Um seinen Traum wahr zu machen und Fussballer zu werden, schipperte Piero Ferreyra López drei Tage lang in einem Boot den Amazonas hinauf. Gemeinsam mit 13 weiteren Jungs und einem Abgesandten seines Dorfes Caballococha, das mitten im peruanischen Urwald liegt, machte er sich auf den Weg. Nach zwei Nächten auf dem Boot stieg er in Iquitos aus, 1.000 Kilometer von Lima entfernt. Mittlerweile ist fast ein Jahr vergangen und Ferreyra López spielt bei Sporting Cristal und in der peruanischen U-15-Auswahl. Das wäre bis August 2016 noch völlig undenkbar gewesen.

Sein Potenzial wäre ungesehen verpufft, wenn der peruanische Fussballverband (FPF) im März 2016 nicht das Nachwuchsförderprogramm Plan de Menores ins Leben gerufen hätte, ein ehrgeiziges Projekt, das die FIFA im Rahmen ihres Entwicklungsprogramms "Forward" unterstützt.

"Wir wollen jungen Menschen gerecht werden, die vorher nie eine Chance bekommen haben", erklärt Daniel Ahmed, Generaldirektor der Technischen Einheit des Nachwuchsbereichs. Unter der Ägide von FPF-Präsident Edwin Oviedo und Sportdirektor Juan Carlos Oblitas will der argentinische Trainer den peruanischen Basisfussball mit einem Projekt revolutionieren, das sich "soziale und Wettbewerbsziele" auf die Fahnen geschrieben hat.

Bis 2016 verfügten gerade einmal sechs Profiklubs der ersten und zweiten Liga über Nachwuchsabteilungen für Spieler im Alter von 12 bis 18 Jahren. All diese Klubs befanden sich in Lima. Im Rest des Landes gab es bei den Vereinen keinerlei professionelle Struktur für die Ausbildung von Jugendlichen dieser Altersklassen.

Fünf Stützpfeiler
Dank des Dezentralisierungsplans kamen 2017 Teams aus anderen Regionen hinzu. Mittlerweile sind es bereits 15, die im Nachwuchsbereich über U-15- und U-17-Strukturen verfügen. 2018 sollen U-13-Teams hinzukommen mit dem Ziel, das mindestens 32 Klubs an Wettbewerben im Jugendbereich teilnehmen.

"Das Projekt stützt sich auf fünf Pfeiler", so Ahmed begeistert. "Die Regionen, die Ausbildung von Minderjährigen bei den Profivereinen, die Fortbildung der Ausbilder, die Persönlichkeitsentwicklung und die Junioren-Auswahlteams." Das ultimative Ziel sind 48 Profiklubs (heute fallen nur die Erstligaklubs in diese Kategorie), die im Nachwuchsbereich alle Altersklassen abdecken.

2016 wurden in 20 Regionen Entwicklungszentren mit einem U-14- und einem U-16-Trainer sowie einem Administrator geschaffen, 2017 wurde das Netz auf alle 25 Regionen des Landes ausgeweitet. Spieler aus allen Ecken und Enden des Landes wurden gesichtet und die besten davon für die Ausbildung in den Entwicklungszentren ausgewählt. Schließlich nahmen sie an den ersten Landesmeisterschaften der regionalen Auswahlteams der Altersklassen U-14 und U-16 teil.

Mit Unterstützung des FPF sichteten die Klubs der ersten Liga die Nachwuchsspieler und integrierten einige davon in ihre Teams. Gemäß dem Lizenzierungssystem der FIFA sind die Profiklubs verpflichtet, Nachwuchsförderprogramme umzusetzen. Ferreyra Carrasco, der Junge, der im Boot zum ersten Sichtungstraining gefahren ist, hat alle Stationen des Weges durchlaufen.

Seit März 2017 nehmen er und die anderen Jugendlichen an den ersten Jugendligen der Profiklubs der Primera División teil. Solche Wettbewerbe sind ein absolutes Novum im peruanischen Fussball. Das Torneo Centenario der Altersklassen U-15 und U-17 wird vom FPF finanziert.

"Wir unterstützen die Klubs, denn ohne Unterstützung wäre es für sie sehr schwer, auch wenn sie diese Struktur noch so sehr befürworten", erklärt Ahmed. "Wir hatten Freizeitteams, aber keine professionellen Teams, die den Aufbau einer landesweiten Struktur für den Profifussball leisten konnten." 

Das Nachwuchsförderprogramm in Zahlen

  • 2016 wurden 15.000 Spieler gesichtet 1000 davon wurden in die Entwicklungszentren aufgenommen
  • Über 700 Jugendliche der Altersklassen U-14 und U-16 bestritten 2016 die Landesmeisterschaft der regionalen Auswahlteams
  • Ausbildung von 165 Trainern für die Entwicklungszentren
  • Über 240 Scouts auf Talentsuche in allen Regionen Perus
  • 170 Spieler aus den Entwicklungszentren bestreiten bei 15 Profiklubs das Torneo Centenario 2017
  • Das Turnier wird vom Sender Latina jeden Samstag im frei empfangbaren Fernsehen ausgestrahlt

Parallel dazu hat der FPF ein Jahresprogramm ins Leben gerufen, über das den Jugendlichen eine grundlegende akademische Ausbildung zuteilwerden soll. Außerdem sollen sie an eine gesunde Lebensweise herangeführt werden. "Darunter fällt alles, was mit der emotionalen Entwicklung zu tun hat. Es geht nicht nur um das Spiel mit dem Ball", erklärt Ahmed.

Im Augenblick kommt das Programm nur als Pilotprojekt bei der Auswahlmannschaft einer Region zur Anwendung und wird von Privatunternehmen gesponsert. Noch vor Ende des Jahres soll jedoch eine Ausweitung auf eine zweite Region erfolgen. 

"Wir werden sechs bis acht Jahre brauchen, um alle Regionen abzudecken. Der Fussball hat ein ungeheures gesellschaftliches Potenzial. Viele Leute wurden durch den Sport aus gefährlichen Umfeldern herausgerissen. Dadurch konnten enorm viele Leben gerettet werden. Der Sport sorgt für die Gesundheit eines Landes", so Ahmed.

Über das Gesamtprojekt sollten die peruanischen Nationalteams mit Talenten aus allen Ecken und Enden des Landes bevölkert werden. In der U-17-Auswahl, die kürzlich an der Südamerikameisterschaft teilnahm und vor dem Projektstart zusammengestellt wurde, stammten noch 20 von 21 Spielern aus Lima. In der U-15-Auswahl, zu der auch Ferreyra López gehört, stammen bereits 11 der 25 Spieler aus dem Landesinneren.

Oblitas, peruanische Fussball-Legende und Sportdirektor des FPF, träumt von einer rosigen Zukunft:

"Wir haben nun damit begonnen, etwas aufzubauen, was in den letzten 30 Jahren versäumt wurde. Kurzfristiges Denken und Improvisation gehören der Vergangenheit an."