Die "Ottokratie" gerät ins Wanken. Nach dem Rückfall in die Fussball-Steinzeit bläst Otto Rehhagel vor dem möglicherweise schon entscheidenden zweiten Gruppenspiel der UEFA EURO 2008 von Titelverteidiger Griechenland am Samstag gegen Russland (20:45 Uhr) der Wind scharf ins Gesicht. Und angesichts des drohenden vorzeitigen Ausscheidens melden offenbar sogar Rehhagels Führungsspieler erste Zweifel an der Taktik von König Otto an.
Nach dem ganz schwachen Auftritt beim 0:2 gegen Schweden soll der Mannschaftsrat aus Kapitän Angelos Basinas, Georgios Karagounis, Konstantinos Katsouranis und Traianos Dellas gemeinsam ein Gespräch mit Rehhagel gesucht haben, der eigentlich immer ganz allein die Marschroute vorgibt - wie Bundesliga-Profi Ioannis Amanatidis zuletzt versicherte.
Nach übereinstimmenden griechischen Medienberichten soll es bei der Zusammenkunft um die taktische Ausrichtung gegangen sein. "Coach, wir müssen offensiver spielen", titelte daraufhin die Zeitung "Goal".
"Leben nicht mehr im Jahr 2004"
Die harte Kritik der Medien nach dem Schweden-Spiel
ging derweil nicht spurlos an den Spielern vorbei. "Die
Mannschaft ist schon sehr enttäuscht über die Medienkritik. Wir
alle haben die Artikel gelesen. Wir haben schlecht gespielt, und
Kritik ist nicht verboten, aber das war zu hart", meinte
Abwehrspieler Vassilis Torosidis vor der Trainingseinheit am
Donnerstag in Seekirchen.
Aber nicht nur die Medien waren enttäuscht. Sogar ein Europameister von 2004 übte Kritik an Rehhagel. "Alle haben im Vorfeld gesagt, dass wir besser sind als 2004. Natürlich haben wir jetzt mehr Alternativen im Spiel nach vorne. Die Frage ist: Warum spielen wir nicht offensiver? Wenn wir das nicht machen, liegt das voll und ganz am Trainer", sagte Vassilios Tsiartas, der vor vier Jahren noch zu den EM-Helden gehörte und jetzt Ambitionen auf den Chefsessel beim griechischen Fußball-Verband EPO hat.
Selbstkritik bei den Spielern
Allerdings war bei den Spielern auch deutliche
Selbstkritik zu erkennen. "Wir sind uns alle unserer Schuld
bewusst", sagte Torhüter Antonios Nikopolidis und schickte
gleich eine Botschaft für die Fans hinterher: "Im Namen aller
Spieler können wir versprechen, dass am Samstag ein anderes Team
auf dem Platz stehen wird." Vielleicht nicht nur, was die
Einstellung betrifft.


