• "Wir reiben uns die Hände und können die Reise zum Turnier kaum erwarten"
  • "Für mich ist Winston einer der besten Verteidiger der Welt"
  • "Wir kommen als vermeintlich schwächstes Team zu diesem Turnier. Das gefällt uns"


Neuseeland reist mit einem deutlich verjüngten Kader zum FIFA Konföderationen-Pokal Russland 2017. Für den aus England stammenden Trainer Anthony Hudson ist es das erste globale Turnier. Nach dem Titelgewinn beim OFC Nationen-Pokal im vergangenen Jahr ist Neuseeland nun erstmals seit neun Jahren wieder beim Turnier der Champions dabei und trifft auf Portugal, Mexiko und Gastgeber Russland.

Hudson sprach mit FIFA.com über die Ambitionen und Erwartungen seines Teams in Russland, die jüngste Entwicklung seiner Mannschaft, die Hoffnung auf eine Rückkehr nach Russland zur WM im kommenden Jahr und weitere Themen.

FIFA.com: Worin bestehen die größten Stärken Neuseelands und was können die Anhänger bei den Spielen des Teams in Russland erwarten?
Anthony Hudson:
Weil unsere Spieler in vielen Ländern rund um die Welt spielen, stehen wir insbesondere im logistischen Bereich vor einigen Herausforderungen. Und wir bestreiten nicht unbedingt viele Spiele gegen Topmannschaften. Doch genau solche Faktoren, die gegen uns sprechen, sind eigentlich unsere Stärke. Wir kommen jedenfalls nicht zu dem Turnier, um zu verteidigen, um uns zurückzuziehen und Schadensbegrenzung zu betreiben. Das ist genau das Gegenteil von dem, was wir wollen. Wir kommen nach Russland, um unseren Mut zu zeigen. Wir wollen Spiele gewinnen. Wir haben einen enormen Leistungswillen. Auf diese Stärken können sich die Fans einstellen. Wir glauben fest an unseren Kader.

Welche Erwartungen haben Sie in Bezug auf das Turnier, bei dem sie auf einige der besten Teams der Welt treffen?
Wir kommen definitiv nicht nach Russland, bloß um dabei zu sein. Wir wollen einige der besten Teams der Welt schlagen. Wir wollen gute Leistungen zeigen und für Überraschungen sorgen. Eigentlich erwartet niemand etwas Besonderes von uns. Wir kommen als vermeintlich schwächstes Team zu diesem Turnier und das gefällt uns.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Marco Rojas im Finale des OFC Nationen-Pokals zum letzten Elfmeter antrat?
Ich spreche für mich persönlich aber auch für das ganze Team: Wir hatten keinen Zweifel, dass wir das Turnier gewinnen würden. Wir waren optimal vorbereitet, wir hatten ein gesundes Selbstvertrauen und wir waren fest entschlossen – nicht zuletzt wegen des Ausgangs vor vier Jahren, der seitdem wie eine dunkle Wolke über der Mannschaft und allen Spielern gehangen hatte. Wir waren absolut konzentriert und wussten genau, was wir zu tun hatten. Ich habe schon viele Elfmeterschießen erlebt und war dabei auch oft sehr nervös. Aber bei diesem hatten wir eigentlich keinerlei Zweifel.

Wie sehr spiegeln die Attribute des Teams Ihre Philosophie wider?
Man muss sich stets an die Spieler anpassen, die zur Verfügung stehen. In den vergangenen zwei Jahren hatten wir keinen festen Spielerstamm und mussten unsere Spielweise entsprechend anpassen. Zu meinen Grundüberzeugungen gehört, dass wir in Spielen gegen bessere Mannschaften enormen Einsatz zeigen müssen, um deren Spielfluss zu stören. Wir versuchen immer, Spiele zu gewinnen und mutig und selbstbewusst zu spielen.

Was bringt ein Spieler wie (Kapitän) Winston Reid als Profi bei West Ham United in der englischen Premier League auf und abseits des Feldes ins Team ein?
Winston [Reid] ist unser unumstrittener Kapitän. Er ist für uns ein enorm wichtiger Spieler. Für mich ist er einer der besten Verteidiger der Welt. Er hat sehr großen Einfluss auf das Team. Ich könnte hier lang und breit über Winston reden, aber unser Erfolg hängt von der Leistung des gesamten Teams ab. Winston hat das völlig verinnerlicht und ist ein wahrer Teamplayer.

Ich habe das Glück, einen Kader voller ehrlicher Spieler zu haben. Wir alle haben verinnerlicht, dass wir Erfolge nur als Gruppe erreichen können, wenn alle am gleichen Strang ziehen. Niemand ist wichtiger als das Team. Wenn wir größere Teams besiegen und etwas leisten wollen, müssen wir in erster Linie genau das sein: ein starkes Team. Also ist Winston zwar sehr wichtig, aber nicht wichtiger als das Team als Ganzes. Außerdem haben wir auch noch weitere sehr wichtige und starke Spieler, die in den vergangenen Jahren gezeigt haben, wie wertvoll sie für uns sind, beispielsweise Chris Wood, Michael McGlinchey und Michael Boxall. Diese Jungs haben enorm viel Einsatz und konstante Leistungen gezeigt.

Außerdem rücken einige sehr starke junge Spieler nach, die gleich ins kalte Wasser geworfen wurden. Einige davon sind nicht einmal Profis. Sie versuchen erst noch, ihren Weg im Fussball zu finden. Trotzdem spielen sie in der Nationalmannschaft und haben zum Gewinn des OFC Nationen-Pokals und zahlreicher Qualifikationsspiele beigetragen. Sie alle haben sich sehr gut bewährt. Wir haben ein bunt gemischtes Team aber alle ein gemeinsames Anliegen: An erster Stelle steht immer das Team.

Natürlich wollen Sie 2018 zur WM wieder nach Russland kommen. Welche Fortschritte hat ihr Team während der aktuellen WM-Qualifikationsphase gemacht?
Uns ist durchaus klar, dass viele Leute in uns bei diesem Turnier nur den letzten Teilnehmer sehen, die Mannschaft, die von den anderen auseinandergenommen wird. Ehrlich gesagt können wir damit ganz gut leben. Wir reiben uns die Hände und können die Reise zum Turnier kaum erwarten. Die letzten Jahre liefen für uns nicht unbedingt rund. Wir haben nur ein einziges Heimspiel gehabt. Die restlichen 15, 16, 17 Spiele waren alle auswärts.

Von den letzten zehn, elf Auswärtsspielen haben wir nur eines verloren. Wir waren beispielsweise in den USA und in Mexiko und hätten eigentlich noch viel mehr mit nach Hause bringen können, denn wir waren in diesen Spielen echt stark. Gegen die USA haben wir ein Unentschieden geholt und gegen Mexiko nur knapp verloren. Und das alles mit Spielern, von denen einige noch sehr jung und nur Halbprofis sind. Wir glauben fest an unser Team und sind sicher, wenn wir weiterhin so gut arbeiten und an uns glauben, dann können wir etwas Besonderes erreichen. Wir wissen, dass wir das können. Mir gefällt es, wenn wir als das schwächste Team gesehen werden, denn wenn es dann in Russland ernst wird, können wir bestimmt einige Leute sehr überraschen.