Die Sonne verschwindet hinter dem Zayed-Sports-City-Stadion und taucht die unweit davon liegende Scheich-Zayid-Moschee in goldenes Licht. Der Tag in Abu Dhabi neigt sich langsam dem Ende entgegen und damit auch das Elite-Schiedsrichter-Seminar der FIFA, das während der vergangenen fünf Tage in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate stattfand.

36 der weltbesten Unparteiischen kamen zu einem weiteren Lehrgang auf dem Weg zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ zusammen und nahmen an Theorie- und Praxis-Einheiten unter der Leitung von Pierluigi Collina, dem Vorsitzenden der FIFA-Schiedsrichterkommission, sowie Massimo Busacca, dem Leiter der FIFA-Abteilung für Schiedsrichterwesen, teil.

Die potenziellen WM-Teilnehmer sahen sich während des Trainings mit Matchsituationen konfrontiert, die lokale Spieler simulierten. Sie erhielten noch auf dem Spielfeld direkte Rückmeldung der Instruktoren über ihre Positionierung und Entscheidungsfindung. Die Schiedsrichter analysierten ausserdem Videoaufzeichnungen vergangener Partien und diskutierten über das Lesen des Spiels unter technischen und taktischen Gesichtspunkten. Sie wurden für den Einsatz als und mit Video-Schiedsrichterassistenten (VSA) geschult, wobei Collina einmal mehr betont: "Die finale Entscheidung liegt immer beim Schiedsrichter auf dem Platz, und das wird auch so bleiben."

Aus allen sechs Konföderationen waren Schiedsrichter angereist, um sich in Abu Dhabi auf die WM in Russland vorzubereiten. "Wir kommen aus unterschiedlichen Ländern, haben andere Mentalitäten und ein divergierendes Fussballverständnis", erklärt der deutsche Unparteiische Felix Brych, "aber es fand ein lebhafter Meinungsaustausch statt, und wir haben eine gemeinsame Philosophie entwickelt."

Als 33. Team zur WM
So wie die 32 Nationalmannschaften bei der Weltmeisterschaft jeweils einem Ziel nacheifern, begreifen sich auch die Schiedsrichter als ein Team, das sich aufeinander verlassen können muss und eine Einheit verkörpern möchte. Der französische Unparteiische Clément Turpin sagt: "Wir müssen für die WM bestens vorbereitet sein, denn die Spieler werden es mit Sicherheit sein."

Die Sonne ist nun endgültig im glitzernden Meer untergangen, und die Temperaturen, die während des Tages über 30 Grad Celsius erreichten, machen einer kühleren Brise Platz, als Massimo Busacca seine Schützlinge am Ende des Lehrgangs noch ein letztes Mal auf dem Trainingsplatz versammelt. Er zeigt sich äußerst zufrieden und blickt auf eine intensive und erfolgreiche Woche zurück: "Wir streben nach Konstanz und Einheitlichkeit. Das Seminar hat gezeigt, dass es noch Raum für Verbesserungen gibt, wir aber auf dem richtigen Weg sind."

Mit einem guten Gefühl bleibt nun ein Teil der Schiedsrichter in den Vereinigten Arabischen Emiraten, um Spiele bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2017™ zu leiten, während der andere Teil bestärkt und mit neuen Erkenntnissen in die Heimatländer zurückkehrt.