Spieler-Karrieren in Nationalmannschaften dauern gemeinhin viele Jahre. Anders sieht es dagegen an der Seitenlinie aus, wo es weitgehend gang und gäbe ist, dass der Trainer bei Misserfolgen zumeist relativ schnell seinen Hut nehmen muss.

Schaut man beispielsweise auf die neueste FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste, so sind die aktuellen Übungsleiter der Top 20 im Schnitt rund drei Jahre im Amt. Zwei Ausnahmen sind dabei: Uruguays Óscar Tabárez (11 Jahre) sowie Weltmeister-Trainer Joachim Löw. Letzterer begann bereits im Juli 2004 als Co-Trainer bei der DFB-Auswahl, um nach der Heim-WM 2006 das Ruder von Jürgen Klinsmann zu übernehmen.

Die Bilanz liest sich mit zwei dritten Plätzen bei Weltmeisterschaften (2006 und 2010), Rang zwei bei der UEFA EURO 2008 sowie dem Titelgewinn in Brasilien 2014 mehr als beachtlich. Im Juni will Löw nun etwas schaffen, was vor ihm im Land des viermaligen WM- und dreimaligen EM-Champions noch keiner geschafft hat: den Triumph beim FIFA Konföderationen-Pokal.

"Es ist ein gutes und wichtiges Turnier", verkündet der 57-Jährige im FIFA.com-Interview und erinnert sich gerne an die letzte Teilnahme der Deutschen am Turnier der Champions als Gastgeber zurück. "Wir haben es selbst 2005 erlebt. Da war eine großartige Stimmung, eine Art Aufbruchsstimmung im Land."

Es reichte am Ende zu Platz drei und damit war das Abschneiden viel besser als beim Debüt 1999 in Mexiko, wo der damalige Kontinentalsieger, bei dem auch Lothar Matthäus, Jens Lehmann und der junge Michael Ballack im Team standen, nach Niederlagen gegen Brasilien (0:4) und die USA (0:2) sowie einem Sieg gegen Neuseeland (2:0) nicht über die Gruppenphase hinauskam.

Nichtsdestrotz richtet sich der Blick bereits auf das kommende Jahr und die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018™. "Man kann im Vorfeld eines Turniers die Situation besser einschätzen. Es ist wichtig, dass man die Spieler darauf vorbereitet, was bei einem Turnier, wie einer WM, passiert. Sie kennen die Gegebenheiten, die Stimmung im Land, die Stadien, die Reisen. So war es auch in Brasilien. Wir waren zwar nicht mit der Mannschaft, aber wir Trainer waren vor Ort. Von daher ist es eine wichtige Erfahrung, die man macht und die einem weiterhilft." 

Nach vier Siegen in vier Spielen (16:0 Tore) führt die DFB-Auswahl um Kapitän Manuel Neuer souverän die Gruppe C in der europäischen Qualifikation an und hat das Ticket für Russland 2018 angesichts von fünf Punkten Vorsprung auf die Konkurrenz aus Nordirland und Aserbaidschan bereits fest im Blick.

"Wir hatten uns vorgenommen, diese Qualifikation von Anfang an zu dominieren, weil sich ja auch nur eine Mannschaft direkt qualifiziert. Die andere muss in die Relegation. Ich glaube, dass haben wir gut gemacht", zeigt sich Löw zufrieden und verrät: "Wir hatten 2014 nach unserem Titelgewinn einige Schwierigkeiten. So ein Turnier kostet viel körperliche und emotionale Kraft. Die Spieler hatten nur einen kurzen Urlaub und eine kurze Vorbereitung. Und manchmal kann es passieren, dass Mannschaften, die bei einem Turnier lange dabei sind, Schwierigkeiten haben, reinzukommen. Andere Nationen, die nicht bei einem Turnier sind, sind ausgeruht. Daher ist es manchmal nicht so einfach. Bei uns hat es bislang gut geklappt."

In der Gruppe B warten beim FIFA Konföderationen-Pokal 2017 erst einmal Australien (19. Juni), Chile (22. Juni) und Kamerun (25. Juni). "Wir werden versuchen, dieses Turnier ernsthaft und konzentriert anzugehen und das Beste daraus zu machen." Und das Beste heißt in diesem Falle nur eines: am 2. Juli in St. Petersburg die Trophäe gen Himmel strecken.