der Frauenauswahl, die die FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Uruguay 2018 bestreiten wird.

"Für uns ist das etwas ganz Neues, das gute Ergebnisse bringt", freut sich Lanfranco, "der Frauenfussball im Land ist enorm im Aufwind."

Die Entwicklung

  • Die Frauenliga wurde 1996 als Wettbewerb des Fünferfussballs ins Leben gerufen
  • 1997 ging man zum Elferfussball über, sieben Mannschaften nahmen teil
  • 2016 wurde eine Unterteilung in zwei Kategorien vorgenommen: die Divisional A (sieben Klubs) und die Divisional B (acht Klubs)
  • 2018 gibt es mit zehn Teams pro Liga einen Teilnehmerrekord
  • Es gibt U-16- und U-19-Turniere

Valentina Prego, Präsidentin des Frauenfussballrates, setzt die durch das Forward-Programm der FIFA geförderte Initiative in den richtigen Kontext.

"Vor drei Jahren haben bei 80 Prozent der Klubs im Frauenfussball keine ausgebildeten Fachkräfte gearbeitet. Heute ist das bei den meisten Klubs der Fall, jedoch nicht bei allen. Durch diese Initiative werden neue Fachkräfte in die Sportart gebracht, denen es an Mitteln fehlte, um die Ausbildung selbst zu finanzieren. Die Früchte werden wir mittelfristig ernten. In Uruguay haben wir festgestellt, dass es trotz einer nicht gerade optimalen sportlichen Infrastruktur Fussball geben kann. In diesem Fall spielen die Humanressourcen eine entscheidende Rolle."

Positiveffekte und weitere Ziele
Die Positiveffekte des Projekts gehen über die finanzielle Unterstützung hinaus. "Wir haben einen gewissen Dominoeffekt zu verzeichnen, denn mittlerweile absolvieren weitere Personen auch ohne Stipendium die Ausbildung – mit Unterstützung ihrer Vereine oder in Eigeninitiative. Diesen Effekt hatten wir uns erhofft. Wir wollten, dass der Funke überspringt und eine Aufbruchstimmung für Verbesserungen entsteht", so Prego stolz.

2018 ist eine weitere Förderung der Trainerausbildung von Frauen geplant, und zwar über ein innovatives nationales Programm. 2017 waren von insgesamt 21 Trainern im Erwachsenen- und Jugendbereich lediglich sechs Frauen.

"Wir glauben, dass mehr Frauen in den unterschiedlichen Bereichen des Fussballs vertreten sein sollten und müssen ihnen entsprechende Chancen einräumen", so Prego, die keine weiteren Details zum Kurs nennen möchte, da dieser sich noch in der "Koordinierungsphase" befände. Allerdings kündigt sie bereits an, dass es sich um den ersten Kurs handeln wird, der "ausschließlich für Frauen gedacht ist und für Anwärterinnen aus allen Landesteilen zugänglich gemacht werden soll".

Wertschätzung der FIFA
Jair Bertoni, FIFA-Regionaldirektor für Amerika, lobt den Vorstoß des AUF: "Die Entwicklung des Frauenfussballs zählt zu den Prioritäten der FIFA. Viele Verbände möchten das Interesse am Frauenfussball und die Teilnehmerzahlen steigern. Folglich sind Projekte dieser Art von großer Bedeutung. In diesem Kontext spielt das Forward-Programm der FIFA eine Schlüsselrolle, da es unter anderem die Ausbildung von Trainern ermöglicht und der Entwicklung damit auf effiziente und qualitativ hochwertige Weise Vorschub leistet. Auf diese Weise können wir die aktuellen Anforderungen erfüllen, und die Sportart kann weiter wachsen." 

Laut Bertoni ist das Engagement des AUF in diesem Bereich ausgesprochen erfreulich, da die Unterstützung der Verbände erforderlich sei, um das angestrebte Ziel zu erreichen. "Daher freuen wir uns, den AUF bei diesem Projekt über das Forward-Programm der FIFA unterstützen zu können und den Frauenfussball für mehr Menschen zugänglich zu machen, damit diese ihre Kenntnisse und Leidenschaft einbringen können." 

Für den Regionaldirektor der FIFA für Amerika gibt es keinen Zweifel daran, dass die dieses Jahr in Uruguay stattfindende FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft einen großen Anreiz darstellt, und zwar nicht nur für das Land selbst, sondern für die gesamte Region. "Sie wird dafür sorgen, dass weitere Investitionen erfolgen und Anstrengungen unternommen werden, damit mehr Spielerinnen und Trainerinnen sich ihren Traum erfüllen können."

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