• Kanada holte bisher nur einen Punkt bei einem FIFA-Turnier 
  • Bester Spieler des CONCACAF Gold Cup 2000
  • Gesamte Profikarriere in England

Die kanadische Nationalmannschaft saß beim FIFA Konföderationen-Pokal Korea/Japan 2001 im ersten Flieger zurück in die Heimat, nachdem das Team kein einziges Spiel gewonnen und kein einziges Tor erzielt hatte. Doch wenn der ehemalige Torhüter Craig Forrest über dieses Turnier spricht, schwingt unüberhörbar Stolz in seiner Stimme mit.

"Wir sind Kanada und daher nicht gerade für große Errungenschaften im Fussball bekannt", erklärt der ehemalige Torhüter im Gespräch mit FIFA.com. Er bestritt seine Karriere in England, vor allem bei Ipswich Town und West Ham United. "Meistens haben wir mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Wir haben nicht viel Ballbesitz, daher war der Punktgewinn – ein einziger Punkt im Wettbewerb – für uns mehr als nur ein Punkt. Es war ein Sieg, wenn auch nur ein moralischer. Wir sind stolz darauf. Darauf können Sie Gift nehmen."

Außerdem war es nicht einfach irgendein Punkt. Die Männer mit dem Ahornblatt auf der Brust mussten ihn sich hart erarbeiten, und am Ende rangen sie dem mächtigen Brasilien ein torloses Remis ab. "Wir hatten an diesem Tag nicht viel Ballbesitz", meint Forrest schmunzelnd mit Blick auf die zweistellige Anzahl von gegnerischen Torschüssen und einen arbeitsreichen Tag zwischen den Pfosten. "Aber wir ließen uns davon nicht entmutigen. Wir waren ein Team, das die Ärmel aufkrempeln konnte, mit guten, starken Charakteren, und wir haben dem Ansturm standgehalten. Tatsächlich glaube ich, dass wir Pech hatten, weil wir ihnen nicht kurz vor Schluss noch ein Tor abgeluchst und gewonnen haben!"

Das Unentschieden am 2. Juni 2001 in Kashima ist bis zum heutigen Tage der einzige Punkt, den eine kanadische Männer-Nationalmannschaft bei einem FIFA-Turnier geholt hat. Da die anderen beiden Spiele der Gruppenphase mit Niederlagen endeten, scheiterte man bereits an der ersten Hürde und musste die Heimreise antreten. Doch die Turnierteilnahme allein war bereits ein großer Erfolg für eine Nation, die eher mit Eishockey als mit Fussball in Verbindung gebracht wird. Das war eine Ehre, die man sich hart erarbeiten musste.  

Kanadas goldenes Jahr 2000 
"Es war erstaunlich, dass wir überhaupt beim Confed Cup dabei waren", erklärt er. "Das hatte niemand erwartet. Beim Gold Cup im Jahr 2000 waren wir in der Rangliste das zwölfte von zwölf Teams, und dann ist es uns irgendwie gelungen, den Titel zu gewinnen und Fussballmächte wie die USA und Mexiko hinter uns zu lassen."

Forrests Begeisterung für diesen Moment ist offensichtlich und ansteckend. Der Titelgewinn bei der 2000er Auflage des Nationen-Pokals der CONCACAF, bekannt als Gold Cup, ist ebenso wie der bislang einzige Auftritt Kanadas bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ im Jahr 1986 ein absoluter Glanzpunkt in der Fussballgeschichte des Landes. "In unserer Gruppe beim Gold Cup lagen am Ende alle Teams mit zwei Punkten gleich auf. Wir mussten durch einen Münzwurf ermitteln, ob wir oder die Republik Korea (eines von drei Teams, die nicht der CONCACAF-Zone angehören und zu dieser Turnierauflage eingeladen worden waren) ins Viertelfinale einziehen. Wir hatten Glück und dachten uns: 'Wow, vielleicht können wir es schaffen'."

Anschließend schlug Kanada den achtmaligen Titelgewinner Mexiko in San Diego vor einem Publikum, das Forrest als "100 Prozent mexikanisch" bezeichnet. Die Entscheidung fiel durch ein Golden Goal, über das der kanadische Keeper noch heute lachen muss. "Gut, dass es ein Golden Goal war. So hatte Mexiko keine Chance zu reagieren. Andernfalls hätten wir vielleicht Probleme bekommen!" 

Damit wurde der Glaube an die eigenen Fähigkeiten im kanadischen Lager noch größer, und Trainer Holger Osieck sorgte dafür, dass der Optimismus in seiner Mannschaft auf ein Maximum anwuchs. "Wir haben Mexiko völlig überraschend geschlagen, als niemand uns eine Chance gab. Danach haben wir irgendwie in uns hineingelacht. Niemand gab uns eine Chance auf den Turniersieg, aber wir dachten langsam: 'Ok, unsere Zeit könnte gekommen sein'."

Nach einem Sieg im Halbfinale gegen Trinidad und Tobago standen die Kanadier im Finale. Dort trafen sie auf Kolumbien, das Team, das den Favoriten und Gastgeber USA aus dem Rennen geworfen hatte. Mit einem 2:0-Sieg gegen die Cafeteros, die mit Stürmerlegende Faustino Asprilla aufliefen, machte Kanada den bislang einzigen CONCACAF-Titel perfekt. Der damals 33-jährige Forrest wurde aufgrund seiner Reaktionsschnelligkeit und seiner athletischen Auftritte zum besten Spieler des Turniers gekürt. "Plötzlich hielten wir die Trophäe in den Händen. Wir waren das Topteam der Region, waren voller Stolz und fühlten uns wie echte Patrioten. Wir hatten etwas Fantastisches erreicht."

"Der Sieg beim Gold Cup und die Möglichkeit, uns beim Konföderationen-Pokal mit den Besten der Welt zu messen, war etwas ganz Besonderes", meint Forrest, der mittlerweile als TV-Kommentator beim kanadischen Fernsehen arbeitet, mit einer gewissen Wehmut in der Stimme. "Ich werde niemals unser erstes Confed-Cup-Spiel gegen Gastgeber Japan vergessen, bei dem die 30 000 Heimfans uns Beifall zollten. In der CONCACAF-Zone ist es bei Auswärtsspielen wahrscheinlicher, dass man mit Bier beworfen wird. Daher war auch dies ein unvergessliches Erlebnis."