Australien hat bei früheren FIFA Konföderationen-Pokalen schon einige gute Ergebnisse erzielt. 2017 in Russland ist das Team nun nach zwölfjähriger Abwesenheit wieder bei diesem Turnier dabei.

Unter Nationaltrainer Ange Postecoglou legt Australien derzeit das Fundament für weitere Erfolge auf der internationalen Bühne. Bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ zeigte die stark verjüngte australische Mannschaft unter ihrem neuen Trainer streckenweise sehr ansehnlichen Fussball, scheiterte jedoch in der sehr anspruchsvollen Gruppe. Dann aber gewannen die nunmehr turniererfahrenen Socceroos im eigenen Land erstmals den AFC Asien-Pokal und sicherten sich damit ihre Rückkehr zum Turnier der Champions.

Im Interview mit FIFA.com im Vorfeld des Turniers erläuterte Postecoglou, wie er dem Team seine Philosophien vermittelt, was die Fans in Russland von den Socceroos erwarten können, wie wichtig Erfolge der A-Nationalmannschaft für die Entwicklung des Fussballs in Australien sind und noch vieles mehr.

FIFA.com: Was war der entscheidende Faktor für den Gewinn des AFC Asien-Pokals 2015?
Ange Postecoglou:
Wir hatten einen ziemlich klaren Plan, wie wir den Asien-Pokal gewinnen würden. Mit der Umsetzung haben wir bereits mehr oder weniger mit meiner Ernennung (im November 2013) im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Brasilien begonnen. Wir haben die Mannschaft zunächst umgebaut und verjüngt. Dabei hatten wir natürlich im Blick, dass die Weltmeisterschaft schon in sechs Monaten bevorstand und dass sie für unser junges Team eine echte Herausforderung sein würde. Doch es war sehr wichtig, ihnen diese Erfahrung zu ermöglichen, damit wir weitere sechs Monate später den Asien-Pokal ins Visier nehmen konnten. Wir haben unsere Stärken ausgespielt, uns an die Planung gehalten und sehr davon profitiert, dass wir uns volle zwölf Monate auf ein Turnier vorbereitet haben. Letztlich war das wahrscheinlich einer der Schlüsselfaktoren für unseren Erfolg.

Wie haben Sie den Titelgewinn im eigenen Land empfunden?
Das war eine ganz einzigartige Erfahrung. Der Titelgewinn bei einem großen Turnier ist ja an sich schon eine große Sache, doch wenn es dann noch im eigenen Land geschieht, wozu man vielleicht nur ein einziges Mal im Leben die Gelegenheit bekommt – einfach fantastisch! Natürlich steht man als Heimmannschaft stärker unter Druck und die Erwartungen sind besonders hoch, doch wir haben diese Herausforderung angenommen und haben ein fantastisches Turnier erlebt. Wir haben wirklich guten Fussball gespielt und viele Tore erzielt. Und als es wirklich darauf ankam, haben wir uns gegen das sehr starke Team aus Südkorea durchgesetzt.

Was können die Fans beim FIFA Konföderationen-Pokal von Australien erwarten?
Wir wollen seit drei Jahren eine bestimmte Spielweise praktizieren. Bei der letzten Weltmeisterschaft steckte diese Spielweise noch in den Kinderschuhen. Doch obwohl wir in einer sehr schweren Gruppe mit Chile, Holland und Spanien waren, haben wir den Gegner streckenweise auch unter Druck gesetzt. Das war insbesondere gegen Chile und Holland so. Wir hatten wohl auch etwas Pech, dass wir aus diesen Spielen nichts Zählbares mitnehmen konnten.

Seitdem hat sich die Mannschaft enorm entwickelt. Wir kommen selbstbewusst zum FIFA Konföderationen-Pokal und werden ganz sicher nicht zurückweichen. Wir werden versuchen, auch dort den Fussball zu spielen, den wir in den vergangenen drei Jahren gespielt haben und uns mit den besten Teams der Welt messen. Darum geht es. Es sollte also ziemlich packende Spiele geben, und wir werden ganz sicher unseren Beitrag dazu leisten.

Wie sehr zeigt sich die Spielweise Ihres Teams in Ihrer Fussballphilosophie?
Meine Ansprüche an unsere Spielweise gehören zu meinen wichtigsten Überzeugungen. Als ich vor drei Jahren zum Trainer ernannt wurde, gehörte dies zu meiner Aufgabenstellung – wir wollen eine ganz bestimmte Spielweise pflegen. Es passt etwas besser zur australischen Wesensart, als proaktives Team zu spielen. Wir versuchen bei allen Sportarten, nicht zurückzuweichen. Das gilt eben auch für den Fussball. Das gehört zu meinen Grundüberzeugungen. Wo immer ich als Trainer gearbeitet habe, sollten meine Teams so spielen. Das gilt auch auf dem Niveau der Nationalmannschaft.

Welche besonderen Stärken hat der australische Kader? Auf welche Spieler sollten die Fans besonders achten?
Unser Kader ist insgesamt sehr jung. Spieler wie Tommy Rogic und viele andere sind erst Anfang, Mitte zwanzig. Aber wir haben ihnen schon in jungen Jahren viel Erfahrung verschafft. Ich denke, dass sich das in Zukunft als eine unserer größten Stärken erweisen wird. Die Spieler sind zwar sehr jung, was das reine Alter angeht, aber sie werden schon über sehr viel Erfahrung bei großen Turnieren verfügen, bei der Weltmeisterschaft, beim FIFA Konföderationen-Pokal, beim Asien-Pokal. Das verschafft uns ziemlich viel Selbstvertrauen.

Ich finde, wir haben ein begeisterndes Team. Wir sind sehr schnell und beweglich, wir spielen offensiven, aggressiven Fussball. Das entspricht genau der Mentalität der Spieler, die wir im Moment haben. Wir haben schon sehr früh großes Vertrauen in sie gesetzt. Wenn man das tut und sich dann noch ein großer Erfolg einstellt, wie beim Asien-Pokal, dann führt das dazu, dass die Jungs sich in den nächsten ein, zwei Jahren so schnell von nichts einschüchtern lassen.

Natürlich will Australien auch bei der WM 2018 wieder in Russland dabei sein. Wie bewerten Sie die bisherigen Ergebnisse in der WM-Qualifikation?
Wir haben bislang sehr solide Leistungen gezeigt. In unserem letzten Spiel gegen Thailand haben wir allerdings eher enttäuscht. Wir haben unser eigentliches Niveau nicht erreicht. Es war klar, dass die erste Hälfte der Qualifikation für uns sehr schwer werden würde. Wir hatten drei sehr schwere Auswärtsspiele. Wer noch nicht unter solchen Bedingungen gespielt hat, der kann auch nicht verstehen, wie groß die Herausforderung dabei ist.

Wir haben im Nahen Osten gegen die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudiarabien gespielt und auch in Thailand. Dabei sind wir ungeschlagen geblieben und haben sogar ein Auswärtsspiel gewonnen. Ich finde, dass wir ziemlich gut dastehen. In diesem Jahr haben wir nun drei Heimspiele und die Partie gegen Irak auf neutralem Boden. Wir haben also nur ein echtes Auswärtsspiel. Besonders gefällt mir, dass wir alles selbst in der Hand haben. Bedenkt man nun noch den FIFA Konföderationen-Pokal mitten drin, wird dies sicher ein sehr aufregendes Jahr für uns.

Andere Sportarten sind in Australien sehr stark vertreten. Wie wichtig ist ein gutes Abschneiden der Socceroos bei großen Turnieren für die weitere Entwicklung des Fussballs in Ihrem Land?
Ein gutes Abschneiden ist schon sehr wichtig, aber nicht mehr in dem Maße wie früher, denn unsere Profiliga entwickelt sich von Jahr zu Jahr enorm weiter. Früher war es so, dass der Fussball abhängig von der Qualifikation für die WM entweder einen Boom erlebte oder fast zum Erliegen kam. Aber mittlerweile wächst die Popularität fast unabhängig davon.

Wir haben das Stadium hinter uns gelassen, als wir uns einfach nur qualifizieren wollten. Das ist natürlich auch weiterhin die erste Aufgabe und wir haben ja oft genug gesehen, dass das in Asien immer eine große Herausforderung ist. Aber wir wollen nicht nur zur WM, sondern dort auch für Furore sorgen. Das würde den Fussball noch weiter voranbringen und einen echten Schub bedeuten. Daher spielen wir auf diese Weise, denn wir wollen uns qualifizieren und dann bei der WM-Endrunde mit starken Leistungen glänzen, noch mehr als bisher.