Als Theofanis Gekas vor zehn Jahren seine Profikarriere in
seiner Geburtsstadt Larisa beim dort ansässigen griechischen
Zweitligisten AE Larisa begann, hätte wohl kaum einer gedacht, dass
der Stürmer ein Jahrzehnt später zu den Top-Stürmern Europas
gehört, in dieser Zeit Bundesliga-Torschützenkönig in Deutschland
wurde und bei der UEFA EURO 2008 mit der Nationalmannschaft
Griechenlands für Furore sorgen möchte.
Für den 27-Jährigen wird der kontinentale Vergleich das erste
große Turnier nach dem FIFA Konföderationen-Pokal 2005 sein, denn
erst nach dem Titelgewinn vor vier Jahren in Portugal stieß der
Angreifer von Bayer 04 Leverkusen in den Kader von Otto Rehhagel.
Zuvor machte er in Griechenland auf sich aufmerksam, als er
im Januar 2005 zu Panathinaikos Athen wechselte und auf Anhieb
Torschützenkönig wurde. In der Folgesaison erzielte er 15 Treffer
und landete auf Rang zwei der Torjägerliste. Schließlich wurde der
VfL Bochum auf den Rechtsfuß aufmerksam und lieh
Fanis, so sein Spitzname, zur Saison 2006/07 aus.
Gekas stellte erneut seine enorme Torgefährlichkeit unter
Beweis, als er in seiner Premieren-Saison 20 Treffer erzielte,
Deutschlands Torschützenkönig wurde und seinen Verein vor dem
Abstieg bewahrte. Weil Bochum die Kaufoption nicht wahr nahm,
schnappte sich UEFA-Pokal-Teilnehmer Bayer 04 Leverkusen den
griechischen Nationalspieler. In seiner ersten Spielzeit für die
Werkself erzielte Gekas 13 Treffer in 38 Partien.
Am 6. Mai wurde Leverkusens Nummer 10 von
Nationalmannschaftstrainer Otto Rehhagel für die UEFA EURO 2008
nominiert.
FIFA.com führte mit dem torgefährlichen Griechen
ein Exklusiv-Interview.
Herr Gekas, die UEFA EURO 2008 steht vor der Tür. Geht die
griechische Nationalmannschaft mit denselben Erwartungen in das
Turnier wie vor vier Jahren, oder hat man jetzt andere
Ziele?
Ich denke, wir haben ungefähr die gleichen Ziele wie vor vier
Jahren. Wir wollen guten Fussball spielen, werden jedes Spiel
getrennt voneinander angehen und immer unser Bestes geben. Erstes
Ziel ist dann das Erreichen des Viertelfinales.
Damals sorgte Otto Rehhagel mit seiner Mannschaft für eine
Sensation, als man in Portugal Europameister wurde. Ist ein solcher
Erfolg erneut vorstellbar?
Wir können nicht sagen, ob das noch mal passiert
oder nicht. Wir werden in jedem Spiel unser Bestes geben und
versuchen, so weit zu kommen wie möglich. Das zweite Mal
hintereinander bei der EM dabei zu sein, ist auch schon ein Erfolg.
König Otto ist der Trainer mit der längsten Amtszeit in
der Geschichte des griechischen Fussballverbandes. Welchen Anteil
hat er am jüngsten Erfolg und der dritten
EM-Qualifikation?
Einen sehr großen Anteil! Mit ihm kam der Erfolg.
Vorher hatte man Griechenland nicht auf dem Zettel. Innerhalb von
zwei Jahren hat sich das durch Otto Rehagel verändert. Gerade
psychologisch hat er uns sehr geholfen und uns gezeigt, dass im
Fussball einige Dinge anders sein können.
Nachdem sich Griechenland nicht für die FIFA WM 2006
qualifiziert hatte, scheint man nun wieder auf die Erfolgspur
zurückgefunden zu haben. Was hat die Mannschaft in der
Qualifikation zur EURO 2008 anders gemacht?
Es hatte sich eigentlich nichts geändert, außer der
Psyche der Spieler vielleicht. In der WM-Qualifikation zuvor haben
wir auch in einigen Spielen Pech gehabt oder Punkte gegen
Mannschaften verloren, wo keiner vorher mit gerechnet hatte.
Griechenland dominierte gar die Qualifikation, holte 31
Punkte (soviel wie keine andere Mannschaft) und setzte sich gegen
Mannschaften wie die Türkei und Norwegen durch. Wo sehen Sie
derzeit Ihr Heimatland im europaweiten Vergleich?
Wir gehören zu den besten vier Mannschaften
Europas.
In der Gruppe D treffen Sie unter anderem auf Schweden. Das
letzte Pflichtspiel gegen die Skandinavier endete 0:9. Jedoch war
dies bei den Olympischen Spielen 1920. Was rechnen Sie sich gegen
den Achtelfinalisten der letzten WM aus?
Das erste Spiel im Turnier ist für beide
Mannschaften schwer. Man kann vorher nicht viel über den Gegner und
seine aktuelle Form sagen. Wir konzentrieren uns auf uns und unser
Spiel, werden mit Sicherheit nicht den Fehler machen, unsere Gegner
zu unterschätzen. Wir werden jedes Spiel ernst und konzentriert
angehen.
Wie schätzen Sie die anderen beiden Gegner Spanien und
Russland ein? Wer wird sich für das Viertelfinale qualifizieren?
Das ist schwer zu sagen, alle vier Teams haben die
gleichen Chancen, es ist eine starke Gruppe. Ein Sieg im ersten
Spiel wäre für jede Mannschaft ein Vorteil.
Mit Angelos Charisteas und Ioannis Amanatidis ist die
Konkurrenz im Sturm der Griechen sehr groß. Wie sehen Sie Ihre
Rolle in der Mannschaft?
Wir haben viele gute Spieler, und nur unser Trainer
kann entscheiden, wer spielen wird. Die aktuelle Form kann dann
entscheidend sein.
Hoffen Sie auf ein etwas offensiveres Spielsystem als vor
vier Jahren in Portugal, das Ihnen eventuell einen Stammplatz bei
der EURO sichert?
Das System hat sich eigentlich nicht verändert, ich
denke, es liegt auch an den Spielern, die auf dem Platz stehen, und
wie offensiv man auftritt. In der Qualifikation haben wir dies
schon gezeigt und einige Spiele mit mehreren erzielten Toren
gewonnen.
Sie spielen nun schon seit einigen Jahren in der Bundesliga
in Deutschland. Viele Experten trauen der deutschen
Nationalmannschaft den großen Coup bei der Europameisterschaft zu.
Wie sehen Sie das?
Jedes Land erwartet oder erhofft sich von der
eigenen Nationalmannschaft Erfolge oder den großen Coup - je nach
den individuellen Möglichkeiten. Man muss die Leistung auf dem
Platz bringen, im Vorfeld zu spekulieren, ist eigentlich
überflüssig. Mit Worten kommt man nicht ins Finale.
Wer ist für Sie der Top-Favorit beim Turnier in Österreich
und der Schweiz?
Für mich gibt es keinen Top-Favoriten. Jeder hat in
einem Turnier die Chance, es zu gewinnen. Vor vier Jahren hatte uns
auch keiner auf der Rechnung. Man dachte, wir werden als erste
Mannschaft ausscheiden, und am Ende kam doch alles anders.
Gekas: "Wir gehören zu den Top Vier Europas"
(FIFA.com) Donnerstag 15. Mai 2008
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