• Niederlande stößt Deutschland vom Thron
  • Debütant Österreich brilliert
  • Lieke Martens (NED) als beste Spielerin des Turniers ausgezeichnet

Wenn man ein Fazit aus der am Sonntag geendeten UEFA Women’s EURO 2017 in den Niederlanden zieht, dann ist es vielleicht das folgende: Die Machtverhältnisse in Europa haben sich verschoben. Jahrelang hatte die deutsche Frauen-Nationalmannschaft bei Europameisterschaften dominiert und sechs Mal in Folge den Thron bestiegen. Eine Serie, die bei der diesjährigen Auflage riss. Zum ersten Mal seit 22 Jahren fand ein EM-Finale ohne deutsche Beteiligung statt und mit dem EM-Gastgeber darf sich eine neue Nation "Europas Königinnen des Fussballs" nennen. Im Endspiel setzte sich die Niederlande vor heimischem Publikum mit 4:2 gegen Dänemark durch.

Zum ersten Mal überhaupt konnten die Oranje Leeuwinnen bei dieser Turnierreihe den Titel gewinnen nachdem sie 2009 in Finnland im Halbfinale und 2013 in Schweden bereits in der Vorrunde ausgeschieden waren. Für die vorherigen Endrunden hatten sich die Niederländerinnen gar nicht erst qualifiziert.

Die Mannschaft von Sarina Wiegmann konnte schon in der Vorrunde hundertprozentig überzeugen und neben England alle drei Gruppenspiele gewinnen (1:0 gegen Norwegen, 1:0 gegen Dänemark und 2:1 gegen Belgien). In der K.o.-Phase setzte der Gastgeber diesen Trend fort und siegte auf dem Weg ins Finale gegen Schweden (2:0) und England (3:0).

Finalgegner Dänemark war bereits in der Vorrunde auf den späteren Europameister getroffen und mit sechs Zählern als Gruppenzweiter in die Runde der letzten Acht gezogen. Dort schaltete die Elf von Trainer Nils Nielsen zur Überraschung vieler den großen Favoriten Deutschland aus. Gegen die DFB-Damen gewannen die Däninnen mit 2:1. Das Halbfinale gegen Österreich endete mit 3:0 nach Elfmeterschießen. 

Debütant Österreich überzeugt
Österreich schrieb bei der diesjährigen Ausgabe gleich doppelt Geschichte. Das Ensemble von Trainer Dominik Thalhammer nahm nicht nur zum ersten Mal an einer Frauen-EM teil, sie zog bei ihrem Debüt auch gleich ins Halbfinale ein. Die Vorrunde beendeten die Österreicherinnen als Gruppenerster und verwiesen Frankreich auf Rang zwei. Im Viertelfinale wurde Spanien bezwungen bevor im Semifinale die Reise beendet war. In wenigen Wochen kann das ÖFB-Team an seinen großartigen Leistungen anknüpfen, wenn der Startschuss für die Qualifikation der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2019 fällt.

"Es ist sehr bitter, wenn man so knapp vor dem Finale ausscheidet. Heute waren wir bei den Elfmetern nicht sicher. Es ist schwer zu sagen woran es lag. Wir können dennoch sehr stolz sein. Das Resultat bleibt sensationell, aber heute tut es natürlich schon weh. Wir werden morgen beginnen das aufzuarbeiten", so Thalhammer nach der Niederlage gegen Dänemark. 

Titel-Aspiranten enttäuschen
Als haushoher Favorit war Deutschland in die Niederlande gereist, nachdem man in Schweden 2013 zum sechsten Mal in Folge den Titel holte und die insgesamt achte Europameisterschaft gewinnen konnte. Doch die DFB-Frauen blieben hinter den Erwartungen zurück. Am 1. Spieltag der Gruppenphase gab es ein torloses Remis gegen Schweden, die nächsten beiden Partien gegen Italien (2:1) und Russland (2:0) konnte man nur knapp für sich entscheiden. Im Viertelfinale kam dann gegen Dänemark das frühe Aus und die Vorherrschaft Deutschlands bei Europameisterschaften war gebrochen.

Für den dritten der FIFA/Coca-Cola-Frauenweltrangliste Frankreich und Olympia-Silbermedaillengewinner Schweden war das Turnier ebenfalls nach der Runde der letzten Acht beendet. Les Bleues mussten sich dem Team aus England  (0:1) geschlagen geben, das damit nach 43 Jahren erstmals wieder gegen Frankreich gewinnen konnte. Schweden scheiterte am Gastgeber und Europameister Niederlande.

Teilnehmer:
Belgien (Debüt), Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Italien, Island, Niederlande (Gastgeber), Norwegen, Österreich (Debüt), Portugal (Debüt), Russland, Schottland (Debüt), Schweden, Schweiz (Debüt), Spanien

Das Finale
Niederlande – Dänemark 4:2
Tore: 0:1 Nadia Nadim (6.), 1:1 Vivianne Miedema (10.), 2:1 Lieke Martens (28.), 2:2 Pernille Harder (33.), 3:2 Sherida Spitse (51.), 4:2 Vivianne Miedema (89.)

Stadien und Spielorte
Stadion Rat Verlegh (Breda), Stadion De Adelaarshorst (Deventer), Stadion De Vijverberg (Doetinchem), FC Twente Stadion (Enschede), Stadion Sparta-Het Kasteel (Rotterdam), Stadion Koning Willem II (Tilburg), Stadion Galgenwaard (Utrecht)