• Man of the Match des Auftaktspiels im Interview
  • Eine unerwartete Entwicklung in den letzten Jahren
  • Ein Spaß für die Fans

Von Igor Borunov (Team-Reporter Russland) aus Moskau

Hohe Erwartungen können ziemlich schwer auf den Schultern eines Stürmers lasten, doch Fyodor Smolov unterstrich im Eröffnungsspiel des FIFA Konföderationen-Pokals Russland 2017 gegen Neuseeland mit einem Tor und seiner Wahl zum Man of the Match, dass er sich nicht so leicht nervös machen lässt.

Er war der gefährlichste Akteur auf Seiten Russlands und sorgte für die Jubelstimmung, die das Land nach dem Auftaktsieg erfasste.

"Natürlich ist das hier jetzt eine ganz andere Sache", so der russische Stürmer in einem Interview mit FIFA.com. "Der FIFA Konföderationen-Pokal findet in unserer Heimat statt. Da sind ganz andere Emotionen im Spiel als gewöhnlich. Jeder will seine beste Leistung zeigen." Am 21. Juni geht es für die Russen in der Partie gegen Portugal darum, die Tabellenführung in Gruppe A zu verteidigen.

"Über den Europameister ist so ziemlich alles gesagt worden. Wir müssen nichts hinzufügen", so Smolov. "Im vergangenen Sommer haben sie den Titel bei der Europameisterschaft geholt. Wir bereiten uns so gründlich wie möglich auf das Spiel vor. Die Portugiesen haben einen der besten Spieler der Welt in ihrem Kader, aber ich denke, wir müssen uns mehr als alles andere auf unsere eigene Leistung konzentrieren."

Vor Beginn des Turniers der Champions hatte Smolov gefordert, dass Russland "kühn" spielen müsse. Zu dieser Forderung steht er weiterhin. "Kühn spielen heißt ja nicht, einfach nur alles nach vorn zu werfen und die Defensive zu vergessen", erläutert er. "Man kann auch hinten kühn sein. Es bedeutet, intelligent zu spielen und mit gefährlichen Kontern vorzustoßen. Das lässt sich mit jeder Spielweise vereinbaren. Wir werden so spielen, wie der Trainer es uns sagt. Stanislav Cherchesov sorgt dafür, dass wir perfekt vorbereitet sind. Er wird uns die Taktik vorgeben und wir werden versuchen, sie umzusetzen."

Dass Smolov heute zu Russlands Topstars gehört, hätte vor drei, vier Jahren kaum jemand erwartet, denn damals sprach man nur von seinen Problemen vor dem gegnerischen Tor. Er hatte seinen Traum, es nach ganz oben zu schaffen, schon fast aufgegeben und schloss sich dem bescheidenen Klub FC Ural an, um noch einmal von vorn zu beginnen. Er dachte sogar darüber nach, dem Fussball den Rücken zu kehren. Doch dann nahm seine Karriere eine plötzliche Wendung. Smolov wechselte zu Krasnodar und wurde zwei Mal in Folge Torschützenkönig der russischen Liga.

"Ich denke nicht mehr daran, wie schwer damals alles war", so der 27-Jährige. "Es ist wichtig, dass das nun hinter mir liegt. Ich freue mich, dass ich diese Zeit überwinden konnte. Ich habe mich sehr verändert. Jeder macht in seinem Leben mal schwere Zeiten durch. Das formt den Charakter und macht dich stärker. Man wächst daran, man ändert seine Ansichten, sein Verhalten, seine Lebenseinstellung und auch seine Selbsteinschätzung."

Als Nationalheld will Smolov nach dem gelungenen Start in den FIFA Konföderationen-Pokal allerdings auf keinen Fall gesehen werden. Er forderte auch die russischen Fans auf, realistisch zu bleiben. "Ich halte mich überhaupt nicht für einen Helden sondern sage, dass wir noch überhaupt nichts erreicht haben. Das war nur das erste Spiel. Wir haben Neuseeland besiegt. Jetzt müssen wir uns auf das schwere Spiel gegen Portugal vorbereiten." Die Torheiten der Jugend hat Smolov schon länger hinter sich gelassen, doch seinen Sinn für Humor hat er keineswegs verloren. Das zeigte er auch am offiziellen Medientag vor Beginn des Turniers.

"Das war meine Idee", so Fyodor. "Ich hatte einfach Lust dazu. Ich habe mir die Jungs angeschaut, die für ihr Foto alle mehr oder weniger gleich posierten. Daher habe ich mich entschlossen, etwas anderes zu machen. Ich will nicht wie alle anderen sein."