• Nordirland Gastgeber der U-19-EURO der Frauen (8. bis 20. August 2017)
  • Vier Startplätze für U-20-Frauen-WM 2018 zu vergeben
  • Turnier soll nachhaltiges Vermächtnis für nordirischen Frauenfussball hinterlassen

Gerade erst hat sich der Staub nach einem wichtigen Turnier des Frauenfussballs gelegt, und schon steht das nächste vor der Tür. Nur zwei Tage, nachdem Gastgeber Niederlande sich den Titel bei der UEFA-Europameisterschaft der Frauen gesichert hat, beginnt die UEFA-U-19-Europameisterschaft der Frauen in Nordirland. Bei dem Turnier sind vier Startplätze für die FIFA U-20-Weltmeisterschaft 2018 zu vergeben.

Unter den acht Finalisten, die auf der Grünen Insel um den kontinentalen Titel kämpfen, sind so erfahrene Teams wie Spanien, Deutschland, Frankreich und England. Nordirland betritt bei der U-19-EURO hingegen Neuland. Die Auswahl ist zum ersten Mal bei einem großen internationalen Frauenfussballturnier vertreten und nimmt im Vergleich zu den "alten Hasen" eine Außenseiterrolle ein.

Allerdings wurden beträchtliche Mittel in das U-19-Team investiert, und der irische Fussballverband (IFA) möchte nicht nur die positive Entwicklung des Frauenfussballs in Nordirland unter Beweis stellen, sondern auch die Grundlage für den Aufbau einer stärkeren A-Nationalmannschaft legen.

"Für die U-19-EURO haben wir die größte Gruppe von Menschen mobilisiert, die [in Nordirland] je an einem Frauenfussballturnier mitgearbeitet hat", meint Turnierdirektorin Sara Booth im Gespräch mit FIFA.com. "Wir wollten diesen Wettbewerb ausrichten, um den Frauenfussball voranzutreiben und mehr Mädchen und Jungen zum Fussballspielen zu bewegen, nachdem sie die europäische Elite dieser Altersklasse gesehen haben. Wir möchten, dass von diesem Turnier ein Vermächtnis bleibt."

Die Gruppen

  • Gruppe A: Nordirland, Deutschland, Schottland, Spanien
  • Gruppe B: Italien, Niederlande, Frankreich, England

Bei einem Spaziergang durch Belfast stößt man an jeder Ecke auf Plakate, Flaggen und Busse mit Hinweisen zum Turnier. Auch der offizielle Song und das Maskottchen des Turniers haben die Fussballfans im Lande in ihren Bann gezogen. Investitionen in großer Höhe sind in die Vermarktung des Turniers geflossen, doch auch die Ressourcen für das U-19-Team selbst wurden erheblich aufgestockt. 

"Wir haben noch nie so viel in eine Mannschaft investiert wie in den letzten beiden Jahren in diese Gruppe. Das betrifft unter anderem Sportwissenschaft und Psychologie", erklärt Booth, ehemalige Spielführerin der nordirischen Nationalmannschaft. "Wir hoffen nun, über eine Gruppe talentierter Spielerinnen zu verfügen, die später auch mit der A-Nationalmannschaft internationale Turniere bestreiten und den Ball auf diese Weise ins Rollen bringen."

Aspirationen
Für die Talente der nordirischen U-19-Auswahl, die darauf hoffen, den Sprung in die A-Nationalmannschaft zu schaffen, sind die Hürden möglicherweise nicht ganz so hoch, da beide Teams von Cheftrainer Alfie Wylie betreut werden. Bereits im nächsten Monat beginnt die Qualifikation für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2019, und diejenigen, die bei der U-19-EURO zu beeindrucken wissen, könnten möglicherweise bereits in der Qualifikation für Frankreich 2019 Berücksichtigung finden.

"Das ist der Anreiz, den wir den Spielerinnen mit auf den Weg geben", so Wylie im Gespräch mit FIFA.com. "Es gibt bei diesem Turnier nicht besonders viele Mannschaften, deren Trainer auch für das A-Team verantwortlich ist. Jedes Mal, wenn die Spielerinnen zu beeindrucken wissen, erlebt der Trainer der A-Nationalmannschaft dies aus erster Hand mit.

"Dies ist für sie der Beginn eines Weges", so Wylie weiter. "Der Weg ist nach dem Turnier nicht zu Ende, hier beginnt die Reise erst. Wir wollen unbedingt allen zeigen, dass wir Fortschritte machen, und hoffen mit den Mädchen, die den Sprung schaffen, in Zukunft ein starkes Team aufbauen zu können."

WM-Träume
Nordirland rangiert in der FIFA/Coca-Cola-Frauen-Weltrangliste auf dem 60. Platz und hat noch nie an einem FIFA-Turnier teilgenommen. In der Qualifikation für Frankreich 2019 ist das A-Team nun in einer ausgesprochen kniffligen Gruppe mit Norwegen, den Niederlanden, der Republik Irland und der Slowakei gelandet. Die U-19-Europameisterschaft stellt für das Land jedoch eine echte Chance dar, zum ersten Mal bei einer WM dabei zu sein. Schließlich sind bei diesem Turnier vier Startplätze für die U-20-Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2018 zu vergeben.

"Es wäre unglaublich, wenn es uns tatsächlich gelänge, uns für die WM nächstes Jahr in Frankreich zu qualifizieren", so Booth. "Alfie ist ganz begeistert von dieser Möglichkeit, aber wir wissen alle, dass wir vor einer schweren Herausforderung stehen. Es gibt keine einfachen Gegner bei diesem Los."

In Nordirland gibt es noch immer gute Erinnerungen an Frankreich, denn die A-Nationalmannschaft der Männer erreichte dort bei der UEFA EURO 2016 die K.-o.-Runde. Dabei waren die Nordiren zum ersten Mal beim Kontinentalturnier dabei und zählten zu den kleinsten Teams des Wettbewerbs. Derweil trachtet das U-19-Team danach, selbst eine Überraschung zu landen und sich für die U-20-WM Frankreich 2018 zu qualifizieren. Dabei dürfte der Erfolg von Michael O'Neills Auswahl im letzten Jahr zweifellos als Zusatzmotivation fungieren.

"Die U-19 lässt sich vom erfolgreichen Auftritt unserer Jungs im letzten Sommer inspirieren. Bei unserem Verband hofft man darauf, dass der Funke überspringt und unsere Mädchen ebenfalls viel erreichen können."