"Super Eagles" triumphieren in Afrika
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Der CAF Afrikanische Nationen-Pokal bot wie immer unterhaltsamen Fussball und hielt für die Fans zahlreiche Überraschungen bereit. Am Ende allerdings wurde ein etabliertes Team Afrikameister, nämlich Nigeria, das sich mit seinem dritten Titelgewinn auch für den FIFA Konföderationen-Pokal im Sommer in Brasilien qualifizierte. Aufgrund der Verlegung der Endrunde in ungerade Jahre war die letzte Auflage gerade erst zwölf Monate her. Dennoch bot sich beim Turnier in Südafrika ein völlig verändertes Bild. Vor einem Jahr waren die Super Eagles beispielsweise nicht einmal qualifiziert und ihr Finalgegner Burkina Faso holte keinen einzigen Punkt.

Der Titelträger
Nigeria gehörte vor dem Turnier nicht unbedingt zum engeren Kreis der Favoriten, doch das Team präsentierte sich in Topform und konnte dann auch mit dem Druck umgehen. Unter ihrem erfahrenen Trainer Stephen Keshi spielten die Nigerianer mit guter Organisation und starkem Siegeswillen und gewannen letztlich verdient den Titel. Zunächst gab es in Gruppe C nur zwei Unentschieden gegen Burkina Faso und Sambia, doch dann gewann das Team aus dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas vier Spiele in Folge und räumte dabei mit beeindruckenden Leistungen mit der Elfenbeinküste und Mali die beiden in der Weltrangliste am besten platzierten afrikanischen Teams aus dem Weg. Insgesamt vier Mal hatte Nigeria das Finale der Kontinentalmeisterschaft in der Vergangenheit verloren, zum letzten Mal im Jahr 2000 gegen Kamerun. Dieses Mal gewann das Team das Endspiel gegen Burkina Faso durch ein wunderschönes Tor und feierte den Titelgewinn mit zahlreichen Ehrenrunden im Soccer City-Stadion von Johannesburg.

Die Favoriten
Titelverteidiger Sambia schied bereits nach der Gruppenphase aus. Allerdings hatte das Team auch eine sehr schwere Gruppe erwischt, aus der letztlich beide Finalisten hervorgingen. Dennoch war es das erste Mal seit Algerien im Jahr 1992, dass sich der amtierende Afrikameister so früh aus dem Turnier verabschieden musste. Die Elfenbeinküste, Sambias Finalgegner aus dem Vorjahr, galt bereits zum fünften Mal in Folge als Topfavorit, doch im Viertelfinale gegen Nigeria war bereits Endstation. Für Didier Drogba war seine voraussichtlich letzte Afrikameisterschaft somit eine enttäuschende Angelegenheit. Der Kapitän des ivorischen Teams konnte sein Können ebenso wenig abrufen wie die meisten seiner Mitspieler. Auch Ghana konnte die hohen Erwartungen nach überstandener Gruppenphase nicht erfüllen. Immerhin erreichte das Team zum vierten Mal in Folge die Halbfinalrunde. Das 2:0 im Viertelfinale gegen das beeindruckend starke Team von Kap Verde war für Ghana ein schmeichelhaftes Resultat. Im Halbfinale gegen Burkina Faso waren die Black Stars dann spielerisch klar unterlegen und retteten sich gerade noch ins Elfmeterschießen, das sie verloren. Im Spiel um Platz drei gab es dann zum zweiten Mal in Folge eine Niederlage gegen Mali.

Die Überraschungen
Burkina Faso gelang mit dem Erreichen des Endspiels die größte Überraschung. Das Team war zwar bei acht der letzten zehn Turnierauflagen dabei, hatte es bislang jedoch erst ein einziges Mal über die Gruppenphase hinaus geschafft, nämlich 1998 als Gastgeber, als man immerhin bis ins Viertelfinale vorstieß. Trainer Paul Put ließ sein Team mutig und mit viel Flair aufspielen. Die nordafrikanischen Vertreter hingegen sorgten für große Enttäuschung. Erstmals seit 1992 gelang keinen Team aus dem Norden des Kontinents der Einzug in die K.o.-Runden: Tunesien, Algerien und Marokko schieden nach der Gruppenphase aus. Ganz anders das Bild bei den westafrikanischen Teilnehmern. Erstmals überhaupt stammten alle Halbfinalisten aus dem Westen des Kontinents. Zudem gelang Togo erstmals der Einzug ins Viertelfinale, ebenso wie Kap Verde als Debütant.

Die Stars
Der Nigerianer Emmanuel Emenike erzielte vier Tore aus dem Spiel heraus und wurde damit Torschützenkönig. Sunday Mba seinerseits war der Überraschungsheld der Nigerianer, der im Viertelfinale gegen die Elfenbeinküste und im Endspiel gegen Burkina Faso jeweils das Siegtor erzielte. Bei beiden Treffern zeigte er großartige Technik, Körperkontrolle und Übersicht. In der Defensivabteilung präsentierte sich Vincent Enyeama erneut als zuverlässiger Schlussmann und dirigierte die jungen Verteidiger, die so gut harmonierten, dass Stammkapitän Joseph Yobo es nicht ins Team schaffte. Die beiden Topstars im Team des neuen Afrikameisters waren indes John Obi Mikel und Victor Moses vom FC Chelsea, die durch starke Führungsarbeit, grundsolide Leistungen und athletisches Können beeindruckten.

Auf Seiten des unterlegenen Finalisten Burkina Faso ragte insbesondere Flügelmann Jonathan Pitroipa heraus, der folgerichtig als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet wurde. Stürmer Alain Traore erzielte in den ersten zwei Spielen drei Tore, musste dann aber wegen einer Verletzung am Bein die Heimreise antreten. Aristide Bance vom FC Augsburg, an seinem blonden Haarschopf stets gut zu erkennen, erwies sich indes als spielstarker und kraftvoller Ersatz für den Verletzten. Der erst 22-jährige Ghanaer Mubarak Wakaso brachte es auf vier Tore, drei davon vom Elfmeterpunkt, während der tunesische Youngster Youssef Msakni für das schönste Tor des Turniers ausgezeichnet wurde, den fantastischen Siegtreffer von der Strafraumgrenze im Gruppenspiel gegen Algerien. Für Seydou Keita aus Mali war es bereits die sechste Turnierteilnahme. Der ehemalige Spieler des FC Barcelona zeigte sich in bestechender Form und zog im talentierten Mittelfeld seines Teams gekonnt die Fäden.

Hätten Sie's gewusst?
Burkina Faso hatte bei seinen bisherigen fünf Teilnahmen an der Afrikameisterschaft lediglich vier Punkte geholt und ist das in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste am schwächsten platzierte Team (Platz 92), das es jemals bis ins Finale des Wettbewerbs geschafft hat. Burkina Faso hatte sich erst durch ein Tor in der sechsten Minute der Nachspielzeit gegen die Zentralafrikanische Republik für das Turnier qualifiziert.

Statistik
2 –
So viele Männer haben den Afrikanischen Nationen-Pokal nun als Spieler und als Trainer gewonnen. Stephen Keshi, der 1994 als Kapitän mit Nigeria triumphierte, gesellt sich durch den Titelgewinn als Trainer zu dem Ägypter Mahmoud El Gohary.

Zitat
"Nach oben sind diesem Team keine Grenzen gesetzt."
Stephen Keshi (Trainer, NGA) über seine erfolgreichen Schützlinge