Es ist zwei Jahrzehnte her, dass der kaum 19-jährige Harry Kewell beim FIFA Konföderationen-Pokal 1997 auf sich aufmerksam machte und im Halbfinale ein denkwürdiges Golden Goal erzielte. Nun rückt er immer näher an die 40 heran, doch erinnert sich an das Turnier der Champions noch so, als sei es gestern gewesen. In Sydney unterhielt er sich mit FIFA.com über damals und heute.

Sie waren noch ein Teenager, als sie 1997 beim Konföderationen-Pokal aufliefen. Haben Sie damals verstanden, wie wichtig das Turnier ist?
Nein, um ehrlich zu sein. Ich war noch jung und habe es einfach genossen, Fussball zu spielen. Ich spielte damals in der englischen Premier League und mit Australien hatten wir nicht allzu viele Länderspiele, daher war es mein erstes richtiges Turnier und ich wusste nicht recht, was auf mich zukommt und habe es wie jedes andere Spiel behandelt. Je mehr ich spielte, desto mehr verstand ich, worum es bei diesem Turnier ging.

Im Halbfinale gegen Uruguay erzielten sie das Siegtor per Golden Goal. Wie wichtig ist dieser Moment in ihrer Länderspielkarriere?
Ich erinnere mich an das Spiel, es war schwierig. Spiele gegen Uruguay waren immer körperlich fordernd, so auch dieses Mal. Es gab Grätschen links, rechts und in der Mitte, es war aggressiv, aber wir wussten, wie wir weiterkommen könnten. Wir wussten, wenn wir hinten gut stünden, hätten wir die Chance, vorne etwas zu reißen und in die Verlängerung zu kommen.

Ich erinnere mich lebhaft an das Tor. Ich habe den Ball rechts vorm Strafraum erhalten, bin nach innen gezogen, der Ball lag genau richtig und dann habe ich so fest wie möglich abgezogen. Die Leute sprechen oft davon, den Ball ins Eck zu setzen, aber manchmal überwindet man einen Torwart am einfachsten, wenn man voll auf ihn drauf hält. Ich habe den Ball fest genug getroffen, dass er ein bisschen Schnitt bekam, der Torwart wollte ihn mit den Händen parieren und konnte ihn nicht halten, dann war er drin. Ein großer Moment für mich.

Das Endspiel lieft nicht gut für Australien – ein 0:6 gegen Brasilien. Wie war es, solch ein Finale zu spielen?
Es ist eine fantastische Erfahrung, im Endspiel des Konföderationen-Pokals zu stehen. Man muss kapieren, dass es Australien gegen Brasilien hieß, wir hatten einen Platzverweis zu verkraften und spielten gegen eine Mannschaft, die quasi die Harlem Globetrotters des Fussballs waren. Romario, Ronaldo, Dunga, Roberto Carlos, Cafu, Denilson… sie waren alle dabei! Es war phänomenal, gegen diese Mannschaft gespielt zu haben. Auch wenn wir verloren haben, war es eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde.

Australien reist erstmals als Asienmeister zum Konföderationen-Pokal. Welche Lehren aus der Asienmeisterschaft werden in Russland hilfreich sein?
Sobald man bei einer Endrunde steht, geht es vor allem darum, seine Gelassenheit zu bewahren. Manch einer wird eher nervös, manch einer zu bequem und denkt, dass es ja schon reicht, es bis zur Endrunde gepackt zu haben. Das Gute am Gewinn der Asienmeisterschaft ist, dass Australien jetzt weiß, wie man ein Turnier gewinnt. Das ist wichtig. Der Konföderationen-Pokal ist schwierig, denn es ist ein Turnier der Champions, daher wird es ein riesiger Test, aber auch ein großartiger, denn man kann sich schon mal damit bekannt machen, wie die Dinge in Russland so laufen. Diese Erfahrung kann man mit Geld nicht kaufen.

Was können die Fans dieses Jahr in Russland von den Socceroos erwarten?
Es wird interessant. Bei der letzten WM in Brasilien hatten wir eine sehr schwierige Gruppe, aber wir konnten viele Leute überraschen. Wir haben gute Leistungen abgeliefert und hatten etwas Pech. Wir müssen in Bestform auftreten, denn viele Mannschaften werden sich gut auf Australien vorbereiten. Wir müssen sicherstellen, dass jeder seinen Job kennt und weiß, was von ihm erwartet wird. Wenn sie das hinkriegen, dann ist es wirklich in Gottes Hand. Wir können nur bestimmte Teile des Spiels kontrollieren.

Australien wurde mit Deutschland, Chile und Kamerun in eine schwierige Gruppe gelost. Können sie es wie die Mannschaft von 1997 machen und bis ins Endspiel kommen?
Wir reden hier über den Weltmeister, den Sieger der Copa America und den des Afrikanischen Nationen-Pokals, der in Form ist. Die Asienmeisterschaft ist eine Weile her, der Afrikanische Nationen-Pokal dagegen fand vor kurzem statt, daher wird Kamerun als eng eingeschworene Mannschaft auf einem Hoch in Russland spielen. Deutschland ist immer eine der führenden Nationen, das wird also ein schwieriges Spiel und Chile ist ebenfalls gut drauf. Das Gute ist, dass wir bei der letzten WM gegen Chile gespielt haben, daher wird der Trainer ein bisschen was daraus gelernt haben. Wie Australien weiterkommen kann? Ich denke, dass das schwierig wird, aber sie alle sind Champions, sie müssen mit erhobenem Kopf da sein, Spaß haben und um alles kämpfen.