• War Chile im Halbfinale gegen Portugal der verdiente Sieger?
  • Hat La Roja ihre Ziele in Angriff und Verteidigung erreicht?
  • Fünf Betrachtungen und die Meinung der Beteiligten

Von Diego Zandrino (Team-Reporter Chile) aus Kazan

Die Feststellung mag etwas zu kurz greifen, ist aber dennoch wahr: Seit 2015 hat Chile zwei Mal im Finale der Copa América gegen die Argentinier um Lionel Messi und einmal im Halbfinale des FIFA Konföderationen-Pokals gegen die Portugiesen von Cristiano Ronaldo jeweils im Elfmeterschießen gewonnen.

Dies ist alles andere als eine Nebensächlichkeit und verdeutlicht, wie eine Generation von Fussballern gelernt hat, in solchen Phasen zu bestehen.

FIFA.com erklärt in fünf Fragen und Antworten die Gründe für den Finaleinzug von La Roja in Russland 2017.

1. Hat sich Chile im Vergleich zur vorherigen Partie verbessert?
Ja. Das Team funktionierte wieder als Einheit und zeigte den gewohnten Ballbesitzfussball, kontrollierte damit die Begegnung und konnte seine Kräfte dosieren. So war die Mannschaft am Ende zwar erschöpft, blieb aber intakt und wollte den Sieg am Ende mehr als der Gegner. Der Trainer musste sein Wechselkontingent nicht ausschöpfen.

Juan Pizzi: "Ich glaube, wir haben verdient gewonnen. Wir hatten mehr und bessere Chancen, vor allem in der Verlängerung. Es war schwer, Wechsel vorzunehmen, denn damit hätten wir die gute Leistung aus dem Gleichgewicht bringen können. Wir stehen verdient im Finale."

2. Hat das Team seine Ziele in der Abwehr erreicht?
Ja. Es konnte eine torgefährliche Offensive und einen formstarken Spieler wie Cristiano Ronaldo in Schach halten! Die Chilenen machten die Passwege zu und zwangen ihn, sich den Ball weit entfernt und in unbequemen Positionen zu holen. Entscheidend auch die defensive Absicherung: Chile war in der Rückwärtsbewegung stets aufmerksam und bot Portugal kaum Möglichkeiten.

Jean Beausejour: "Es ist uns gelungen, an unserer gewohnten Spielweise festzuhalten, die Partie mit viel Ballbesitz zu kontrollieren und anzugreifen, wenn es sich angeboten hat."

3. Hat das Team seine Ziele in der Offensive erreicht?
Nein. Es scheiterte erneut daran, seine besten Chancen in Tore umzumünzen. Die Stärke der Rivalen und gegnerischen Torhüter ist keine Erklärung dafür, dass Chile in den letzten 300 Minuten nur zwei Mal erfolgreich war. Dennoch ermöglichte es die offensive Ausrichtung, dass die Spieler weit vor ihrem eigenen Tor agierten und streckenweise bei eigenem Ballbesitz Kräfte schonen konnten.

Pizzi: "Ich werde mir mehr Sorgen machen, wenn wir uns eines Tages gar keine Chancen mehr erarbeiten. Zum Glück waren wir im Elfmeterschießen treffsicher und sehr überzeugend."

4. Haben die Stars die Erwartungen erfüllt?
Ja. Claudio Bravo brillierte nicht nur im Elfmeterschießen, sondern war auch im Verlauf der Partie eine Schlüsselfigur. Und wie gelingt es Arturo Vidal nur, an so vielen Orten gleichzeitig zu sein? Alexis Sánchez ragte zwar nicht heraus, aber leistete die Vorarbeit zu einer Großchance und verwandelte seinen Elfmeter. Besondere Erwähnung verdient einer der "stillen Helden": Charles Aránguiz machte alles richtig.

Bravo: "Ein Elfmeterschießen ist kein Glücksspiel. Abgesehen von den persönlichen Voraussetzungen stecken viel Arbeit, Informationen und Intelligenz dahinter.  Ich wusste, was meine Aufgabe war. Aber wir haben alle einen perfekten Job gemacht, um den Europameister zu bezwingen, was keine Kleinigkeit ist."

5. Hat Chile das Pinilla-Syndrom hinter sich gelassen und mentale Stärke bewiesen?
Ja. Bei der WM 2014 spielte Chile - ebenfalls an einem 28. Juli - im Achtelfinale gegen Brasilien. Mauricio Pinilla scheiterte in der 119. Minute an der Querlatte und im darauffolgenden Elfmeterschießen unterlag das Team. Nach den zwei Aluminium-Treffern von Vidal und Martin Rodriguez in der 118. Minute werden alle Akteure jene Begebenheit und ihre Auswirkungen auf das Elfmeterschießen in Erinnerung gehabt haben. In Russland aber fand die Geschichte ein anderes Ende, was den starken Charakter dieser Truppe unterstreicht.

Vidal: "Diese Auswahl hat bewiesen, dass sie in schwierigen Momenten ihre besten Seiten zeigt: Einheit, Einsatzwillen und chilenisches Herz."