• Maßnahmen zur Verbesserung der beruflichen Vermittelbarkeit und gesundheitliche Aufklärung an
  • Engagement in Problemvierteln, u.a. im Südosten Londons
  • Unterstützung durch das Football-for-Hope-Programm der FIFA

Den Weg von seiner Wohnung zum Damilola Taylor Centre kennt Vince Lee in- und auswendig. Er wurde in Peckham im Südosten Londons geboren und wuchs auch in dieser wegen Drogenkriminalität und Gewaltverbrechen berüchtigten Gegend auf. Lee kennt die Straßen hier wie seine Westentasche. Er ist mittlerweile ein geschätzter Fussballtrainer und Talentspäher, der schon in den USA und für englische Profiklubs wie Millwall und Chelsea tätig war. Doch immer wieder zieht es ihn zurück zu seinen Wurzeln.

Lee ist auf dem Weg zum Damilola Taylor Centre, um dort eine Football-for-Hope-Trainingseinheit im Namen von Lionheart in the Community (LITC) durchzuführen. Diese Hilfsorganisation bietet Schulungen zur Verbesserung der beruflichen Vermittelbarkeit und zur gesundheitlichen Aufklärung mithilfe des Fussballs an. Bei seiner Ankunft wird Lee von den Kindern, die er trainieren wird, lautstark empfangen. Vor vielen Jahren war er selbst eines der Kinder in diesem Zentrum.

"Diese Football-for-Hope-Einheiten sind für mich etwas Besonderes", sagte Lee gegenüber FIFA.com. "Hier in diesem Zentrum hat meine Karriere begonnen. Und auch viele andere Teilnehmer haben ihren Weg hier begonnen und dann ihre Trainerscheine gemacht. Ich bin sogar ins Ausland gegangen und war für einige Klubs tätig. Aber hier werde ich immer wieder gern begrüßt."

Nachdem Lee schon als Jugendlicher das Zentrum besucht hatte, machte er dort auch seine ersten Trainerscheine. In seinem abwechslungsreichen Lebenslauf findet sich nun unter anderem auch die Position als Leitender Trainer bei LITC. Hier eröffnet er Jugendlichen neue Wege, nicht nur im Fussball.

"Wir versuchen, die jungen Leute einzubinden und sie zu bewegen, sich zu engagieren", so Lee. "Wir schärfen das Bewusstsein für HIV und eine gesunde Lebensführung, verbessern durch Schulungen die berufliche Vermittelbarkeit und vermitteln ihnen Kenntnisse für ihre persönliche Weiterentwicklung. Der Fussball ist dafür ein geeignetes Medium. Wir halten sie von Schwierigkeiten fern und bieten ihnen ein Umfeld, in dem sie sich entwickeln können."

Lee begann auch seine Trainerlaufbahn genau hier, allerdings zu einer Zeit, da das Zentrum noch nicht den Namen Damilola Taylor Centre trug. 2002 wurde das Zentrum dann im Gedenken an Damilola umbenannt. Der zehnjährige nigerianische Schüler war 2000 von zwei nicht einmal zwanzigjährigen Brüdern in der Nähe des Zentrums erstochen worden. Lee hatte den Jungen selbst trainiert.

"Er war kurz zuvor bei einer Trainingseinheit gewesen", so Lee über Damilola. "Allzu oft kam er nicht, denn er war erst kurz zuvor ins Land gekommen. Es war schrecklich, als wir hörten, was passiert war."

Der tragische Tod Damilolas ist zwar bereits fast zwei Jahrzehnte her, doch er zeigt deutlich, wie wichtig Vorbilder und positive Erfahrungen sind, um die Jugendlichen in diesem Stadtteil auf dem rechten Weg zu halten. LITC wurde vor zehn Jahren nach der weltweiten Finanzkrise gegründet. Die Organisation versucht, den Jugendlichen im Rahmen der Football-for-Hope-Trainingseinheiten und anderer Programme diese positiven Vorbilder zu vermitteln.

"Das Wort Hoffnung spielt eine sehr große Rolle", sagt LITC-Direktor Lionel Foy. "Wir wollen den jungen Leuten, Fussballspielern und anderen Sportlern, die Hoffnung vermitteln, dass sie die Probleme und Schwierigkeiten, in denen sie stecken, überwinden können.
 Viele der jungen Leute hier kommen aus Gegenden, wo ihnen der familiäre Zusammenhalt fehlt. Mannschaftssport kann ihnen dann dabei helfen, die fehlenden Eigenschaften zu entwickeln."

Unterdessen geht ein Teenager mit Klemmbrett zwischen den Trainingsteilnehmern umher. Harold ist einer von Lees Schützlinge beim Training.

"Ich will hier meine ersten Trainerscheine machen", erzählt Harold. "Denn ich habe etwas gefunden, was mir wirklich Spaß macht. Ich will Fortschritte machen und mein ganzes Leben damit verbringen. In Zukunft kann ich bei Bewerbungen angeben, dass ich mich freiwillig engagiert habe. Das macht sich auf meinem Lebenslauf sehr gut. Später will ich ins Ausland gehen und ein wirklich guter Trainer werden."

Spätestens jetzt wird Lees Einfluss auf Harold überdeutlich, ebenso wie der Spaß, mit dem die jugendlichen Teilnehmer im Training bei der Sache sind. Erfolge auf dem Rasen und die wichtigen Lektionen, die sie abseits des Platzes lernen, sind für die Zukunft der Kinder vor Ort die wichtigste Erfolgsformel.

"Ich kann ganz einfach zusammenfassen, wie wichtig der Fussball für das Leben der Leute hier ist", so Lee. "Ich selbst wurde im vergangenen Jahr Vater. Auf dem Formular für die Geburtsurkunde wurde auch nach der "Beschäftigung" gefragt. Ich war sehr stolz, dass ich dort "Fussballtrainer" eintragen konnte. Das verdanke ich größtenteils dem Zentrum und all den Leuten, die mir hier so viele Chancen eröffnet haben."

Nachdem Lee am Ende der Trainingseinheit die Bälle, Leibchen und Hütchen weggepackt hat, macht er sich auf den zehnminütigen Heimweg. Und auch nachdem das Flutlicht erloschen ist, erhellt das Zentrum dank des unermüdlichen Einsatzes von Lee und der Organisation LITC wie ein strahlender Leuchtturm die dunklen Straßen des Viertels und vermittelt den Jugendlichen in der Umgebung neue Hoffnung.

Dieser Artikel gehört zu einer Reihe, in der FIFA.com fortlaufend über Nichtregierungsorganisationen berichtet, die im Rahmen von Football for Hope aktiv sind, der globalen FIFA-Initiative zur Verbesserung der Lebensumstände junger Menschen durch Fussball.