Am Rande einer Sitzung der FIFA-Entwicklungskommission wurde am Dienstag, 27. März, am Sitz der FIFA in Zürich vom Präsidenten des guineischen Fussballverbandes (FGF), Salifou Camara, und FIFA-Präsident Joseph S. Blatter die Vereinbarung für die Umsetzung eines neuen Goal-Projekts (Projekt II) unterzeichnet. Die Unterschriften haben indes vor allem symbolischen Charakter, da die Entscheidung über die Vergabe von Goal-Projekten durch die FIFA-Entwicklungskommission erfolgt.

Das Projekt ist ein weiteres Beispiel für die umfassende Unterstützung, die die FIFA bei der Entwicklung des Fussballs leistet, wobei diese insbesondere den Mitgliedsverbänden zugute kommt, die nur über geringe finanzielle Mittel verfügen. So musste der FGF bislang extra Arbeitsräume für seine Mitarbeiter anmieten. Und weil diese viel zu klein und beengt sind, entsprechen sie weder den Anforderungen noch den Wünschen des Verbandes, den Fussball im Land weiter voranzubringen und zu professionalisieren. Daraus entsprang die Idee, aus Mitteln des Goal-Programms der FIFA den Bau eines Verbandssitzes zu finanzieren.

Die Planung sieht vor, das Verbandsgebäude im Geschäftsviertel Kaloum im Zentrum der Hauptstadt Conakry auf einem vom guineischen Staat zur Verfügung gestellten Grundstück zu errichten. Mit den Bauarbeiten soll baldmöglichst begonnen werden, so der Wunsch von Verbandspräsident Salifou Camara. "Ich bin sehr froh über diese Vereinbarung, und ich bedanke mich dafür bei der FIFA und ihrem Präsidenten. Ich werde meine ganze Kraft dafür einsetzen, dass die Bauarbeiten so schnell wie möglich durchgeführt werden. In Guinea ist bereits alles vorbereitet, der Architekt und der Bauunternehmer warten derzeit nur noch darauf, dass sie grünes Licht erhalten."

Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf USD 540.000. Davon kommen USD 500.000 aus Mitteln des Goal-Programms, die restlichen USD 40.000 werden durch das Finanzielle Unterstützungs-Programm (FAP) der FIFA bereitgestellt. "Das ist ein großartiges Projekt, zumal die vielen freiwilligen Helfer, die sich in unserem Verband unermüdlich für die Entwicklung des Fussballs einsetzen, Anspruch auf ein professionelles Umfeld von entsprechender Qualität haben", freute sich Salifou Camara, nachdem er im Ergebnis der Verbandswahlen am 18. August des vergangenen Jahres an die Spitze des guineischen Fussballverbandes zurückgekehrt war.

Bis heute hat die FIFA seit der Einführung des Goal-Programms im Jahr 1999 bereits 580 Projekte in Höhe von insgesamt USD 274 Millionen bewilligt. Für den FGF-Präsident ein Grund mehr, auf diejenigen Goal-Projekte einzugehen, die bisher an sein Land vergeben wurden.

"Guinea war in der Tat eines der allerersten Länder, die von einem Goal-Projekt profitieren konnten [ein Projekt, das im Jahr 2000 bewilligt wurde, Red.]. Ich war damals Verbandspräsident und wir brauchten dringend ein Verbandsgebäude. Wir hatten sogar schon den Grundstein gelegt. Das war an der gleichen Stelle, an der jetzt endlich der geplante Neubau erfolgt! Seinerzeit musste ich unmittelbar nach der Grundsteinlegung das Präsidentenamt abgeben. In der Folge wurden die Mittel aus dem Goal-Projekt I für die Errichtung eine Technischen Zentrums verwendet, für das im Jahr 2002 eine Bürgschaft geleistet wurde."

Im Übrigen wird das Technische Zentrum schon bald von weiteren finanziellen Hilfsmaßnahmen der FIFA profitieren. Denn im Dezember 2011 bewilligte das FIFA-Exekutivkomitee eine Reihe neuer Entwicklungsprogramme mit einem Budget von USD 60 Mio., deren Ziel es ist, künftig noch besser auf die Bedürfnisse der FIFA-Mitgliedsverbände, insbesondere der Verbände mit den wenigsten finanziellen Mitteln, eingehen zu können. Dabei handelt es sich um folgende Programme: Strukturelle und institutionelle Stärkung der Mitgliedsverbände; Ertragsgenerierung und- Diversifizierung in den Mitgliedsverbänden; Registrierungssystem und nationales Wettbewerbsmanagement; Entwicklungs-, Infrastruktur- und Sportausrüstungsprojekte.

Vor allem die letztgenannten Programme beschränken sich auf eine bestimmte Anzahl von ausgewählten Ländern, zu denen auch Guinea gehört. Über die Projektvergabe wurde anhand verschiedener Kriterien entschieden, bei denen fussballerische Aspekte ebenso Berücksichtigung fanden wie wirtschaftliche und soziale Verhältnisse. Demnach umfassen diese neben der Platzierung in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste auch das Bruttosozialprodukt pro Einwohner und die konkrete Ausrichtung der nationalen Sportpolitik.

Guinea, mit seinen rund zehn Millionen Einwohnern, lag mit seinem Bruttoinlandsprodukt laut einer vom IWF geführten Wertungstabelle im Jahr 2011 unter 183 Staaten auf dem 143. Platz. Damit zählt Guinea zu den im Rahmen des genannten FIFA-Programms besonders geförderten Ländern. Dessen wichtigste Aufgabe sieht die FIFA darin, es den Zielländern über eine umfassende Unterstützung zu ermöglichen, "den Fussball in ihren Ländern mit Leben zu erfüllen."

Dazu gehören zum Beispiel die Entwicklung der Nachwuchswettbewerbe, die Verbesserung der Infrastruktur sowie die Bereitstellung und der Ausbau der für den einheimischen Fussball erforderlichen Logistik. Eines dieser für Guinea geplanten Projekte wurde bei der Sitzung am 27.März bereits durch die FIFA-Entwicklungskommission bewilligt [vorbehaltlich der Zustimmung durch das FIFA-Exekutivkomitee, das am kommenden Wochenende tagt, d. Red.].

"Unser Technisches Zentrum wird mit einem modernen Kunstrasen der neuesten Generation ausgestattet, denn bislang haben wir dort noch kein Spielfeld. Eine solche Spielstätte ist für die weitere Entwicklung unseres Fussballs aber unbedingt notwendig", so Verbandspräsident Camara weiter.

Natürlich reicht die Erweiterung der vorhandenen Infrastruktur allein noch nicht aus, um die Entwicklung des Fussballs im Land entscheidend zu beschleunigen. Deshalb weilte Anfang März eine Delegation der FIFA in Conakry, um einen konkreten Aktionsplan für das Jahr 2012 abzustimmen. Dabei wurde unter anderem der Termin (Juli 2012) für ein Seminar zum Thema 'Verwaltung der Klubs' festgelegt. "Dieser Lehrgang wird der Anfang einer Reihe von Maßnahmen zur Stärkung des nationalen Ligabetriebs und der gesamten Verbandsarbeit sein", versicherte uns Salifou Camara mit einem breiten Lächeln im Gesicht.