Beim FIFA Konföderationen-Pokal Südafrika 2009 treten die regionalen Meister aus allen Teilen der Welt an. Die teilnehmenden Länder mögen beeindruckende Titelsammlungen aufweisen, doch wenn am südlichen Horn von Afrika das Turnier beginnt, werden die Karten neu gemischt. Nachfolgend befassen wir uns mit vier der teilnehmenden Teams.

Spanien (Europameister)
Der Sieger der UEFA EURO 2008 hat noch kein FIFA-Turnier im Seniorenbereich gewonnen, obwohl man an zwölf von 18 WM-Turnieren teilnahm. Der jüngste Triumph auf dem alten Kontinent war der erste größere Turniersieg seit nicht weniger als 44 Jahren. Lässt man indes die Geschichte außer Acht, besteht wohl kein Zweifel daran, dass die technisch beschlagenen Spanier sich als einen der Favoriten in Südafrika 2009 sehen.

Der seit Juli 2008 weilende neue Trainer Vicente Del Bosque folgte auf die Legende Luis Aragonés, den phänomenalen Coach, der die Furia Roja zum Titelgewinn bei der EURO 2008 führte und in erster Linie für die lange Serie ohne Niederlage verantwortlich ist.

Del Bosque selbst braucht sein Licht auch nicht unter den Scheffel zu stellen. So trainierte er Real Madrid von 1999 bis 2003 und zeichnete sich für eine der erfolgreichsten Phasen in der Vereinsgeschichte verantwortlich. Auch unter Del Bosque ging die Erfolgsserie der spanischen Nationalmannschaft weiter, die seit der 0:1-Niederlage gegen Rumänien im November 2006 ungeschlagen ist.

Mit seiner ruhigen, unerschütterlichen Art ist Del Bosque prädestiniert für den Umgang mit einem Kader voller Superstars, die für einige der größten Vereine in den Top-Ligen der Welt spielen.

Zwar ist die Mannschaft relativ jung, doch spielen alle Akteure auf einem hohen Niveau. Außerdem profitiert La Roja von einem neuen Phänomen. Auch wenn die meisten Spieler in der heimischen Primera División bleiben, zieht es einige Stars ins Ausland, wo sie sich weiter entwickeln und besser werden.

Spaniens jüngste Erfolge sind auf einem sehr Ball-orientierten Mittelfeld aufgebaut, das mit Xavi, Andrés Iniesta, Marcos Senna oder Cesc Fábregas über klasse Spieler verfügt. Hinzu kommen mit David Villa und Fernando Torres zwei torgefährliche Angreifer. Komplettiert wird die Mannschaft von Kapitän und Torwart Iker Casillas.

Die spanischen Fans freuen sich auf Südafrika 2009 und hoffen auf einen weiteren Titel. Beim FIFA Konföderationen-Pokal kann die Mannschaft erneut beweisen, dass sie zu den Top Teams der Welt zählt. Desweiteren wird spannend zu verfolgen sein, wie sich La Furia im weltweiten Vergleich schlägt.

Trainer: Vicente Del Bosque
Stars: Iker Casillas, David Villa, Xavi, Fernando Torres

USA (CONCACAF-Meister)
Durch den Sieg beim CONCACAF Gold Cup 2007 in einem dramatischen Finale gegen Mexiko waren die USA das erste Team, das sich für den FIFA Konföderationen-Pokal 2009 qualifizierte (abgesehen vom automatisch qualifizierten Gastgeber und dem amtierenden FIFA-Weltmeister Italien).

Bei drei Teilnahmen haben die USA eine respektable Bilanz beim FIFA Konföderationen-Pokal aufzuweisen, denn zwei Mal erreichten sie den dritten Platz. Die Fans der USA werden bei der vierten Teilnahme ihres Landes die Messlatte ähnlich hoch legen.

Bod Bradley, zunächst nur als Interimscoach vorgesehen, ist es gelungen, eine junge und erfolgreiche Mannschaft aus dem großen Talentreservoir des Landes zu formen. Obwohl einige Skeptiker nach wie vor auf die mangelnden internationalen Erfolge von Bradley verweisen, verfügt er doch dank seiner Arbeit mit dem eigenen Nachwuchs unter dem früheren U.S.-Trainer Bruce Arena und seine Trainertätigkeit in der Major League Soccer über eine profunde Kenntnis des U.S.-Fussballs im Senioren- und im Nachwuchsbereich. Bradley hat es bislang verstanden, dieses Wissen in seiner neuen Rolle als Cheftrainer optimal zu nutzen.

Die USA verfügen über genügend Spielstärke, um auch in Südafrika einen nicht zu unterschätzenden Gegner abzugeben. Dies wird vor allem durch die guten Leistungen in der Qualifikation für die FIFA WM 2010 unterstrichen. Nach sechs Siegen aus sechs Spielen in der ersten Gruppenphase der Nord-, Mittelamerika- und Karibik-Zone, startete man in die entscheidende Runde der Quali mit einem 2:0-Sieg gegen Mexiko. Die USA gehören zu den klaren Favoriten, wenn es um ein CONCACAF-Ticket für Südafrika 2010 geht. 

In einer im Fussball öfter vorzufindenden Vater-Sohn-Beziehung kommt auch Bradleys Sohn Michael im U.S.-Team zum Einsatz. Der talentierte Mittelfeldspieler spielt beim deutschen Verein Borussia Mönchengladbach (zuvor war er in den Niederlanden erfolgreich) und ist gegenwärtig der U.S.-Spieler, der in einer Saison die meisten Tore in einer europäischen Top-Liga erzielt hat.

Dank Spielmacher Landon Donovan, Kapitän Carlos Bocanegra und einigen viel versprechenden Talenten wie Jozy Altidore und Sacha Kljestan, könnten die USA beim FIFA Konföderationen-Pokal eine erste Duftmarke setzen.

Trainer: Bob Bradley
Stars: Landon Donovan, Carlos Bocanegra, DaMarcus Beasley

Italien (FIFA-Weltmeister 2006)
Die Italiener werden in Bestform antreten müssen, denn alle Konkurrenten werden darauf brennen, den amtierenden FIFA-Weltmeister zu besiegen. Die Azzurri werden erneut von Marcello Lippi betreut, dem Mann, der sie in Deutschland 2006 zum Titel führte. Nach schwachen Leistungen bei der UEFA EURO 2008 unter Roberto Donadoni hat man erneut Lippi berufen, um das Team wieder in die Weltklasse zurückzuführen.

Seit der Niederlage gegen Spanien im Viertelfinale der EURO in diesem Jahr hat das italienische Team beständige Fortschritte gemacht und war sechs Spiele in Folge nicht mehr besiegt worden, wenngleich die Gegner dabei eher unterklassig waren. Im Länderspiel gegen Brasilien jedoch musste das Team von Lippi eine klare 0:2-Niederlage hinnehmen.

Lippis Bilanz ist beeindruckend, denn während seiner zwei Amtszeiten sind die Azzurri seit nunmehr 31 Spielen ungeschlagen, womit der Coach den Rekord für die längsten Serien einer Nationalmannschaft ohne Niederlage hält (gemeinsam mit Javier Clemente von Spanien und Alfio Basile von Argentinien).

Am Defensivbollwerk der Italiener dürften sich erneut manche die Zähne ausbeißen. Immerhin haben sie die niedrigste Zahl an Gegentoren in FIFA-WM-Qualifikationsspielen weltweit aufzuweisen, nämlich 0,58 Tore pro Spiel.

Da für einige Schlüsselspieler allmählich der Herbst ihrer Karriere anbricht, wird der Fussball-Maestro sein Augenmerk auch auf eine Verjüngung des Kaders richten müssen. Obwohl die Italiener international ein äußerst erfahrenes Team sind, ist es doch die erste Teilnahme an einem FIFA Konföderationen-Pokal. Hinter Brasilien sind die Italiener das Land mit den meisten FIFA WM-Titeln.

Trainer: Marcello Lippi
Stars: Luca Toni, Fabio Cannavaro, Gennaro Gattuso

Neuseeland (Ozeanienmeister)
Für Neuseeland ist Südafrika 2009 bereits die dritte Teilnahme an einem FIFA Konföderationen-Pokal und die All Whites werden wieder alles daran setzen, erstmals Punkte zu holen.

In der Tat könnte das Turnier 2009 das erste sein, bei dem die Kiwis für Aufsehen sorgen. Es ist im Übrigen ihre erste Teilnahme an einem Turnier auf dem afrikanischen Kontinent.

Gegen fünf der sieben anderen Teilnehmer hat Neuseeland bereits Spiele absolviert. Nur Italien und Europameister Spanien sind noch nie gegen den viermaligen Gewinner des Ozeanischen Nationen-Pokals angetreten.

Der FIFA Konföderationen-Pokal dürfte nicht das letzte Turnier sein, bei dem wir Ricki Herberts Schützlinge im Einsatz sehen, denn die Chancen auf eine Qualifikation für die FIFA WM 2010 stehen nicht schlecht. Herbert ist gleichzeitig Trainer Neuseelands und von Wellington Phoenix. Die meisten Spieler im Kader spielen in der australischen Hyundai A-League, wobei mehr als die Hälfte bei Wellington unter Vertrag steht.

Kritiker argumentieren, dass Neuseelands mangelnder internationaler Erfolg auf den Mangel an Spielern in großen Ligen zurückzuführen ist. Dem könnte entgegengehalten werden, dass mit einem Großteil des Nationalmannschaftskaders in Wellington der Landestrainer das ganze Jahr über die meisten seiner Nationalspieler trainieren kann.

Die Neuseeländer haben sich unter Herbert stetig verbessert und erreichten zwischenzeitlich den 82. Platz in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste. Die Kiwis beeindruckten in der Qualifikation zur FIFA WM 2010 mit fünf Siegen in Folge, während Stürmer Shane Smeltz einen Rekord aufstellte, indem er in sechs aufeinander folgenden Partien ein Tor schoss.

Die Fans von Neuseeland haben also allen Grund daran zu glauben, dass ihre Mannschaft eine gute Leistung beim FIFA Konföderationen-Pokal 2009 abliefern wird, wenn man sich die Leistungen von Kapitän Ryan Nelson und seinen Mitspielern anschaut. Smeltz, der in der A-League zum Spieler des Jahres gewählt wurde, bildet außerdem gemeinsam mit Celtic Glasgow-Angreifer Chris Killen ein gefährliches Duo.

Trainer: Ricki Herbert
Stars: Ryan Nelsen, Chris Killen, Shane Smeltz