• "Der Applaus der Menschen sagt viel aus", sagte er nach dem 0:1
  • "Müssen auf uns selbst schauen", aber auch Lob für Deutschland
  • Goldener Handschuh "eine große Freude"

Nach einem Sieg ist es leicht, sich der Öffentlichkeit zu stellen. In der Niederlage kann das nicht jeder. Chile verfügt über einen dieser Anführer, die zu einer vernünftigen Einschätzung in der Lage sind, während noch der Jubel des Gegners zu hören ist. Claudio Bravo ist nicht umsonst der Kapitän des Teams.

Fast zwei Stunden waren nach dem 0:1 gegen Deutschland im Finale des FIFA Konföderationen-Pokals Russland 2017 schon vergangen, und die Nummer eins der Chilenen - den goldenen Handschuh von adidas in den Händen - war sich mit FIFA einig: "Selbst in der Niederlage noch Gewinner" ist eine passende Überschrift.

"Damit bin ich einverstanden, aber es bleibt der bittere Nachgeschmack, dass uns noch etwas gefehlt hat", sagte der Torhüter, der wesentlichen Anteil daran hatte, dass Chile bis zum Schluss im Spiel geblieben war. "Wir haben eine gute Partie gezeigt und zahllose Chancen gehabt, aber es hat uns die Souveränität gefehlt, um ein Tor zu erzielen."

Der Triumph Deutschlands sei auf keinen Fall unverdient, ganz im Gegenteil. "Glückwunsch an Deutschland. Ein sehr solides Team in allen Mannschaftsteilen, mit einer klaren Taktik, wenn es darauf ankommt. Dennoch haben wir das Gefühl, dass wir auf dem Siegerfoto hätten erscheinen können."

Ansprache des Kapitäns
Was war das erste, was er seinen Teamkameraden in seiner Rolle als Kapitän in der Kabine sagte? "Dass wir stolz auf uns sein können und uns keine Sorgen machen müssen. Ich denke, dass der Applaus der Menschen viel aussagt. Wir waren ein Team, das guten Fussball zeigen und von der ersten Minute an die Initiative ergreifen wollte."

Es gab keine Vorwürfe. "Die entscheidende Aktion der Partie entstand nach einem Missgeschick, aber wir sind zufrieden. Wir haben ein sehr seriöses Turnier gemacht und bewiesen, dass unsere Nationalmannschaft hochklassigen Fussball spielt. Man muss aus dieser Niederlage lernen. Wenn du gut spielst, wirst du im Allgemeinen gewinnen."

Tatsächlich können nach Bravos Ansicht "viele" Lehren aus der Partie gezogen werden. In erster Linie muss der Blick nach innen gerichtet werden. "Wir dürfen nie nachlassen, nie an die anderen Teams denken, sondern nur an uns selbst. Wir müssen versuchen, uns weiter zu verbessern und die Spiele weiterhin mit der gleichen Demut und Ernsthaftigkeit angehen, die wir von Beginn an gezeigt haben."

Einige Lehren bietet indes auch der Blick auf den Gegner: "Wir müssen von diesen mächtigen Mannschaften lernen, die immer im Finale stehen und große Dinge erreichen. Ich glaube, das ist die einzige Möglichkeit, um weiter auf diesem Niveau mithalten und solche Spiele wie heute bestreiten zu können und dem Namen unseres Nationalteams Ehre zu machen."

"Eine wichtige Auszeichnung"
Auf individueller Ebene wurde Bravo wie bei der Copa América Chile 2015 und bei der Copa Centenario 2016 als bester Torhüter des Turniers ausgezeichnet. Dabei konnte er die ersten beiden Begegnungen gegen Kamerun und Deutschland gar nicht bestreiten.

"Es ist eine wichtige Auszeichnung. Für mich war es schwer, weil ich ohne Wettkampfpraxis ankam. Ich war viele Tage nicht aktiv gewesen wegen der Verletzung. Deshalb ist es eine große Freude. Doch es bleibt das Bedauern, das Wichtigste nicht erreicht zu haben, und das war der Titelgewinn."