Das bevorstehende Fussballfest in Russland rückt immer näher. In nur 106 Tagen fällt der Startschuss zum FIFA Konföderationen-Pokal 2017. Carles Puyol, Kapitän der spanischen Auswahl, die bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™ den Titel gewann, reiste im Vorfeld des Turniers der Champions nach Russland, um sich einen Eindruck vom Stand der Vorbereitungen zu verschaffen. 

Es war ein kurzer Besuch, bei dem sich jedoch ein Termin an den anderen reihte. In nur zwei Tagen besuchte Puyol das Stadion in Sankt Petersburg, unterhielt sich mit russischen Fussballfans, traf Volunteer-Anwärter für den Konföderationen-Pokal und die WM und unternahm eine Fahrt mit der Moskauer Metro.

Der ehemalige Star des FC Barcelona berichtet in einem Interview mit FIFA.com über seine Eindrücke von den Vorbereitungen auf den Konföderationen-Pokal und seine Erwartungen an das bevorstehende Turnier.

Wie bewerten Sie die Vorbereitungen Russlands auf den FIFA Konföderationen-Pokal 2017?
Das war ein sehr denkwürdiger Besuch. Ich habe mir das Stadion in Sankt Petersburg angeschaut und hatte den Eindruck, dass es bereit für Fussballspiele auf höchstem Niveau ist. Es ist wirklich beeindruckend. Ich habe mich in Moskau mit Volunteers getroffen und bin mit der weltberühmten Metro gefahren. In beiden Städten habe ich die wachsende Vorfreude gespürt. Ich hatte den Eindruck, dass Russland den Turnierbeginn kaum noch erwarten kann. Man spürt, dass die Russen sowohl den Konföderationen-Pokal als auch die Weltmeisterschaft auf höchstem Niveau ausrichten wollen.

Was hat Sie am meisten beeindruckt?
Es war interessant zu sehen, wie tief unter der Erde die Moskauer Metro fährt. Es war auch erstaunlich, wie sauber es war. Das ist nicht mit anderen U-Bahn-Linien vergleichbar. Von Sankt Petersburg habe ich nicht viel gesehen, aber es hat mir dort wirklich gefallen und ich möchte wiederkommen, um mir die schönen Sehenswürdigkeiten der Stadt anzuschauen.

Sie unterstützen das Volunteer-Programm in Russland seitdem letztes Jahr im Juni der Startschuss gefallen ist. Sie scheinen eine ganz besondere Verbindung zu Volunteers zu haben...
Es war wirklich schön, die Volunteers in Russland zu treffen, sowohl letztes Jahr im Juni als auch dieses Mal. Die Tatsache, dass sich über 176.000 Menschen um eine Volunteer-Tätigkeit beworben haben, zeigt das große Interesse, das es in Russland an diesen Turnieren gibt. Ich habe keinen Zweifel daran, dass sie einen enormen Beitrag zu einem erfolgreichen Turnierverlauf leisten werden. Schließlich spielen Volunteers eine entscheidende Rolle bei der Ausrichtung großer Sportveranstaltungen. Ohne sie wäre es einfach unmöglich diese Turniere zu veranstalten.

Sie waren als Spieler beim Konföderationen-Pokal 2009 dabei. Welche Erinnerungen haben Sie an dieses Turnier?
Einerseits ist das Ganze für Spanien nicht gut ausgegangen. Wir haben im Halbfinale gegen die USA verloren [Anm. d. Red.: 0:2], und wir haben verdient verloren. Die Amerikaner waren in diesem Spiel das stärkere Team. Auf der anderen Seite war das Turnier extrem wichtig im Hinblick auf unseren Sieg bei der WM 2010. Wir wussten bereits, was uns in Südafrika erwarten würde, und das hat uns einen Vorteil für 2010 verschafft. Allerdings ist es wichtig zu betonen, dass der Konföderationen-Pokal nicht nur die Generalprobe für die Weltmeisterschaft ist. Er ist ein bedeutsames eigenständiges Turnier, an dem echte Champions teilnehmen und dessen Gewinn eine prestigeträchtige Meisterleistung ist.

Kommen wir auf die bevorstehende Auflage des Konföderationen-Pokals zurück. Wer sind Ihrer Meinung nach die Favoriten?
Zunächst einmal freue ich mich auf denkwürdige und spektakuläre Spiele unter Beteiligung hervorragender Spieler in Russland. Im Hinblick darauf, wie Deutschland und Chile sich in jüngster Zeit präsentiert haben, würde ich diese beiden Teams als Favoriten ansehen.

Russland nimmt zum ersten Mal am Konföderationen-Pokal teil. Sie sind bei der UEFA EURO 2008, einem Turnier, das sowohl für Russland als auch für Spanien erfolgreich verlief, gegen die Russen angetreten.
Ich habe fantastische Erinnerungen an dieses Turnier, weil es der Beginn der erfolgreichsten Periode in der Geschichte Spaniens war. Die russische Mannschaft ist mir auch in Erinnerung geblieben. Ich finde, dass diese beiden Teams, Russland und Spanien, bei diesem Turnier von Beginn an wundervollen Fussball gespielt haben. Russland hatte damals grandiose Spieler. Daher war es besonders gut, dass wir was Team in der Gruppenphase [4:1] und im Halbfinale [3:0] besiegen konnten. Das waren vielleicht unsere besten Leistungen in diesem Turnier.

Was wissen Sie über die aktuelle russische Nationalmannschaft? Sie befindet sich in einer Übergangsphase.
Der Fussball verläuft immer in Zyklen, und Russland steht gerade am Anfang eines neuen Zyklus, mit neuen, jungen Spielern und einem anderen Trainer. Außerdem befinden sich die Russen als Gastgeber des Konföderationen-Pokals und der Weltmeisterschaft in einer einzigartigen Position. Das ist eine Zusatzmotivation, und sie können außerdem auf größere Unterstützung seitens der Fans zählen. Es ist also eine interessante Zeit für dieses Team. Ich werde die Russen im Auge behalten. Warten wir einmal ab, wie sie sich entwickeln.

Auch bei Spanien hat ein neuer Zyklus begonnen. Welche Chancen haben die Spanier, sich die Trophäe 2018 zurückzuholen?
Mir gefällt die aktuelle spanische Mannschaft. Sie ist hervorragend in die WM-Qualifikation gestartet, aber der Weg ist noch weit. Wir werden sehen, wie es in der Qualifikation läuft. Ich bin zuversichtlich, dass wir bei der WM dabei sein werden, auch wenn wir in einer kniffligen Gruppe gelandet sind. Was danach passiert, bleibt abzuwarten.

Welche Teams werden bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ in der Favoritenrolle sein?
Wenn sie gut in Form sind, dürften das Argentinien, Brasilien, Deutschland, Italien oder Spanien sein, doch im Augenblick ist das schwer zu sagen. Das Turnier beginnt erst in gut einem Jahr, und bis dahin kann sich noch viel ändern. Warten wir ab, wer sich für Russland qualifiziert.