• Kamerun verfügt über zwei hervorragende junge Torhüter
  • Ondoa ist die Nummer eins, kam im Verein jedoch nicht zum Zug
  • Onana brilliert bei Ajax, ist in der Nationalelf aber nur Ersatz

Von Pascal de Miramon (Team-Reporter Kamerun) aus Moskau

Wie zu den goldenen Zeiten mit Joseph-Antoine Bell und Thomas Nkono hat Kamerun auf der Position des Torwarts auch heute ein Luxusproblem. Fabrice Ondoa gehörte zu den Helden des Meisterteams beim Afrika-Cup 2017, wartet aber auf Vereinsebene immer noch auf seinen Durchbruch. André Onana hingegen hat eine glänzende Saison bei Ajax hinter sich, muss sich in der Nationalelf aber mit der Rolle als Ersatztorwart begnügen. 

Ähnliche Schicksale
Der Werdegang der beiden Schlussmänner weist verblüffende Parallelen auf. Angefangen bei der Tatsache, dass sie Cousins sind, die in nur drei Monaten Abstand voneinander geboren wurden. Beide besuchten die Akademie von Samuel Eto'o, bevor sie in das Ausbildungszentrum des FC Barcelona wechselten. Sowohl in La Masia wie auch in der Nationalelf hat Ondoa dem Jüngeren stets den Weg versperrt. 

Getrennte Wege
2015 verließ Onana die Kaderschmiede von Barça und wechselte zu Ajax.  Schon in der folgenden Saison 2016/17 setzte er sich als Stammtorhüter durch. Er absolvierte eine exzellente Spielzeit, in der er in der Meisterschaft 15 Mal ohne Gegentreffer blieb und in der UEFA Europa League das Finale erreichte. Um seinen Platz im Verein zu behalten, verzichtete er sogar auf die Teilnahme am Afrika-Cup 2017.

Der an den FC Sevilla ausgeliehene Ondoa hat nicht den gleichen beruflichen Erfolg gehabt. Er verbrachte die Saison als Ersatztorwart der Reservemannschaft. Das Blatt könnte sich für den Afrikameister aber bald wenden, denn der andalusische Klub verpflichtete ihn dennoch bis 2020. 

Broos hat sich entschieden
Die mangelnde Spielzeit hat die internationale Karriere Ondoas, der sich mit Leib und Seele der Nationalmannschaft verschrieben hat, nicht bremsen können. "Es gibt keinen Grund dafür, die Hierarchie zwischen Ondoa und Onana zu ändern", erklärte der Nationaltrainer Hugo Broos Ende Mai. "Warum wollen Sie, dass ich etwas ändere, wenn Sie die Afrikameisterschaft von Ondoa gesehen haben? Ondoa bleibt die Nummer eins, Onana wird die Nummer zwei sein", entschied der belgische Coach. Dennoch gab er Onana in der Freundschaftspartie am 6. Juni gegen Kolumbien (0:4) seine Chance. 

Nkono applaudiert 
Torwart-Legende Thomas Nkono freute sich im Gespräch mit FIFA.com über diesen Überfluss. "Für Kamerun ist es ein Glück, zwei großartige Torhüter zu haben", betonte das Vorbild von Gianluigi Buffon. "Manchmal ist es schwer, diese Situation zu handhaben. Es kann zu Spannungen kommen, wenn der, der auf der Bank sitzt, der Meinung ist, dass er genauso gut ist wie der andere. Aber für die Nationalmannschaft bleibt es eine gute Sache, denn jeder bleibt konzentriert und versucht immer sein Bestes zu geben. Derjenige, der spielt, gibt alles, um seinen Platz nicht zu verlieren."

Eto'o beschwichtigt 
Samuel Eto'o, der die Karriere der jungen Schlussmänner genau verfolgt, verriet neulich im kamerunischen Fernsehen den Inhalt einer Unterredung, die er mit ihnen geführt hatte. "Ich habe zu Fabrice und André gesagt: Ihr seid zwei großartige Torhüter, ihr habt zwei unterschiedliche Spielweisen, ihr müsst voneinander lernen. Ihr habt das Glück, Brüder zu sein, und es dürfte ein Vorteil sein, dass die Leute nicht versuchen, euch zu entzweien."