Bancé lässt Burkina Faso träumen
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"Bancé! Aristide! Aristide Bancé!" Es ist, als würde derzeit nur ein Name durch die staubigen Straßen von Ouagadougou schallen. Seit Tagen hat der Fussball die Menschen rund um die Place des Nations Unies inmitten Burkina Fasos beschaulicher Hauptstadt im Griff. Und ausgerechnet der in der Bundesliga chronisch erfolglose Angreifer vom FC Augsburg soll die ganze Nation ins Glück schießen, wenn die Westafrikaner am Sonntag (19:00 Uhr) im Finale des Afrika-Cups in Johannesburg gegen Nigeria ihren überraschenden Erfolgszug krönen wollen.

"Wir sind für unser Volk hier. Wenn ich in Südafrika juble, dann juble ich für alle Menschen in Ouagadougou, für alle in Burkina Faso", sagt Bancé, der im Halbfinale gegen Ghana (4:3 n.E.) zum Helden wurde. Mit seinem Treffer zum 1:1 schoss er Les Étalons, die Hengste, in die Verlängerung, im Elfmeterschießen verwandelte er fast schon aufreizend lässig. "Vor dem Spiel haben mir meine Freunde gesagt, dass dies mein Tag werden würde", sagt Bancé und wirkt dabei, als habe er seine Bestimmung und seine Rolle endlich gefunden.

Der exzentrische Angreifer mit den blonden Spaghetti-Locken war in seinem Leben lange jemand, der vergeblich nach einer Heimat suchte. Geboren in Abidjan, der größten Stadt der Elfenbeinküste, flüchtete er vor dem Bürgerkrieg ins Nachbarland, wurde im Nationalteam kritisch beäugt - er sei schließlich kein echter Burkiner. Fussballerisch wurde Bancé zum Nomaden: Als Teenager startete er in Belgien durch, danach führte die Reise durch die Ukraine, Deutschland, die Emirate, Katar, die Türkei.

Glücklich wurde er eigentlich nur beim FSV Mainz 05 (2008-2010), zumindest zeitweise. Die Sehnsucht nach der Bundesliga trieb Bancé im Sommer 2012 nach Augsburg - der Wechsel war bislang ein großes Missverständnis: 15 Spiele, zwei über 90 Minuten, kein Tor. Der Afrika-Cup ist für den 28-Jährigen fast eine Therapie: "Das hier gibt so viel Selbstvertrauen."

So riesig die Erwartungshaltung daheim auch ist: Die Burkiner gehen als krasser Außenseiter in ihr erstes Finale bei kontinentalen Meisterschaften. Endspiel-Gegner Gegner Nigeria gehört - trotz einer Durststrecke im letzten Jahrzehnt - traditionell zu den besten Adressen im afrikanischen Fussball, beeindruckte in Südafrika im Viertelfinale beim 2:1 über Topfavorit Elfenbeinküste und im Halbfinale beim 4:1 gegen das aufstrebende Mali.

"Wir haben eine Menge Potenzial, entwickeln uns aber noch", sagt Trainer Stephen Keshi, der beim bislang letzten Afrika-Cup-Triumph 1994 Kapitän der Super Eagles war: "Es wäre toll, nach so vielen Jahren wieder eine Trophäe zu gewinnen."