• Werners Torpremiere in der Nationalmannschaft
  • In den richtigen Minuten zugeschlagen
  • Deutschlands Stürmer der Zukunft? 

Von Steffen Potter (Team-Reporter Deutschland) in Sotschi 

Eine Weile sah es so aus, als sollte das Spiel gegen Kamerun für Timo Werner so laufen wie sein Turnierauftakt gegen Australien, als er viel lief und versuchte, der Torerfolg ihm aber nicht vergönnt war.

So ging es auch heute los: oft wurde der pfeilschnelle Leipziger steil geschickt, doch die kamerunische Defensive war ihm vom Tempo her gewachsen und wenn er einmal zum Abschluss kam, stand er im Abseits oder vergab. "Er hat unheimlich viele Wege gemacht, doch am Anfang sind unsere Angriffe auch ein wenig verpufft, wir kamen nicht zu vielen klaren Chancen", bestätigte Joachim Löw nach der Partie.

Das änderte sich, insbesondere nach der Roten Karte für Ernest Mabouka, als es mehr und mehr Räume gab – der 1,80 Meter große Werner brauchte keine zwei Minuten, um das mit dem Kopfballtreffer zum 2:0 auszunutzen.

"In der zweiten Halbzeit hatten wir mehr Chancen und er kam zu Situationen im Sechzehner, da hat er seine Gefährlichkeit und seinen Torinstinkt bewiesen, beide Tore macht er sehr überlegt", fuhr der Bundestrainer fort. "Das freut mich sehr für ihn, denn er hat wahnsinnig viel gearbeitet und sich diese beiden Tore verdient."

Es war vor allem das Timing der Werner-Tore, das beeindruckte: Den ersten Treffer setzte er kurz nach der numerischen Überzahl, den zweiten nur drei Minuten, nachdem Deutschland durch den Anschlusstreffer von Vincent Abouakar zu wackeln drohte.

"Ich habe ein wenig Anlauf gebraucht, die zwei Chancen davor habe ich nicht so verwertet, wie ich mir das vorgestellt habe", erklärte Werner nach der Partie. "Meine Mitspieler haben mich bei beiden Treffern super in Szene gesetzt. Wir lernen hier Abläufe kennen, wie sie bei großen Turnieren üblich sind." Mit 21 Treffern war Werner in der abgelaufenen Saison der beste deutsche Torschütze in der Bundesliga und hat in seiner ersten Spielzeit bei Leipzig eine beeindruckende Entwicklung vom Konter-Stürmer in Stuttgart zu einem viel kompletteren Spieler hingelegt. "Der Schritt nach Leipzig war absolut richtig. Der Verein und die Mannschaft passen zu mir, ich passe zu ihr", sagt der jüngste Doppeltorschütze der Bundesliga-Geschichte. "Das Physische wird durch das Taktische besser, weil man in unserem System ständig den Gegner anlaufen muss. Zudem bin ich vielleicht auch ein wenig cleverer geworden." 

Der heutige Doppelpack von Werner ist ein Zeichen der gestiegenen Cleverness und zeitgleich auch  der Hinweis darauf, dass der 21-Jährige auf Jahre hinaus die Antwort auf die deutsche Sturmfrage sein könnte: nach dem Karriere-Ende von Miroslav Klose ist die Mannschaft auf der Suche nach dem neuen Torschützen vom Dienst. Der 31-jährige Mario Gomez ist altersbedingt lediglich eine Übergangslösung. Dieser Abend in Sotschi könnte der Blick in die Zukunft gewesen sein.