• Kimmich kommt nach unbefriedigender Saison nach Russland
  • Kandidat Nummer eins auf Lahm-Nachfolge
  • "Muss nichts beweisen"

Von Steffen Potter (Team-Reporter Deutschland) aus Sotschi 

Auf dem Papier liest sich Joshua Kimmichs Bilanz für die letzten zwölf Monate eigentlich gut. Bei der UEFA EURO 2016 im vergangenen Sommer etablierte er sich in der Nationalmannschaft als Stammkraft auf der Position des Rechtsverteidigers, beim FC Bayern München bestritt er 27 von 34 Ligaspielen und kam zudem noch in acht Partien der UEFA Champions League zum Einsatz.

"Es stimmt, dass ich nicht zufrieden war mit der abgelaufenen Saison", bekräftigt der 22-Jährige nun auf dem Podium der Nationalmannschaft in Sotschi das, was in Deutschland fast jeder vermutet hat. Die Erklärung: "Ich hatte zwar viele Einsätze, aber nicht oft genug von Anfang an."

Noch dazu war der ursprünglich als Mittelfeldmann ausgebildete Baden-Württemberger aufgrund seiner Vielseitigkeit eher ein Lückenbüßer – mal agierte er im Mittelfeld, mal wie unter Pep Guardiola als Innenverteidiger oder auch mal als Rechtsverteidiger. Diese Position blieb zumeist Philipp Lahm vorhanden, der nun seine Karriere aber beendet hat.

Aus München hieß es zuletzt, dass er auch im Verein öfter auf jener Position eingesetzt werden soll, auf der er 2016 in Frankreich schon für die DFB-Elf glänzen konnte. Kimmich als Lahm-Nachfolger? Er zögert kurz, antwortet dann aber bedächtig.

"Diese Frage kam schon sehr oft. Jeder Spieler möchte natürlich seinen eigenen Weg gehen. Philipp Lahm ist eine absolute Legende und hat eine Riesenkarriere beim DFB und den Bayern hingelegt. Natürlich kann man sich an solchen Spielern orientieren, möchte aber dennoch seinen eigenen Weg gehen."


Man sieht dem Mann, der seine ersten Schritte im Profifussball in Liga drei und zwei bei RB Leipzig machte, an, dass er sich wohl fühlt bei der Nationalmannschaft. "Wir sind alle gerne hier", erklärte er. "Länderspiele für Deutschland zu machen ist natürlich eine Ehre und eine tolle Plattform für uns alle."

Selbstvertrauen in seine eigenen Fähigkeiten ist auf jeden Fall schon einmal vorhanden. "Ich denke nicht, dass es hier für mich darum geht, mich zu zeigen", sagte er. "[Vereinstrainer] Carlo Ancelotti weiß was ich kann und dass ich auf mehreren Positionen einsetzbar bin."

Lieber aber wäre es Kimmich, er würde sich auf einer Position fest etablieren. Sowohl in der Nationalmannschaft als auch im Verein ("Ich will mich bei den Bayern durchsetzen"). Die Zeichen dafür stehen gut.