Keshi: Mit Spaß und Disziplin zum Erfolg
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Nigerias Super Eagles könnten am Sonntag ihren dritten Titel beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal gewinnen. Der Endspielgegner in Johannesburg ist der krasse Außenseiter Burkina Faso. Für den nigerianischen Nationalcoach Stephen Keshi ist dieses Spiel zugleich die Möglichkeit, in große Fußstapfen zu treten. Der "Big Boss", wie er genannt wird, verriet im Gespräch mit FIFA.com, wie er dieses Ziel erreichen möchte.

Mahmoud El Gohary ist eine afrikanische Fussballlegende. Beim Titelgewinn Ägyptens (damals "Vereinigte Arabische Republik") beim Afrika-Cup 1959 wurde er Torschützenkönig und als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet. Nach seiner aktiven Laufbahn startete er eine ruhmreiche Trainerkarriere, in deren Verlauf er zwei Mal die Nationalmannschaft seines Landes betreute. Unter anderem führte er Ägypten zum Triumph beim kontinentalen Wettbewerb 1998. Als Spieler konnte Keshi schon erreichen, was auch El Gohary gelungen war: Mit den Super Eagles wurde er 1994 Afrikameister. Und mit einem Sieg gegen die Burkiner am kommenden Sonntag würde Keshi zum erst zweiten Trainer avancieren, der das kontinentale Kräftemessen Afrikas sowohl als Coach wie auch als Spieler gewinnen konnte.

Für Keshi, der Togo sensationell zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ geführt hatte, ist der Schlüssel zum Erfolg die Mischung aus harter Arbeit und Spaß: "Disziplin ist von grundlegender Bedeutung – sowohl auf dem Platz als auch außerhalb. Aber natürlich muss das Ganze auch Spaß machen. Das gilt für jeden Job: Wenn man keinen Spaß daran hat, kann man nicht 100 Prozent geben. Diese Erfahrung machte ich bereits als Spieler, und diese Einstellung möchte ich auch als Trainer vermitteln. Spaß, aber auch Disziplin – das ist der Schlüssel zum Erfolg."

Starke Leistungen in Südafrika
Diese Kombination hat bei den zuletzt schwächelnden Super Eagles in Südafrika perfekt funktioniert. Die Nigerianer sicherten sich in der Vorrundengruppe C den zweiten Platz – vor Titelverteidiger Sambia, jedoch hinter jener Mannschaft, auf die sie im Endspiel treffen werden. Im Viertelfinale gab es einen 2:1-Sieg über Turnierfavorit Elfenbeinküste. Nachdem sie im Viertelfinale die in der Weltrangliste bestplatzierte afrikanische Nation ausgeschaltet hatten, wurde anschließend Mali, die am dritthöchsten rangierende Mannschaft des Kontinents, überlegen mit 4:1 bezwungen.

Natürlich wurden bereits Vergleiche mit der Mannschaft von 1994 angestellt, die als letztes nigerianisches Team den Afrikanischen Nationen-Pokal gewinnen konnte, doch Keshi möchte davon nichts hören: "Die Mannschaft von 1994 wurde über einen Zeitraum von fünf Jahren aufgebaut, während das aktuelle Team erst seit fünf Wochen in dieser Konstellation zusammenspielt. Ich möchte betonen, dass wir uns erst in der Aufbauphase befinden. Man darf keinesfalls davon ausgehen, dass wir einfach nur auf den Platz gehen müssen und jedes Spiel gewinnen. Im Fussball geht es ständig auf und ab", warnte er.

Keshi ist auch darauf bedacht, das Lob, das er erhält, an seine Spieler weiterzugeben. "Meine Spieler bringen die Leistung auf dem Platz – nicht ich. Sie haben sehr hart gearbeitet und sich den Erfolg verdient. Ich habe ihnen lediglich Anweisungen gegeben, doch die Leistung haben sie gebracht. Ob wir das Endspiel gewinnen können? Wir werden sehen!"

Ähnliche Töne schlug auch der nigerianische Torhüter Vincent Enyeama an, der nichts davon wissen wollte, dass die Super Eagles im Endspiel als Favorit gelten: "Jede Mannschaft, die das Endspiel erreicht, hat Qualität. Burkina Faso konnte während des gesamten bisherigen Turniers überzeugen. Wir sehen uns nicht als Favorit. In der Gruppenphase spielten wir gegen Burkina Faso unentschieden [1:1 am ersten Spieltag der Gruppe C], und sie haben bislang noch kein einziges Spiel verloren."

Burkina Faso hofft auf Überraschung
Auch der burkinische Trainer Paul Put sieht die Nigerianer nicht zwangsläufig als Favorit für das Endspiel, das im FNB-Stadion in Johannesburg stattfinden wird, in dem auch das Finale der Weltmeisterschaft 2010 ausgetragen wurde. "Nigeria ist zweifelsohne ein starkes Team, doch auch wir sind eine gute Mannschaft und haben keinen Grund, uns zu verstecken. Auch wir werden unsere Chancen haben. Überraschungen sind immer möglich. Vielleicht wird am Sonntag unser großer Tag kommen."

Die Aufgabe wird durch den wahrscheinlichen Ausfall von Mittelfeldspieler Jonathan Pitroipa zusätzlich erschwert, der nach seiner Gelb-Roten Karte im Halbfinale gegen Ghana, das Burkina Faso im Elfmeterschießen gewonnen hatte, gesperrt ist. Die Burkiner legten bei der CAF Protest ein, doch solange die zweite gelbe Karte nicht widerrufen wird, muss Put ohne seinen Legionär von Stade Rennes planen. "Die Sperre von Pitroipa ist natürlich ein Rückschlag, denn er ist sehr wichtig für die Mannschaft", sagte Put, der auf jeden Fall auf den verletzten Stürmer Alain Traoré verzichten muss, der in den ersten beiden Spielen drei Treffer erzielen konnte.

Pitroipa zeigte sich sehr enttäuscht darüber, dass er im möglicherweise wichtigsten Spiel in der Geschichte von Burkina Faso nicht mit dabei sein kann: "Ich bin gut in das Turnier gestartet und hatte gehofft, es auch erfolgreich zu beenden, insbesondere im Endspiel. Ich wollte der Mannschaft unbedingt dabei helfen, den Pokal zu holen. Nun werde ich im Finale leider nicht spielen können, doch ich werde das Team trotzdem unterstützen. Wir verfügen über eine starke Truppe. Wir müssen konzentriert spielen und bis zur letzten Minute alles geben", sagte er.

Und da der Afrikameister auch für den FIFA Konföderationen-Pokal 2013 in Brasilien qualifiziert ist, gibt es einen Grund mehr, alles zu geben.