Der Brasilianer Gilberto Silva weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, den FIFA Konföderationen-Pokal zu gewinnen. Schließlich ging er aus beiden Turnierauflagen, an denen er 2005 in Deutschland und 2009 in Südafrika teilnahm, als Sieger hervor. Kein Wunder, dass bei ihm anlässlich seines Wiedersehens mit der offiziellen Trophäe dieses Wettbewerbs jede Menge Erinnerungen wach wurden.

Bei Gilberto Silvas erneuter Begegnung mit der Trophäe am 16. März in Sydney war auch Australiens Ex-Nationalspieler Harry Kewell anwesend. Anlass war eine Veranstaltung mit Medienvertretern, die in alle sieben Teilnehmerländer des FIFA Konföderationen-Pokals Russland 2017 übertragen wurde.

Am Rande der Veranstaltung sprach der Mittelfeldspieler, der zudem bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2002™ die globale Krone geholt hatte und als inzwischen 40-Jähriger beim einheimischen Klub Atlético Mineiro noch immer für Furore sorgt, mit FIFA.com über seine Erinnerungen an das Turnier der Champions und dessen bevorstehende Auflage in Russland.

Sie sind bei Ihren beiden Teilnahmen am FIFA Konföderationen-Pokal Turniersieger geworden. Worin liegt der Schlüssel für diesen Erfolg?
In harter Arbeit und Einsatz. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass der FIFA Konföderationen-Pokal ein besonderes Turnier ist, bei dem nur wenig Zeit für die Regeneration bleibt. Man muss also vom ersten Spiel an entsprechend gerüstet sein und von Beginn an den Turniersieg als Ziel im Fokus haben. Dabei trifft man auf großartige Spieler. Wenn man da nicht gut genug ist, kann dies schnell zu einer unangenehmen Überraschung führen.

Wie würden Sie den Moment beschreiben, in dem Sie den Pokal in die Höhe gestemmt haben?
Das ist das Größte. Es ist die Krönung einer intensiven Arbeit. Dieses Gefühl ist einfach wunderbar. Zu beschreiben, was einem dabei alles durch den Kopf geht, ist echt schwierig… Einige vergießen Freudentränen, andere zelebrieren Freudentänze. Jeder Einzelne genießt diesen Augenblick auf seine Weise. Nur wer den gesamten Weg bis dahin mitgegangen ist, weiß um die Schwierigkeiten, die es zu überwinden galt, um in der über ein Jahr dauernden Vorbereitung auf das Turnier zum Kreis der Auserwählten für die Trainingslager zu gehören.

Wenn Sie einen Moment aus Ihrer zweifachen Turniererfahrung besonders hervorheben sollten, welcher wäre das und warum?
Das Finale 2009 gegen die USA. Wir wussten, dass wir es mit einem schweren Gegner zu tun bekommen würden, der über eine starke Abwehr verfügt. Allerdings gingen die U.S.-Amerikaner wie jede Mannschaft, die gegen Brasilien spielt, mit dem mentalen Vorteil in die Partie, nicht unbedingt gewinnen zu müssen. Prompt kassierten wir in der ersten Hälfte zwei Gegentore. Nach dem Wiederanpfiff konnten wir den Rückstand wettmachen und das Spiel am Ende noch zu unseren Gunsten entscheiden. Es war ein hochemotionales Duell, in dem sie uns gleich in der Anfangsphase kalt erwischt haben. Dass es kein leichtes Spiel werden würde, war uns allerdings schon vorher klar. Dennoch hatten wir nicht damit gerechnet, dass wir mit 0:2 in Rückstand geraten würden.

Brasilien wird bei der kommenden Auflage des Turniers der Champions nicht dabei sein. Wer ist Ihr Favorit auf den Titelgewinn?
Deutschland und Portugal. Denn diese beiden Nationen haben zuletzt mit der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ beziehungsweise der UEFA EURO die weltweit wichtigsten Turniere gewonnen. Das macht sie in meinen Augen zu den ersten Anwärtern auf den Turniersieg. Andererseits heißt das noch lange nicht, dass sie am Ende auch triumphieren werden. Wer zu einem FIFA Konföderationen-Pokal nicht mit einer optimalen Vorbereitung anreist und dort nicht von Beginn an eine gute Form zeigt, bleibt von negativen Überraschungen nicht verschont. Für die Spieler ist dieses Turnier, das ein Jahr vor der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ stattfindet, von großer Bedeutung. Daher möchten dort alle einen guten Eindruck hinterlassen und sich so ihren Platz in der Nationalmannschaft ihres Landes bis zum WM-Jahr sichern. Deshalb geben sie bei diesem Turnier alle ihr Bestes.

Wen würden Sie von den in Russland 2017 vertretenen Protagonisten gern treffen?
Der FIFA Konföderationen-Pokal weist einen sehr interessanten Aspekt auf. Es handelt sich um ein Turnier, bei dem man auf die derzeit besten Fussballer der Welt treffen kann. Die Tatsache, dass man dort herausragende Spieler zu Gesicht bekommt, die eine Partie häufig allein entscheiden können und daher stets große Erwartungen auslösen, ist ein Garant für ein unterhaltsames Turnier. Aktuell trifft dies zum Beispiel auf Cristiano Ronaldo und Alexis Sánchez zu.

Brasilien war Ausrichter der Auflage von 2013. Und es war ein packendes und erfolgreiches Turnier. Was würden Sie den russischen Fans mit auf den Weg geben?
Dass sie versuchen sollten, alles so intensiv wie nur möglich zu genießen. Denn es ist ein fantastisches Turnier, dessen Austragung für das Land einen hohen Stellenwert hat. Davon zeugt allein ein Blick auf die positive Resonanz, die das Turnier uns Brasilianern beschert hat. Wir haben großartige Spiele gesehen, und das Turnier selbst war für uns ein großer Erfolg. Die Russen sollten diese Gelegenheit optimal nutzen, zumal es eine gute Generalprobe für die WM im nächsten Jahr ist. In etwas mehr als einem Jahr wird Russland Gastgeber für die weltbesten Fussballer sein. Und der FIFA Konföderationen-Pokal wird dem Land schon einmal einen echten Vorgeschmack auf das Großereignis im nächsten Jahr bieten.