• Australiens Fussballgeschichte ist eng mit Deutschland verknüpft
  • Drei Duelle bislang bei FIFA-Wettbewerben für A-Nationalmannschaften
  • Am Montag wird ein neues Kapitel dieser Geschichte geschrieben

Von Peter Smith (Team-Reporter Australien) aus Sochi

Oberflächlich betrachtet könnte man denken, dass Australien und Deutschland vor dem Auftaktspiel beider Teams beim FIFA Konföderationen-Pokal Russland 2017 nicht viel verbindet. Doch das Gegenteil ist der Fall, insbesondere aus dem Blickwinkel der Socceroos.

Deutschland ist schon seit Längerem ein beliebtes Ziel für australische Fussballer. Aus dem aktuellen Kader der Socceroos verdienen beispielsweise Mitch Langerak (VfB Stuttgart) und Mathew Leckie (Neuzugang von Hertha BSC Berlin) ihre Brötchen in Deutschland, und auch Namen wie Robbie Kruse und Milos Degenek sind deutschen Fussballfans durchaus vertraut. Der vielversprechende Stürmer Jamie MacLaren will in der neuen Saison beim SV Darmstadt '98 für Furore sorgen.

"Ich glaube, die australische Mentalität ist der deutschen recht ähnlich", meint der vielseitige Verteidiger Degenek, der am Montag in der Partie gegen seine ehemalige Wahlheimat in der Startaufstellung stehen dürfte. "Es ist diese Einstellung, sich nie geschlagen zu geben. Auch australische Spieler zeigen vollen Einsatz. Das hilft uns, in Deutschland gut zurecht zu kommen."

Degenek ist überzeugt, dass Australien dem amtierenden Weltmeister in Sotschi einen heißen Tanz liefern kann. Danach folgen für die Socceroos die Partien gegen Kamerun und Chile. Degenek gibt nichts auf die angebliche Schwäche der deutschen Auswahl.

"Ich finde keineswegs, dass sie mit einem schwach besetzten Team hier sind. Die meisten Spieler haben die ganze Saison in der Bundesliga gespielt, immerhin eine der stärksten Ligen der Welt", argumentiert Degenek, der vor den Medienvertretern problemlos zwischen Englisch und Deutsch wechselt. "Sie könnten drei oder vier Teams aufstellen, die alle ähnlich stark wären."

Eine reiche Historie
Zahlreiche historische Meilensteine der australischen Fussballgeschichte sind eng mit Deutschland verknüpft. 1974 nahmen die Socceroos erstmals an einer FIFA WM-Endrunde teil, die damals in der BR Deutschland stattfand. Im Team der Australier stand damals ein in Deutschland geborener Verteidiger namens Manfred Schaefer.

Kurioserweise endete auch die lange Durststrecke der Australier, die auf diese erstmalige WM-Teilnahme folgte, in Deutschland. Bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ gelang den Socceroos sogar der Sprung aus der Gruppenphase. Zum Kader gehörten damals mehrere in der Bundesliga aktive Spieler und zwischen den Pfosten stand Mark Schwarzer, dessen Eltern aus Deutschland nach Australien ausgewandert waren.

Die Nationalmannschaften beider Länder trafen bislang drei Mal bei großen Turnieren aufeinander. Unvergesslich ist dabei vor allem der Sieben-Tore-Thriller beim FIFA Konföderationen-Pokal 2005, den die DFB-Auswahl mit 4:3 gewann. Auch bei den WM-Endrunden 1974 und 2010 kam es zu direkten Duellen der beiden Teams. Dabei kassierten die Socceroos allerdings mit 0:3 und 0:4 jeweils klare Niederlagen.

Doch die Australier haben auch einen Sieg in Deutschland errungen, nämlich ein 2:1 im Jahre 2011 in einem Freundschaftsspiel in Mönchengladbach. Selbst dabei gab es auf Seiten der Australier einen deutschen Einfluss: Trainer des Teams war damals Holger Osieck, der beim WM-Titelgewinn Deutschlands 1990 in Italien Assistent von Teamchef Franz Beckenbauer gewesen war.

Vor zwei Jahren wiederum schrammten die Deutschen in Kaiserslautern nur knapp an einer weiteren Heimniederlage gegen die Socceroos vorbei. Dabei gelang Lukas Podolski erst in der Schlussphase der Treffer zum 2:2-Endstand. Sollte es beim FIFA Konföderationen-Pokal Russland 2017 am Montag an der Schwarzmeerküste ein ähnliches Resultat geben, könnte sich in Gruppe B ein überaus spannendes Rennen entwickeln.