• Younes gewann nur einen Monat nach seinem Länderspieldebüt den ersten Titel mit Deutschland
  • Der deutsche Fussball kann aus einem enormen Reservoir an Talenten schöpfen
  • Younes rühmt seine Mitspieler und die Erfahrung von Joachim Löw

Dieser Sommer war für Amin Younes anders als die anderen. Der 23-Jährige reiste nicht unmittelbar nach dem Ende der Saison nach Libanon, dem Geburtsland seines Vaters, wie er das sonst immer macht.

Wenige Tage, nachdem er mit Ajax Amsterdam das Finale der UEFA Europa League gegen Manchester United bestritten hatte, wurde er in die beste Elf dieses Wettbewerbs gewählt. In der Folge berief ihn Joachim Löw erstmals in die A-Nationalmannschaft. Seine internationale Feuertaufe erlebte Younes gegen Dänemark, wenige Tage vor dem Beginn des FIFA Konföderationen-Pokals Russland 2017. Anschließend erzielte er in der Qualifikationspartie zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ gegen San Marino sein erstes Länderspieltor.  

In Russland trug Younes dazu bei, dass Deutschland mit einem jungen Team erstmals den Konföderationen-Pokal gewann. Er wurde zwei Mal eingewechselt und erzielte im Halbfinale gegen Mexiko den vierten Treffer seines Teams. Der pfeilschnelle Flügelspieler hat also einen "unglaublichen" Sommer hinter sich, wie er im Gespräch mit FIFA.com einräumte. Wir trafen den Spieler zu einem Exklusiv-Interview in Libanon, wo er wie ein Held empfangen wurde.

FIFA.com: Amin Younes, Sie haben Anfang des Monats den FIFA Konföderationen-Pokal gewonnen. Können Sie uns beschreiben, was das für ein Gefühl war?
Amin Younes: Es war unglaublich. Wenn mir vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass ich diesen Pokal gewinnen würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Es war auch für meine Familie ein besonderes Ereignis, denn es war das erste Mal, dass ich mit der Nationalmannschaft ein großes Turnier gewinne. Dieser Erfolg ist etwas Besonderes. 

Es war ein außergewöhnliches Jahr für Sie...
Ja, es ist toll, mit Ajax Amsterdam das Finale der Europa League zu erreichen und mit Deutschland den Konföderationen-Pokal zu gewinnen. Davon träumt jeder Spieler. Für mich ist das Wichtigste, mich weiterzuentwickeln. Im letzten Jahr habe ich mich als Spieler verbessert, aber dieses Jahr wurde zusätzlich durch den Erfolg im Konföderationen-Pokal gekrönt. 

Wenige Beobachter hätten gedacht, dass Deutschland mit einem so jungen Team den Titel holen könnte.
Das stimmt. Vor dem Wettbewerb dachte ich auch, dass es schwer werden würde mit einem so jungen Team. Denn Chile, Mexiko und die anderen Teilnehmer sind mit ihren Stammspielern gekommen. Doch man muss auch sagen, dass wir mit den besten jungen Spielern anwesend waren. Im weiteren Verlauf des Turniers hatte ich ein gutes Gefühl. Es ist uns gelungen, eine eingeschworene Einheit zu bilden und alle spürten, dass wir den Titel holen konnten. 

Wie hat die Erfahrung von Joachim Löw Ihnen dabei geholfen, sich weiterzuentwickeln?
Er hat eine große Rolle gespielt. Er hat uns das Gefühl gegeben, dass jeder Spieler wichtig für das Team ist, egal, ob er in der Startelf steht oder nicht. Und er hat uns dazu gebracht, unser Bestes zu geben. Er betonte immer, dass viele von uns trotz des jungen Alters schon große Spiele bestritten hatten, wie beispielsweise das Finale der Europa League oder die Champions League. Man darf nicht vergessen, dass Draxler und Kimmich über große Erfahrung verfügen. Er mahnte uns jeden Tag, die anderen Mannschaften zu respektieren, ohne sie zu fürchten. 

Sie haben nur wenige Minuten bestritten, aber mit dem Tor gegen Mexiko Geschichte geschrieben...
Während des Konföderationen-Pokals hatte ich keine Zeit, das zu feiern, doch am Ende ist mir bewusst geworden, dass ich viel erreicht und den Menschen Freude bereitet habe. Während des Turniers versucht man, sich auf seine Ziele zu konzentrieren und alles zu geben. Inzwischen ist mir bewusst geworden, welche Auswirkungen meine Leistungen haben, vor allem in Libanon. 

Was können wir nun - nach Ihrem ersten Länderspiel, dem ersten Tor und dem ersten internationalen Titel - als Nächstes von Ihnen erwarten?
Mein größtes Ziel besteht darin, bei der WM 2018 dabei zu sein. Es bleibt noch ein Jahr bis zu diesem Wettbewerb und alle Spieler, die beim Konföderationen-Pokal dabei waren, wären gerne mit von der Partie. Wir müssen in diesem Jahr gute Leistungen zeigen, um nominiert zu werden. Ich hoffe, dass ich mit Ajax eine starke Saison spielen kann, um wieder in die Nationalmannschaft zu kommen. Dafür werde ich mein Bestes geben. 

Inwiefern war es wichtig für Sie, den Konföderationen-Pokal zu gewinnen?
Die Stimmung bei diesem Wettbewerb war fantastisch, und es haben die besten Teams aus jedem Kontinent teilgenommen. Es war genial, gegen Chile, Kamerun oder Mexiko zu spielen. Dieser Sieg zeigt, dass der deutsche Fussball vor einer vielversprechenden Zukunft steht und aus einem enormen Reservoir an Talenten schöpfen kann.