• Herrera musste Superstar und Kapitän Claudio Bravo ersetzen
  • Erstmals seit zwei Partien blieb Chile ohne Gegentor
  • Der Keeper betonte die Bedeutung eines Auftaktsiegs

Von Diego Zandrino (Team-Reporter Chile) aus Moskau

Für einen Torhüter ist es immer entscheidend, die erste Aktion des Gegners in Richtung seines Tores sauber zu lösen. Vor allem, wenn er nicht regelmäßig zwischen den Pfosten steht und ein wichtiges Spiel bestreitet. Es hilft, die Nerven zu beruhigen und den Puls zu stabilisieren.

Genau dies gelang dem Chilenen Johnny Herrera in der Auftaktpartie seines Teams gegen Kamerun beim FIFA Konföderationen-Pokal 2017. 

Der Keeper mit der Nummer 23, der in La Roja meist der Ersatzmann von Claudio Bravo ist, parierte reaktionsschnell mit den Beinen einen Torschuss von Vincent Aboubakar in der elften Minute. Es war ein vereinzelter Konter der Afrikaner in einer Phase, in der Chile schon die Führung verdient gehabt hätte.

Herrera selbst spielte die Bedeutung dieser ersten Aktion herunter. "Es war schwer, weil er seine Richtung änderte, aber ich habe ja schon von früher die Sicherheit", sagte der Schlussmann nach dem 2:0 in Moskau.

"Nach einer so langen Karriere im Tor und im Fussball wäre es nicht gut, wenn ich immer noch nervös werden würde. Ich war absolut ruhig im Verlauf des Spiels und jetzt freue ich mich über das Ergebnis", ergänzte er.

Er zieht es vor, sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren. "Ich habe kein Gegentor zugelassen und wir konnten die ersten drei Punkte holen. In einem so kurzen Turnier ist es wichtig, mit einem Sieg zu starten. Das Eis ist gebrochen, das ist immer am schwersten."

Johnny Herrera: Steckbrief
Verein: Universidad de Chile
Alter: 36 Jahre
Länderspiele: 20
Länderspieldebüt: April 2002

Nach dieser Aktion musste Herrera keine großen Schrecksekunden mehr erleben. Auch als Michael Ngadeu Ngadjui den Ball nach einer Flanke ins Tor beförderte, war die Aktion wegen eines Fouls zuvor schon unterbrochen worden.

"Der Schiedsrichter hatte gepfiffen, so dass ich schon abgestoppt hatte, um nicht mit dem Gegner zusammenzustoßen. Ich wusste, dass es ein Foul war, es gab keine Aufregung."

Es ist schwer zu sagen, ob Bravo, der bei den letzten zwei WM-Endrunden und vier Südamerikameisterschaften die Nummer eins war, für das Duell gegen Deutschland wieder zur Verfügung steht. Aber Herrera macht sich darüber keine großen Gedanken. Was hat der Kapitän vor und nach dem Auftakt zu ihm gesagt?

"Zuerst hat er mir Glück gewünscht, danach wie allen anderen gratuliert. Wir kennen uns seit 1000 Jahren. Wir sind seit der Kindheit Rivalen, er bei Colo Colo, ich bei Universidad de Chile. Wir kämpfen seit Jahren um diesen Posten. Er ist ein Freund."

Über das Duell gegen Deutschland
"Vielleicht wird es wegen der Qualität ihrer Spieler eine Partie, in der es mehr hin und her geht. Theoretisch kommt das unserem Spiel eher entgegen. Es ist immer schwer, gegen ein Team durchzukommen, das verteidigt und auf Konter wartet. Es wird ein unheimlich schwerer Gegner."