Die 42. Auflage der Copa América ist nun Geschichte. Gastgeber Venezuela erlebte einen erneuten Triumph Brasiliens, das den Titel auch schon 2004 gewinnen konnte. Insgesamt war es der achte Turniersieg der Brasilianer und der vierte in den letzten fünf Jahren. Die Kontinuität der Auswahl Brasiliens, auch ohne seine glanzvollen Stars, lässt keinen Zweifel daran aufkommen, wer die beste Mannschaft Südamerikas ist. Darüber hinaus haben die Brasilianer sich auch das Startrecht beim FIFA Konföderationen-Pokal in Südafrika 2009 erkämpft, wo sie versuchen werden, ihren Titel vom Turnier in Deutschland 2005 zu verteidigen.

Aber es war nicht alles goldgrün bei der Copa 2007, der diesjährige Wettbewerb bot noch viel mehr. FIFA.com lädt Sie zu einem Rückblick auf die Höhepunkte des Turniers ein.

Ein Siegerpodest in kanariengelb
In Venezuela war eine Seleção zu erleben, der Dunga seinen Stempel aufgedrückt hatte: weniger Schönspielerei und mehr Pragmatismus, mit drei grundlegenden Charakterzügen: hochklassige, aber mannschaftsdienliche Spieler, physische Robustheit sowie eine Taktik, die voll und ganz dem Kollektiv untergeordnet ist. Die Leistungen der Brasilianer zu Turnierbeginn waren wenig überzeugend, doch Robinhos individuelle Klasse hielt sie am Leben. Später verbesserte sich Brasilien als Mannschaft und profitierte vom Aufstieg seiner anderen Stars. Brasilien hinterließ im Laufe des Turniers einen immer besseren Eindruck und war definitiv ein verdienter Sieger, der voller Optimismus in die Zukunft blicken kann.

Für Argentinien hat der zweite Platz einen mehr als faden Beigeschmack. Bis zum Finale waren die Argentinier die beste Mannschaft des Turniers, sowohl das Team wie auch seine Einzelakteure spielten phasenweise brillanten Fussball. Allerdings zeigte die hinterste Abwehrreihe gewisse Schwächen, die gegen Brasilien schonungslos offenbart wurden. Letztlich blieben zwei Fragen im Raum stehen: Was war im entscheidenden Spiel nur los? "Wir hatten einen schlechten Tag und fanden kein Rezept gegen ihre Spielweise. Sie haben verdient gewonnen", fasste Carlos Tevez zusammen. Und: Wird es einen grundlegenden Generationswechsel geben? Wie dem auch sei, die tiefe Enttäuschung über inzwischen 14 Jahre ohne internationalen Titel trübte den Gewinn der Silbermedaille.

Mexiko und sein Trainer Hugo Sanchez hingegen sind mit ihrem dritten Rang zufrieden, was durchaus verständlich ist: ohne einige der namhaftesten Spieler angereist, wurde der Mangel an individueller Klasse durch die strikte Einhaltung der Spielweise, die Sanchez propagiert, ausgeglichen. Die Mexikaner konnten erneut gegen Brasilien gewinnen, unterlagen aber einmal mehr ihrem Angstgegner Argentinien. Mexiko bereicherte das Turnier in Südamerika und wirkte motivierend, denn schon sehr bald könnte der Gast ganz oben auf dem Treppchen stehen.

Ein Blick in die Zukunft
Auch für den Rest der Teilnehmer war dieses Turnier ein Test auf höchstem Niveau mit Blick auf die Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010. Uruguay zum Beispiel trennte nur ein Elfmeter vom Einzug ins Finale, und die Mannschaft hinterließ einen guten Eindruck, trotz der 0:3-Niederlage im ersten Spiel gegen Peru.

Das Gleiche gilt für Venezuela: die Fortschritte sind offensichtlich. Es bleibt zu hoffen, dass sie diesen Weg beibehalten können, um eines Tages die Früchte ihrer Arbeit zu ernten. Die Peruaner von Julio César Uribe hatten ebenfalls ihre guten Momente, es bleibt abzuwarten, ob die Mannschaft eine gewisse Konstanz erreicht. Und Chile? Das Team kam zwar bis ins Viertelfinale, konnte aber nicht überzeugen, und das 1:6 gegen Brasilien kostete Nelson Acosta seinen Job. Chile hat eine viel versprechende Jugendmannschaft, aber die Zukunft liegt im Ungewissen.

Eine Stufe tiefer sind Kolumbien und Bolivien anzusiedeln, deren Auftritte nichtsdestotrotz eine verheißungsvollere Zukunft erwarten lassen. Ecuador hingegen konnte seine Leistungen von Deutschland 2006 nicht bestätigen, auch wenn das Team von keiner Mannschaft deutlich geschlagen wurde. Die Mannschaft der USA von Bob Bradley reiste zwar ohne Punkte wieder nach Hause, konnte aber sicherlich eine Menge wertvoller Erfahrungen sammeln.

Eine Klasse für sich
Brasilien stellte mit Robinho den besten Spieler des Turniers und mit sechs Treffern auch den erfolgreichsten Torschützen, obwohl er in den letzten beiden Spielen nicht mehr traf. Eine gerechte Auszeichnung für den Stürmer, der sowohl als Vollstrecker wie auch als Vorbereiter glänzte. Unter seinen Mannschaftskameraden sind des Weiteren Julio Baptista (drei Tore in den letzten drei Spielen), der Flügelspieler Josué (zum besten Spieler des Finales gewählt) und Torhüter Doni, der in den entscheidenden Momenten auf dem Posten war, hervorzuheben.

Bei den Argentiniern glänzte Juan Román Riquelme in einer Doppelrolle als Spielmacher und Torschütze (fünf Treffer). Der konstanteste Spieler indes war Javier Mascherano, der zudem noch zwei Tore erzielte. Lionel Messi hatte brillante Momente, wie zum Beispiel sein Tor gegen Mexiko, und obwohl es ihm ebenfalls an Konstanz mangelte, regnete es allenthalben Lobeshymnen.

In einem Turnier, an dem es an guten Stürmern nicht mangelte, war der Mexikaner Nery Castillo dennoch eine Offenbarung (vier Treffer). Außerdem hinterließen die beiden Torhüter Oswaldo Sanchez und Guillermo Ochoa einen guten Eindruck. Weitere Spieler, die dem Turnier ihren Stempel aufdrückten, waren Diego Forlán und Christian Rodriguez (Uruguay), Roque Santa Cruz (Paraguay), Paolo Guerrero (Peru) und Humberto Suazo (Chile).

Zahlenspiele
Mit 86 Treffern in 26 Spielen lag die Torquote in Venezuela bei 3,30 pro Spiel. Diese Quote entspricht dem Wert von 1967 (49 Treffer in 15 Spielen), liegt aber weit entfernt von den 6,17 Toren pro Begegnung in der Auflage von 1927 (37 Tore in 6 Partien).

Eine Kuriosität am Rande: Obwohl Brasilien am Schluss den Titel gewann, hat die Seleção im Laufe des Turniers weniger Punkte gesammelt als Argentinien (13 im Vergleich zu 15). Außerdem stellten die Brasilianer weder den erfolgreichsten Sturm noch die sicherste Defensive: Die Argentinier mit 16 Treffern stellten die effektivste Angriffsreihe, während Mexiko mit nur vier kassierten Toren die solideste Abwehrleistung bot (beide in sechs Spielen).

Erwähnenswert ist außerdem, dass die Niederlage gegen Brasilien nicht nur die Träume Argentiniens vom Titelgewinn in Venezuela beendete, sondern gleichzeitig die erste Niederlage ihres Trainers Alfio Basile bei der Copa América war. Vor der 0:3-Niederlage in Maracaibo hatten die von ihm betreuten Teams insgesamt zwei Titel (1991 und 1993), 13 Siege und fünf Unentschieden eingefahren.

Abschlussplatzierung
1. Brasilien *
2. Argentinien
3. Mexiko

* Für den FIFA Konföderationen-Pokal Südafrika 2009 qualifiziert

Torjäger
1. Robinho (Brasilien) 6 Tore
2. Juan Román Riquelme (Argentinien) 5
3. Nery Castillo (Mexiko) 4